Zentrum

Zehlendorfs Mitte soll wieder attraktiv werden

Vor 100 Jahren war Zehlendorf-Mitte noch ein richtiges Dorf. Heute ist davon kaum noch etwas zu sehen. Doch der SPD-Ortsverein hat jetzt Pläne für eine Neugestaltung ausgearbeitet.

Foto: Kunstverlag: J. Goldiner

Kirche, Anger, Dorfteich, kleine Läden und rumpelnde Pferdefuhrwerke auf den Pflasterstraßen – das war Zehlendorf-Mitte vor mehr als 100 Jahren. Heute schieben sich die Autokolonnen über den Teltower Damm, an dem sich Apotheken, Optiker und Hörgeräteakustiker rund um zahlreiche Arztpraxen angesiedelt haben. Der Dorfteich ist zugeschüttet, von einem Anger nur etwas Rasen übrig. Seit Jahren wird im Rathaus über Zehlendorfs historische Mitte diskutiert. Der Wille, wieder ein attraktives Zentrum zu schaffen, ist da. Doch getan hat sich nichts. Jetzt hat der Zehlendorfer SPD-Ortsverein Pläne für den Dorfkern ausgearbeitet und vorgestellt. Vorsitzender Andreas Linde setzt darauf, dass sich die schwarz-grüne Mehrheit in der Bezirksverordnetenversammlung nun ernsthaft mit dem Thema befassen muss.

"Die Gegend rund um den Teltower Damm mit ihrem kleinstädtischen Flair hat einige Nachteile", sagt Linde. So gebe es kein richtiges Zentrum oder einen Platz, an dem sich die Bewohner treffen könnten. Der Bereich rund um den S-Bahnhof sei in einem schlechten Zustand – kaum beleuchtet und zu einem Angstraum verkommen. Außerdem fehle noch immer der zweite Aufgang. Und der Branchenmix auf der Geschäftsstraße biete schon lange nicht mehr alle Waren des täglichen Bedarfs. Kleine Händler könnten die Mieten nicht zahlen. Gerade erst hätte der Kurzwarenhändler schließen müssen. Für einen Reißverschluss müssten die Zehlendorfer jetzt an die Steglitzer Schloßstraße fahren.

Platz für einen Wochenmarkt

Doch das Hauptaugenmerk legt Andreas Linde auf das Rathaus, die Kirchstraße und die Dorfaue. Dort soll ein neues Ortszentrum entstehen, so wie damals, als der Anger ein öffentlicher Raum im alten Dorf war. Um einen Platz für die Begegnung und für einen Wochenmarkt zu schaffen, soll die Kirchstraße für den Verkehr gesperrt werden. Diese Idee wurde schon einmal geprüft. Eine eigens dafür gegründete Arbeitsgemeinschaft, die AG Kirchstraße, kam aufgrund eines Verkehrsgutachtens zu dem Schluss, dass eine Sperrung nicht möglich ist. "Wir werden das jetzt von einem eigenen Verkehrsexperten der Technischen Universität überprüfen lassen", sagt Linde. Sollte es tatsächlich nicht möglich sein, halte er auch versenkbare Straßenpoller für eine Lösung. Dann könnte die Straße zeitweise, zum Beispiel für einen Wochenmarkt, gesperrt werden.

Um die Fläche vor dem Rathaus zu beleben, gibt es den Vorschlag, den Ratskeller von der Martin-Buber-Straße wieder an seinen alten Ort an den Teltower Damm zu verlegen und ein Café einzurichten. Von dort könnten die Besucher dann auf den Dorfteich sehen, der nach den Plänen auch wieder angelegt werden soll. Der alte Feuerlöschteich wurde von den Amerikanern zugeschüttet. Rings um den Teich soll ein Wegesystem entstehen mit Bänken zur Erholung. Für die Planung der Dorfaue will Andreas Linde Studenten der Fachrichtung Landschaftspflege gewinnen.

Baustadtrat skeptisch bei Sperrung der Kirchstraße

Baustadtrat Norbert Schmidt (CDU) findet den Vorstoß des SPD-Ortsvereins erst einmal in Ordnung "Es ist immer gut, wenn sich Leute Gedanken machen, wie sich das Gebiet zwischen Kulturkiosk und S-Bahnhof schöner gestaltet lässt", sagt der Baustadtrat. Die Sperrung der Kirchstraße sieht er jedoch skeptisch. "Das Thema ist durch", so Schmidt. Die Straße werde zu oft von Autofahrern genutzt, die die Kreuzung und die kurze Ampelschaltung an der Potsdamer Straße Ecke Teltower Damm umfahren wollen. Deshalb sei er gespannt, zu welchen Ergebnis ein neuer Planer kommen werde. Für Schmidt steht fest: "Es gibt noch keine Lösung für eine Idee, die uns alle eint: Die Dorfaue muss attraktiver gestaltet werden." In seine Amtszeit wird diese Lösung wohl nicht mehr fallen, denn der Baustadtrat geht im Juni in Pension.

Ähnliche Ansichten vertritt Bezirksbürgermeister Norbert Kopp (CDU). Er halte es für vernünftig zu gucken, wie die Situation verbessert werden könne, so Kopp. Die Pläne müssten aber finanzierbar und umsetzbar sein. "Die Sperrung der Kirchstraße wird nachweislich zu einem Verkehrschaos führen", sagt Kopp. Und auch den Eingang des Ratskellers zu verlegen, sei "eine schöne Idee", aber nicht machbar. Allein die Kosten für eine neue Küche, die Abzüge und den Umzug des Bauaktenarchivs, das noch an dem Standort ist, lägen bei geschätzten 2,5 Millionen Euro.

Die Mitglieder im SPD-Ortsverein werden die Neugestaltung des Ortszentrums jetzt mit Nachdruck angehen. Allein mit weiteren Anträgen an die Bezirksverordnetenversammlung soll es nicht getan sein. "Wir wollen auf die Akteure zugehen", sagt Linde. Geplant seien Gespräche mit Eigentümern und Mietern rund um den Teltower Damm, um die Geschäftsstraße im Sinne der Anwohner aufzuwerten. Und sie wollen darauf drängen, dass einmal beschlossene Pläne in die Investitionsplanung aufgenommen werden.

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