Logo der Berliner Morgenpost
http://www.morgenpost.de/bezirke/steglitz-zehlendorf/article955973/Anwohner_wehren_sich_gegen_Supermarkt.html
twitter Facebook StudiVZ/MeinVZ
Link in E-Mail oder Instant-Message einfügen close

Waldsiedlung

Anwohner wehren sich gegen Supermarkt

Die Pläne für den Bau eines Supermarktes zwischen der Potsdamer Chaussee und dem Pfeddersheimer Weg haben in der Waldsiedlung Nikolassee eine Welle des Protestes ausgelöst: In der Sitzung der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) wollen die Anwohner etwa 1000 Unterschriften gegen das geplante Projekt übergeben.

Alle Fraktionen der BVV hatten dem Bau eines Discounters gegenüber vom Waldfriedhof im November 2007 zugestimmt. Baustadtrat Uwe Stäglin (SPD) wurde aufgefordert, den Bebauungsplan zu ändern, "um die Umsetzung des Projekts Plus schnellstmöglich sicherzustellen".

Die Anwohner fürchten nicht nur, dass sich Verkehr und Lärm in ihrer Siedlung erhöhen werden. Sie wehren sich vor allem gegen das Argument, dass die Versorgung in ihrem Wohnumfeld nicht gesichert sei. "Nur fünf Minuten Fußweg entfernt befindet sich Reichelt, dahinter ist Penny und am Studentendorf an der Wasgenstraße wird ein Aldi gebaut", sagt Manfred Clemens. Der Plus-Markt wäre der vierte Supermarkt im näheren Umkreis. Von einem Defizit könne da keine Rede sein. Clemens, der im Pfeddersheimer Weg wohnt, hat noch ganz andere Befürchtungen: Der Investor habe seine Rechnung nicht mit der Kaufkraft der Anwohner gemacht - dazu seien es viel zu wenige -, sondern mit den Autofahrern, die auf dem Weg zwischen Potsdam und Berlin von der B 1 abgefangen werden sollen. Die könnten von der Potsdamer Chaussee auf den Pfeddersheimer Weg ausweichen.

Baustadtrat Uwe Stäglin war nie ein Befürworter der Discounter-Pläne gewesen. Er beruft sich dabei auf seine stadtplanerische Fachsicht. "Statt den Einkauf mit dem Auto an der B 1 zu fördern, will ich lieber die gewachsenen Einkaufszentren in Nikolassee stärken", sagt Stäglin. Dafür gebe es auch ein Zentrenkonzept, das den Schutz des kleinen Einzelhandels zum Ziel hat. Der Baustadtrat hatte den Bebauungsplan ganz bewusst so gestaltet, "dass auf dem Grundstück kein 800 Quadratmeter großer Markt hinkommen kann".

Nur Wohnhäuser sind zulässig

Bislang ist in dem Kiez nahe der Rehwiese nur der Bau von Wohnhäusern zulässig. Als die Kirchengemeinde Nikolassee das Grundstück verkaufte, stand auch der Bau eines neuen Wohnquartiers zur Debatte. Warum sich die Pläne des Investors zerschlagen hatten, bleibt im Bereich der Vermutungen. Fakt ist: Die ersten Kiefern wurden bereits gefällt, um die Fläche vorzubereiten. Danach wucherte sie wieder zu und verkam zur Brache. Häuser wurden nie gebaut. Stattdessen wechselte das Grundstück mehrfach den Besitzer und mit ihnen wechselten die Pläne, bis das Projekt Plus auf der Tagesordnung stand. "Dafür muss der Bebauungsplan geändert werden", sagt Stäglin. Da er den Auftrag von der BVV habe, müsse er ihn ausführen. Es sei denn, der Beschluss werde von den Bezirksverordneten zurückgenommen. Das ist noch unklar. Die CDU-Fraktion sei noch im "ergebnisoffenen Prozess der Meinungsfindung", sagt der Fraktionsvorsitzende Marc Wesser. "Wir sind überrascht über die Ablehnung des Projekts durch die Anwohner." Man werde jetzt intensiv nachdenken und das Gespräch mit den Nikolasseern suchen.

Auch in Stäglins eigener Fraktion ist noch kein Stimmungswandel erkennbar. "Der Auftrag zur Änderung des Bebauungsplans besteht weiterhin", sagt Detlev Ronnisch, baupolitischer Sprecher der SPD-Fraktion. Er gehe davon aus, dass die Argumente der Anwohner dort mit einbezogen werden. Erst wenn die geänderte Fassung vorliege, könne erneut über die Machbarkeit des Projekts diskutiert werden. Möglicherweise hätten sich bis dahin auch die Gegebenheiten vor Ort geändert. So habe er von einem weiteren Markt, der am S-Bahnhof Nikolassee entstehen soll, gehört.

Anwohner Manfred Clemens findet, dass es am S-Bahnhof Nikolassee tatsächlich ein Defizit gibt. Die einst verwaiste Ladenzeile hat sich gerade wieder mit Bäcker und Fleischer gefüllt. "Ein Lebensmittelgeschäft wäre dort genau richtig", sagt Clemens. Er hofft auf das Einlenken der Bezirkspolitiker. "Falls nicht, wird geklagt", sagt Clemens.

Anzeige
Anzeige
Die Zeitung
Premium Inhalte
Berliner Morgenpost Apps
Anzeige
Eine exklusive Auswahl persönlicher Geschichten aus unserer Serie „Berliner Spaziergänge“ von 60 Prominenten wie Iris Berben, Diane Kruger, David Garrett, Thomas Demand, Heinz Buschkowsky, Nicolas Berggruen und Berliner Sportgrößen
Ab jetzt im Handel erhältlich oder direkt bestellen unter:
*zzgl. 3,90€ Versandkosten für Nichtabonnenten
**Kostenlos aus dem deutschen Festnetz