Gesundbrunnen
Pfarrer entdeckt verschüttete Heilquelle
Eher zufällig stieß Pfarrer Thomas Gärtner in seinem Hinterhaus auf die seit über 125 Jahren verschüttete Heilquelle von Friedrich I., dem einstigen König von Preußen. Dieser eröffnete dort die Heil- und Badeanstalt "Friedrichs-Gesundbrunnen". Nun wird die Quelle vermutlich ein Wallfahrtsort. Ab Samstag sind Fahrradausflüge zu der wiederentdeckten Heilquelle geplant.
Von Rainer L. Hein
Die Quelle heute. Der Preußenkönig Friedrich I. hatte 1760 eine Heil- und Badeanstalt unter dem Namen "Friedrichs-Gesundbrunnen" eröffnet. Als 1882 an der Badstraße die Kanalisation gebaut wurde, hatten Arbeiter die Quelle aber zugeschüttet - so schien es jedenfalls.
Die Entdeckung dieser Heilquelle kommt zwar nicht annähernd der des französischen Wallfahrtsortes Lourdes gleich, doch es grenzt schon an ein Wunder, dass nach 125 Jahren jetzt die Quelle des Gesundbrunnens aufgespürt wurde. Der Schulpfarrer vom Grauen Kloster, Thomas Gärtner (57), entdeckte die Wasserader im Keller des Hinterhauses in der Badstraße 35, wo er im Vorderhaus wohnt.
"Mich interessierte die Geschichte vom Gesundbrunnen und vom Quellhäuschen und der nahen Panke schon lange", erzählt er. "Doch dass ausgerechnet direkt unter meiner Wohnung die Quelle wie einst sprudelt, macht mich sprachlos." Der Hausmeister habe ihm beiläufig einmal von der Wasserader erzählt.
So erfuhr der Hobbyforscher Thomas Gärtner mehr durch Zufall von der Existenz der einstigen Heilquelle des Preußenkönigs Friedrich I. Dieser hatte 1760 die Heil- und Badeanstalt unter dem Namen "Friedrichs-Gesundbrunnen" eröffnet. Als 1882 an der Badstraße die Kanalisation gebaut wurde, hatten Arbeiter die Quelle zugeschüttet - so schien es jedenfalls. Zumindest tauchte der Wasserlauf in historischen Unterlagen nicht mehr auf.
Was offenbar niemand überlieferte, war vor mehr als 100 Jahren passiert. Im Keller des Wohnhauses an der Badstraße war ein Steinbecken gemauert worden, in dem das Quellwasser des Gesundbrunnens aufgefangen und dann in den Kanal geleitet wurde. Mit schweren Türen wurde der Zugang gesichert.
Ab sofort dürfte die Heilquelle des Gesundbrunnens zu einem Berliner Wallfahrtsort werden. Die Initiative "Nächste Ausfahrt Wedding" veranstaltet ab kommenden Sonnabend Fahrradtouren von der Gleimstraße (Treffpunkt: vor dem Mauerpark, 14 und 16 Uhr) zur Quelle. Auch der Hauseigentümer der Wohnungsgesellschaft Gesobau will ein Besuchsprogramm erarbeiten. Sprecher Matthias Gaenzer: "Die Heilquelle ist wiederentdecktes Berliner Kulturgut. Somit haben wir einen Auftrag, damit die Öffentlichkeit dieses Wunder besichtigen kann." Die Gesobau will jetzt einen Plan zusammen mit Denkmalschützern erarbeiten.
Pfarrer Thomas Gärtner hat das Quellwasser zusammen mit Tanja Kapp (Wedding-Initiative) vom Institut "Wasserkontor" prüfen lassen. "Nach der bundesdeutschen Wasserverordnung ist das Gesundbrunnen-Heilwasser ausgezeichnet", so das Testergebnis.
Tatsächlich wurde zu Zeiten Friedrichs I. das Quellwasser für chronische, rheumatische Krankheiten und Augenleiden eingesetzt - es ist sehr eisenhaltig. 1701 hatte der Berliner Apotheker Heinrich Wilhelm Behm den Brunnen wegen seiner Heilkraft ausgebaut. Das geht aus Unterlagen des Weddinger Heimatmuseums (Pankstraße 47) hervor.
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