07.12.12

Ordnungsamt

Pankow kämpft gegen illegalen Müll am Straßenrand

Der Berliner Bezirk hat Probleme mit illegalen Müllablagerungen. Zwischen 2008 und 2012 hat sich die Zahl der BSR-Einsätze verdoppelt.

Foto: CDU

Besorgt: Für Stadtrat Torsten Kühne ist Müll ein generelles Problem in Pankow
Besorgt: Für Stadtrat Torsten Kühne ist Müll ein generelles Problem in Pankow

Blaue, schwarze und gelbe Müllsäcke türmen sich. Sie stehen an der Bucher Chaussee in Berlin-Karow, an der Kreuzung zum Erekweg, zum Nerthusweg und dem Haduweg. Sie sind links und rechts vom Gehweg aufgestellt, am Fahrbahnrand und an Straßenbäume gelehnt, und finden sich häufig in der Nähe von Kleingärten. Aus aufgeplatzten Säcken quellen Zweige, Strauchwerk und Blätter hervor.

"Das ist eigentlich in jedem Jahr zu beobachten", sagte Johannes Kraft, Vorsitzender der CDU-Fraktion Pankow. "Aber so massiv wie jetzt war es noch nie." Zum Teil seien es mehr als zehn Kubikmeter, die illegal entsorgt würden. Nicht nur in Karow, auch in den anderen nördlichen Ortsteilen des Bezirks wie Heinersdorf, Buch, Niederschönhausen und Blankenburg sei dieses Phänomen zu beobachten, sagte Kraft.

Er hat beim Stadtrat für öffentliche Ordnung nachgefragt, wie das Bezirksamt gegen die illegalen Müllablagerungen vorgeht und wie sich die Kosten für die Entsorgung in den vergangenen Jahren entwickelt haben. Ergebnis der Anfrage: Immer häufiger erteilt die Behörde Aufträge, um den illegalen Müll an öffentlichen Straßen in Pankow zu entsorgen. Mitarbeiter des Ordnungsamtes stellen die Verschmutzungen bei ihren Kontrollgängen fest und veranlassen, dass sie beseitigt werden.

Im Jahr 2012, bis zum 21. November, sei die Berliner Stadtreinigung (BSR) bereits 1636 Mal mit der Entsorgung beauftragt worden, teilte Stadtrat Kühne (CDU) mit. Das sei doppelt so viel wie 2008, als nur 794 Aufträge an die Stadtreinigung gingen. Seither ist ein Anstieg dieser Entsorgungsaufträge zu beobachten: auf 1076 Aufträge im Jahr 2010 und 1263 Aufträge im Jahr 2011.

Zu den Kosten konnte Stadtrat Torsten Kühne (CDU) keine Auskunft geben. Denn die BSR rechnet die Müllbeseitigung mit dem Senat ab, aber zusammen mit den Kosten für die Reinigung des Umfelds nach Großveranstaltungen. 2008 seien etwa 23.000 Kubikmeter Müll berlinweit entsorgt worden, sagte BSR-Sprecher Bernd Müller. 2009 waren 22.220 Kubikmeter zu beseitigen und 2011 etwa 22.800 Kubikmeter. Die Kosten liegen durchschnittlich bei etwa 4,5 Millionen Euro pro Jahr.

Müll als generelles Problem in Pankow

Stadtrat Kühne ist über den Anstieg der illegalen Abfälle im Bezirk nicht verwundert. Müll sei ein generelles Problem in Pankow. "Auch aus den Wäldern und aus den Parks werden viele Tonnen Abfall entfernt, auch das sind enorme Summen", sagte Kühne. Am Straßenrand würden "ganze Wohnungseinrichtungen" gefunden, auch abgestellte Fahrzeuge. Außerdem habe die Aufmerksamkeit in der Bevölkerung zugenommen. Immer mehr Hinweise auf Vermüllung treffen beim Ordnungsamt ein. "Man toleriert das nicht mehr so wie früher", sagte Kühne. "Auch die Klientel der Neuzugezogenen achtet bei den anderen darauf, dass da Ordnung und Sauberkeit herrscht." Dagegen sei die Zahl der Kontrollgänge des Ordnungsamtes eher rückläufig. "Weil wir immer weniger Personal dafür haben." Ganz schwierig sei festzustellen, wer den Müllsack, die Couch oder den kaputten Fernseher an den Straßenrand stellt. "Die Leute achten darauf, dass sie dafür keine Hinweise hinterlassen."

Stadtrat Kühne hält den zunehmenden illegalen Müll für ein gesamtgesellschaftliches Phänomen. "Man müsste eigentlich eine berlinweite Kampagne machen", schlägt er vor. "So wie das bei den Rauchern funktioniert hat." Rauchen in öffentlichen Räumen sei jetzt gesellschaftlich geächtet, meint Kühne. So ähnlich könnte es funktionieren bei Hundebesitzern, die die Hinterlassenschaften des Tieres auf der Straße oder dem Gehweg liegen lassen, oder beim Abladen von Müll.

Mit illegalem Müll haben auch die anderen Bezirke zu tun – aber nicht mit einem so stetigen Anstieg wie in Pankow. "Sperrmüll und Bauschutt" seien die häufigsten illegalen Ablagerungen, sagte Wolfgang Mauermann, Leiter des Lichtenberger Ordnungsamtes "Und die blauen Säcke." Rund 2700 Aufträge hat sein Amt in den Jahren 2010 und 2012 an die BSR geschickt, 2009 waren es fast 2900. Viele seien auf die Mails und Anrufe von Anwohnern zurückzuführen, die die Behörden aufmerksam machen.

Druck auf die Anwohner

In Spandau sei die Tendenz fallend, teilte Stadtrat Stephan Machulik (SPD) mit. 2008 habe man insgesamt 1758 illegale Müllablagerungen der BSR gemeldet, 2012 seien bisher 1208 Aufträge ausgelöst worden.

Auch in Charlottenburg-Wilmersdorf gibt es keine alarmierenden Befunde. 2011 habe man 1190 mal die BSR beauftragt, und 2012 bis zum 1. Dezember, 895 Mal, sagte Stadtrat Marc Schulte (SPD). Die illegalen Müllmengen seien ungefähr gleich geblieben. Sie kommen oft in der Nähe von Kleingartenanlagen vor, die keinen internen Müllplatz haben. Das Ordnungsamt hat dafür eine eigene Strategie. Es lasse die Müllhaufen schon mal einige Zeit liegen, um bei den Kleingärtnern einen gewissen Druck zu erzeugen, und ein schlechtes Gewissen, sagte Stadtrat Schulte. Ein Vorgehen, das auch der Pankower Johannes Kraft befürwortet. "Wenn das Bezirksamt Pankow immer wieder aufräumt und die BSR beauftragt", sagte der CDU-Fraktionvorsitzende, "welcher psychologische Effekt setzt dann bei den Verursachern ein?" Warum aber ausgerechnet in Pankow die Müllberge wachsen, darauf haben die Politiker aller Parteien keine Antwort.

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