Discoshopping

Disco mit Frischkäse und Lauchstange

Bei der ersten „Disco Shopping“-Nacht in Lichterfelde gab es heiße Rhythmen - im Supermarkt.

Man findet den Eingang vom Supermarkt nicht sofort. Nur das Wummern von Musik ganz oben im Einkaufszentrum in Lichterfelde leitet einen in Richtung Parkhaus. Oben auf dem Deck angekommen, wanken einem betrunken, belustigte Erasmus-Studenten entgegen. Das typische Bild vor einem Club am Wochenende. Nur steht man hier nicht vor einem Club sondern vor einem Kaiser's Tengelmann.

Spätestens beim Betreten des Supermarkts wird man daran erinnert, dass das keine gewöhnliche Party ist. Und das liegt nicht etwa an den farbigen Perücken mancher Gäste. Es ist der Fakt, dass die Supermarktkette in einer Filiale eine Party schmeißt. Mit Alkohol, DJs und Diskolicht.

Feierei und Exzess trifft auf Alltag und Notwendigkeit. Da stehen über 600 aufgehübschte Partygänger zwischen Milch und Frischkäse. Andere tanzen wild zu 80er-Jahre Funk neben Studentenfutter und Knäckebrot auf einer LED-Tanzfläche. Und im Gang, wo sich das Toilettenpapier stapelt, lehnt ein knutschendes Pärchen mit Bierdosen in der Hand. Zum ersten Mal findet das so genannte "Disco Shopping" in Berlin statt. Die Party kommt ursprünglich aus Amsterdam.

Der Eintritt kostet 9,46 Euro. Dafür gibt es in den Einkaufswagen das, was auf der Liste steht, die man am Eingang bekommt. Bier, Schokoriegel, Chips, Kekse. Das ist nicht unbedingt die Auswahl, die man sich erhofft bei dem Gedanken an eine Nacht im Supermarkt. Am liebsten würde man alles essen dürfen. Aus dieser riesigen Auswahl picken, was immer man will.

Doch schnell wird klar: Der Supermarkt ist deshalb fast taghell ausgeleuchtet, dass die 15 Security-Männer in den Gängen jedem genau auf die Finger schauen können. Niemand darf hier einfach eine Tüte Gummibärchen aufreißen oder in einen Apfel beißen, so wie es in Kindheitsträumen der Fall ist. Ladendiebe wurden in der Nacht allerdings nicht gestellt.

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