20.02.13

Reinickendorf

Berliner Bezirk lehnt Flüchtlingsheim ab

Mit 220 Plätzen sei das Asylbewerberheim im Reinickendorfer Wohngebiet zu groß, sagt das Bauamt. Anwohner waren von vornherein dagegen.

Von Brigitte Schmiemann
Foto: Glanze

Pflegeheim: In diesem Haus am Eichborndamm will der Awo-Verein 220 Flüchtlinge unterbringen
Pflegeheim: In diesem Haus am Eichborndamm will der Awo-Verein 220 Flüchtlinge unterbringen

Das Bauamt Reinickendorf hat den am vergangenen Donnerstag eingereichten Antrag abgelehnt, am Eichborndamm 124 ein Asylbewerberheim zu betreiben. "Eine Gemeinschaftsunterkunft für 220 Flüchtlinge verträgt sich nicht mit einem Wohngebiet", sagte Baustadtrat Martin Lambert (CDU).

Der Verein "Awo-Kreisverband Berlin-Mitte" will in dem Haus zukünftig besonders schutzbedürftige Menschen unterbringen. "Diese Platzzahl hatten wir mit dem Landesamt für Gesundheit und Soziales vereinbart, denn der Bedarf ist groß. Wir haben viele traumatisierte Flüchtlinge", sagte der Vorsitzende des Awo-Vereins, Manfred Nowak. Dazu zählten Senioren, Schwangere, Menschen mit Behinderung oder auch allein reisende Frauen, die zum Teil sexuelle Gewalt erfahren hätten.

Angesichts der Größe des Hauses sei die Zahl von 220 Schutzbedürftigen "angemessen und wirtschaftlich", sagte Nowak. Noch sind in dem Haus mit dem Namen "Marie-Schlei" pflegebedürftige alte Menschen untergebracht. Sie müssen spätestens bis Ende März ausziehen. Das katholische Petruswerk als Eigentümer der Immobilie hatte erst 2009 rund 2,5 Millionen Euro in die Modernisierung des Hauses investiert. Doch die Pflegeeinrichtung, die seit Mitte der 80er-Jahre besteht und zum "Ida-Wolff Geriatriezentrum Neukölln" der Arbeiterwohlfahrt gehört, muss schließen. Das hat der Insolvenzverwalter der Arbeiterwohlfahrt entschieden.

Grund sei eine niedrige Auslastung des Hauses, das nur zu 60 bis 70 Prozent belegt gewesen sei, sagte Nowak. Grundstück und Gebäude gehörten bis 2008 dem Landesverband der Arbeiterwohlfahrt, die 2010 insolvent wurde und das Haus schließlich an das Petruswerk verkaufte.

"Asylbewerberheim verdrängt Altenpflegeheim"

Nachbarn des Hauses sorgen sich unterdessen über die neuen Pläne für das Haus. Unter dem Stichwort "Asylbewerberheim verdrängt Altenpflegeheim" tauschen sie sich bei Facebook über die Pläne aus. Alte Leute und ihre Angehörigen so überraschend und mit einer solch kurzen Frist mit dem Auszug vor vollendete Tatsachen zu stellen, sei ethisch-moralisch verwerflich, sagt ein 43 und 46 Jahre altes Paar, das erst vor vier Jahren aus Tegel ins neu gebaute Haus in der Hufenschlag-Siedlung gezogen ist. Hätten sie gewusst, dass ganz in die Nähe ein Asylbewerberheim entstehe, hätten sie dort niemals gebaut. In der Nachbarschaft gibt es auch Angst vor steigender Kriminalität.

Es mangelt an Möglichkeiten für junge Leute

Für Baustadtrat Martin Lambert, der die Gemeinschaftsunterkunft im allgemeinen Wohngebiet als planungsrechtlich grundsätzlich machbar einstuft, ist die Platzzahl ausschlaggebend. Das Seniorenheim sei etwa für die Hälfte der jetzt beantragten Flüchtlingsplätze zugelassen gewesen. Bei den älteren Menschen seien etliche zudem bettlägerig. "Das wird bei den Flüchtlingen ja nicht so sein. Es werden auch viele junge Menschen kommen. Und wir haben noch nicht einmal einen Spielplatz und eine Sportmöglichkeit für sie", sagte er.

Der Standort sei insofern für so viele Menschen ungeeignet. Im November habe das Stadtplanungsamt sowie das Bau- und Wohnungsaufsichtsamt zwar eine baurechtliche Genehmigung in Aussicht gestellt, aber damals hätten auch nur die freien Kapazitäten des Heims mit Flüchtlingen belegt werden sollen. Es sei nicht die Rede davon gewesen, das Seniorenheim komplett aufzugeben. Er stehe zu seiner grundsätzlichen Zusage. Jugendliche und junge Erwachsene müssten dann auf dem Gelände aber auch Möglichkeiten der Beschäftigung haben.

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