Bildung in Berlin Pankows Schulen gehen die Plätze aus

Plakative Forderungen: Mehr als 2000 Grundschüler, Erzieher, Lehrer und Eltern protestieren am Montag für den Neubau von Schulen in Pankow

Foto: Reto Klar

Plakative Forderungen: Mehr als 2000 Grundschüler, Erzieher, Lehrer und Eltern protestieren am Montag für den Neubau von Schulen in Pankow

2000 Eltern, Schüler und Lehrer demonstrieren im Pankower Ortsteil Französisch Buchholz für mehr Schulpätze und schnelleren Neubau.

"Bildung braucht Platz" steht auf vielen Plakaten, die am Montagnachmittag im Pankower Ortsteils Französisch Buchholz zu sehen sind. Mehr als 2000 Kita-Kinder, Grundschüler, Erzieher, Lehrer und Eltern sind auf die Straße gegangen.

Sie fordern mehr Schulplätze und schnelleren Neubau von Schulen. Initiator der Demonstration ist Lars Bocian, Vorsitzender der Gesamtelternvertreter der Jeanne-Barez-Grundschule in Französisch Buchholz.

Er sagt der Berliner Morgenpost, dass es an den Grundschulen im Ortsteil Französisch-Buchholz immer enger wird. "Sowohl die Jeanne-Barez-Schule als auch die Grundschule am Birkenhof sind bereits überbelegt."

Eltern in Sorge

Die Eltern befürchten nun, dass diese beiden Schulen im kommenden Schuljahr nicht mehr alle dort angemeldeten Schüler aufnehmen können. Einige hätten bereits einen negativen Bescheid bekommen, sagt Bocian. Auch an den benachbarten Grundschulen sähe es nicht besser aus.

"Die Eltern sind nun in Sorge, dass sie keinen Schulplatz mehr in der Nähe ihres Wohnortes finden." In Französisch Buchholz würden entgegen der bezirklichen Prognose immer mehr Wohnungen und Einfamilienhäuser gebaut. Die Anzahl der geplanten Schulplätze würde mit dieser Entwicklung aber nicht Schritt halten.

Bocian kritisiert, dass zwar ständig neue Kitas eröffnet werden, aber kaum neue Schulen entstehen. Das, so sagt er, habe im vergangenen Schuljahr schon dazu geführt, dass Geschwisterkinder an unterschiedlichen Schulen lernen mussten.

Kinder müssen in Schichten essen

Die Eltern wollen mit der Demonstration auch darauf hinweisen, dass sowohl die Jeanne-Barez-Grundschule als auch die Schule am Birkenhof bereits Fach- und Horträume auflösen mussten, um mehr Schüler aufnehmen zu können. Darunter würde die Qualität des Unterrichts leiden, heißt es.

"An der Jeanne-Barez-Schule müssen die Kinder zudem in Schichten essen, weil nicht genug Platz ist", sagt Bocian. Die Eltern würden diese Situation nicht länger hinnehmen wollen. Mit Blick auf die geplante Bebauung der Elisabeth­aue werde sich die Lage sogar noch verschlimmern, warnen sie.

Lioba Zürn-Kasztantowicz (SPD), Bildungsstadträtin in Pankow, räumt ein, dass es eng ist an Pankower Schulen und dass Schulplätze fehlen. Sie könne die Sorgen der Eltern verstehen, sagt sie der Berliner Morgenpost. An den beiden Grundschulen in Französisch Buchholz seien deshalb bereits Erweiterungsbauten geplant. "In diesem Ortsteil wird massiv gebaut. Wir brauchen dort mehr Schulplätze."

So marode sind Berliner Schulen

Zehn neue Grundschulen in Pankow benötigt

Insgesamt würden im Bezirk Pankow etwa zehn neue Grundschulen, drei bis vier Sekundarschulen und fünf Gymnasien benötigt, sagt die Bildungsstadträtin. Sie bezeichnet modulare Erweiterungsbauten, die allen Standards entsprechen, die ein Schulgebäude erfüllen muss, als kurz- und mittelfristig Lösung des Problems. Fünf dieser Gebäude seien bereits fertig, zwei noch im Bau. Für 2017 seien in Pankow weitere sieben geplant.

Die Eltern gehen indes davon aus, dass mindestens 16 neue Grundschulen nötig sind. Sie berufen sich dabei auf das Infrastrukturkonzept des Bezirks. "Diese Zahl ist umso dramatischer, wenn man bedenkt, dass in Berlin von der Idee bis zur Eröffnung einer Schule bislang gut zehn Jahre vergehen", sagt Bocian. Das müsse deutlich schneller gehen, fordert er.

Es könne nicht sein, dass Grundschulklassen mit bis zu 35 Kindern eingerichtet und den Kleinen lange Schulwege zugemutet werden. "So werden unsere Kinder künftig nicht mehr betreut, sondern verwahrt", sagt Bocian. Die verantwortlichen Politiker müssten endlich handeln, um einen Kollaps des Systems zu verhindern.

Lehrer gehen für mehr Geld auf die Straße

Während Eltern und Schüler für mehr Schulplätze kämpfen, gehen Berlins angestellte Lehrer für eine bessere Bezahlung auf die Straße. Am Dienstag hat die Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft zunächst alle angestellten Kollegen, die an den rund 50 Berufsbildenden Schulen der Stadt unterrichten, zum Streik aufgerufen.

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Außerdem werden sich angestellte Lehrer von zwölf allgemeinbildenden Schulen wie etwa dem Gymnasium am Tiergarten an dem Ausstand beteiligen. Den Pädagogen geht es darum, genauso bezahlt zu werden wie ihre verbeamteten Kollegen.

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