Lichtenrade

Berlin verhandelt wieder über Tunnel für Dresdner Bahn

Anwohner kämpfen seit Jahren darum, dass in Lichtenrade die Dresdner Bahn durch einen Tunnel fahren soll. Nun gibt es den ersten direkten Dialog der Verwaltungsspitzen von Senat und Bund.

Foto: Amin Akhtar

Seit 15 Jahren wird um die Trassenführung der Dresdner Bahn durch Berlin-Lichtenrade gestritten, nun bestehen Chancen auf einen Durchbruch: Am 9. Oktober treffen sich die Staatssekretäre des Bundesverkehrsministeriums und der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Michael Odenwald (CDU) und Christian Gaebler (SPD), zu einem Gespräch.

Es ist der erste direkte Dialog der beiden Verwaltungsspitzen, obwohl die Diskussionen um diese Bahnlinie schon seit 15 Jahren andauern. Zentrales Thema wird sein, ob und unter welchen Umständen in Lichtenrade die Streckenführung durch einen Tunnel möglich ist.

Bislang planen die Deutsche Bahn und ihr Eigentümer, der Bund, aus Kostengründen eine oberirdische Trasse. Neben den bestehenden S-Bahn-Gleisen sind zwei Fernbahngleise vorgesehen. Auf denen soll nicht nur der Airport-Express zwischen Berliner Hauptbahnhof und dem künftigen Flughafen BER rollen.

Die Trasse soll auch für deutlich schnellere Fernverbindungen von Berlin nach Dresden, Prag, Wien und Budapest sorgen. Das Genehmigungsverfahren wird derzeit vom Eisenbahn-Bundesamt (EBA) bearbeitet.

Gespaltener Ortsteil

Die "Bürgerinitiative Lichtenrade Dresdner Bahn e.V." kämpft gegen die ebenerdige Variante an, unterstützt von etlichen Politikern. Die Gegner befürchten, dass Lichtenrade dann in zwei Teile gespalten wird, nicht nur durch eine viel befahrene Bahnlinie, sondern auch durch meterhohe Schallschutzwände.

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Jan-Marco Luczak warnt zudem vor Lärm und Erschütterungen an Gebäuden, die die Lebensqualität beeinträchtigten und zu einem Wertverlust von Grundstücken führten. Schließlich drohe der Bahnhofstraße, Lichtenrades Geschäftszentrum, der Verkehrskollaps. Denn der Auto-, Bus-, Rad- und Fußgängerverkehr soll bei dieser Variante unter der Bahntrasse hindurchgeführt, bestehende Bahnübergänge sollen geschlossen werden. Deshalb fordert die Bürgerinitiative die Tunnellösung und den Stopp des jetzigen Planfeststellungsverfahrens beim EBA. Zu einer Kundgebung der BI kamen im September mehr als 1000 Menschen.

Bei der Frage des ersten Schritts hin zu einer Tunnellösung und deren Finanzierung wurde in der Vergangenheit der schwarze Peter zwischen Bund und Bahn auf der einen sowie dem Senat auf der anderen Seite herumgereicht. Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) sagte im Mai, dass Bund und Bahn allein die Mehrkosten nicht stemmen könnten. Er verwies auf die Koalitionsvereinbarung in Berlin. Dort heißt es: "Das Land Berlin setzt sich beim Bund für eine Tunnelführung der Dresdner Bahn im Bereich Lichtenrade ein, unter Berücksichtigung des entsprechenden Landesanteils."

Staatssekretär Gaebler sicherte bei der Kundgebung für den Tunnel zu, dass sich das Land an den Mehrkosten für die unterirdische Verkehrsführung beteiligen werde. Bahnintern ist von zusätzlichen Kosten bis zu 100 Millionen Euro die Rede. Auch der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) hat der Bürgerinitiative im vergangenen Jahr in zwei Schreiben eine finanzielle Beteiligung Berlins an einem Tunnel "in erheblichem Umfang" in Aussicht gestellt – "wenn der Bund und die Bahn dieses ebenfalls auf freiwilliger Basis tun".

Freiwillige Finanzierung

Daniela Augenstein, Sprecherin von Verkehrssenator Michael Müller (SPD), verwies darauf, dass der Senat zunächst das Prüfergebnis des Eisenbahn-Bundesamtes abwarte: "Wenn es dabei eine Tunnellösung gibt, und das ist unser Ziel, muss sie vom Bund gezahlt werden." Erst wenn das Bundesamt die ebenerdige Trasse für genehmigungsfähig erklärt, würde Berlin den Tunnel freiwillig mit der Bahn und dem Bund finanzieren. Bislang hätten diese eine solche Variante immer abgelehnt.

Ein Tunnel wird im laufenden Planfeststellungsverfahren aber gar nicht geprüft. Deshalb sagt die Lichtenrader Bürgerinitiative, es sei juristisch und politisch ein Fehler, die Entscheidung des Eisenbahn-Bundesamtes abzuwarten. Dann bliebe ihr nur der Klageweg und der koste Zeit und Geld. Sie fordert daher, das Genehmigungsverfahren abzubrechen. Dazu könnte entweder die Bahn ihren Antrag auf Planfeststellung zurückziehen oder das Bundesverkehrsministerium einen solchen Stopp anweisen. Beides gilt derzeit als unwahrscheinlich. Also bleibt den Betroffenen die Hoffnung, dass sich Bund, Bahn und Senat auf eine gemeinsame freiwillige Finanzierung des Tunnels einigen.

Dann müsste das Genehmigungsverfahren noch einmal aufgerollt werden. Allerdings hatte das Bundesamt wegen geänderter Lärmschutzvorgaben erst im Frühjahr weitere Unterlagen bei der Bahn angefordert, die nun geprüft werden müssen. Wann die ersten Züge rollen können, ist also offen. Bahn-Experten gehen davon aus, dass dies nicht vor 2020 möglich ist.

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