Gefährliche Fallen

Anwohner warnen vor Giftködern in Berlin-Mariendorf

Foto: T.H.

In den Seitenstraßen des Mariendorfer Damms sind offenbar Giftköder gefunden worden. Anwohner warnen mit Aushängen Familien und Hundebesitzer vor den gefährlichen Fallen.

Rund um den Lerchenweg im Berliner Ortsteil Mariendorf (Bezirk Tempelhof-Schöneberg) sind Anwohner in großer Sorge. Vergangene Woche sollen, so berichtet ein Spaziergänger, Hundebesitzer Giftköder entdeckt haben. In welcher Form die Fallen ausgelegt wurden, ist bislang nicht bekannt. Ob sie sich gegen Hunde, Katzen oder beispielsweise Ratten richten ebenso wenig.

Als Reaktion hängen nun jedoch Warnhinweise mit der Überschrift "Aufgepasst!" an Bäumen und Schaltkästen, so zum Beispiel an der Kreuzung Lerchen- und Finkenweg.

"Seit einiger Zeit wird in unserer Straße Gift auf den Straßen ausgelegt!!!", steht auf dem Warnhinweis, und weiter heißt es: "Dieses Handeln gefährdet nicht nur Tiere – auch Kinder könnten vergiftet werden!!!" Die Verfasser wenden sich sogar direkt an den "Täter oder die Täterin", und betonen, dass sein oder ihr Handeln nicht verhindern könne, dass es Menschen geben werde, die Tiere halte. "Es werden immer Hunde auf unseren Straßen unterwegs sein."

Keine Anzeige bei der Polizei

So wenig sich die Hundebesitzer einschüchtern lassen wollen, so wenig haben sie bislang bei Behörden von ihrem Verdacht berichtet. "Bei dem zuständigen Polizeiabschnitt ist keine Anzeige eingegangen", sagt Michael Merkle, Pressesprecher der Berliner Polizei. Dabei würden solche Fälle sehr ernst genommen. "Die Freisetzung von Giften ist keine Ordnungswidrigkeit, sondern eine Straftat", betont Merkle. Entsprechende Fallen oder Köder würden von Spezialisten der Kriminaltechnik untersucht. Merkle warnt davor, sich gegenseitig nervös zu machen und rät Findern dazu, Polizei oder Veterinärämter einzuschalten.

Das betont auch Berlins Tierschutzbeauftragter Horst Spielmann: "Da das Auslegen von Giftködern eine Straftat ist, muss auch die Polizei verständigt werden – mit genauen Angaben über den Fundort." Spielmann ist mit dem aktuellen Fall aus Mariendorf nicht befasst. Er befindet sich zurzeit in Japan. Von dort berichtet er der Berliner Morgenpost per Mail, dass er in diesem Jahr mehrfach Hinweise auf vergiftete Hundeköder aus verschiedenen Berliner Bezirken erhalten hatte, "ohne dass mir strafrechtliche Ermittlungen bekannt geworden sind".

Zuletzt hatte er Ende April 2013 Hundebesitzer und Eltern von kleinen Kindern öffentlich vor Giftködern in Grünanlagen, auf Plätzen und Straßen gewarnt. "Es kommt immer wieder vor, dass Hundehasser aus Wut über Hundekot oder über angeblich aggressive Hunde Giftköder auslegen. Auch Kinder sind durch diese Köder gefährdet, da sie sehr unterschiedliche Gifte enthalten können", erklärte er damals. Und das gilt wohl auch heute noch.

Spielmann rät weiter: "Wenn Hundebesitzer Auffälligkeiten an ihrem Tier entdecken, sollten sie unverzüglich einen Tierarzt oder Kleintierkliniken aufsuchen oder mit dem tierärztlichen Notdienst Kontakt aufnehmen." Der Berliner Giftnotruf ist unter der Nummer 19240 zu erreichen.

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