04.12.12

Stadtgestaltung

Pankower lehnen dunklen Klotz vom Garbátyplatz ab

Ein neues Büro- und Geschäftshaus am Berliner S-Bahnhof Pankow erregt die Gemüter, bei Bürgern und Politikern.

Von Sabine Flatau
Foto: Glanze

Nachgefragt: Das neue Gebäude ist nach Auskunft des Bauherrn bereits zu 92 Prozent vermietet. Viele Arztpraxen ziehen ein. Die ersten öffnen im Januar 2013
Nachgefragt: Das neue Gebäude ist nach Auskunft des Bauherrn bereits zu 92 Prozent vermietet. Viele Arztpraxen ziehen ein. Die ersten öffnen im Januar 2013

Ein Neubau am U-Bahnhof Berlin-Pankow sorgt für Ärger, noch vor seiner Eröffnung. Dunkel und mächtig sieht es aus – das große Büro- und Geschäftshaus am Garbátyplatz an der Ecke Berliner Straße und Florastraße. Die Fassade hat eine schwarze bis anthrazit-farbige Verkleidung.

Ihre düstere Wirkung ist offensichtlich, seitdem vor drei Monaten die Gerüste abgebaut wurden. Viele Pankower haben sich beim Bezirksamt und der Bezirksverordnetenversammlung beschwert. Doch der Bauherr, die Merz Objektbau GmbH aus Baden-Württemberg, rät dazu, abzuwarten, bis das Gebäude ganz fertiggestellt ist.

Pankows Politiker sind empört

Die Fassade füge sich "weder in das Straßenbild der Gebäude an der Florastraße und Berliner Straße ein, noch korrespondiert sie mit dem Bahnhofsgebäude", kritisierte der SPD-Verordnete Gregor Kijora. Er sei von vielen Anwohnern wegen des "riesigen, schwarzen Klotzes" angesprochen worden, sagte Kijora. Und habe deshalb beim Bezirksamt nachgefragt, ob der Bau so genehmigt wurde, wie er jetzt zu sehen ist.

Doch auch das Bezirksamt ist nicht begeistert von dem Neubau. "So einen schwarzen, schweren Riegel hat Pankow nicht verdient", sagte der Pankower Stadtentwicklungsstadtrat Jens-Holger Kirchner (Grüne).

Tausende Passanten kommen täglich an dem großen Gebäude vorbei, wenn sie den U- oder S-Bahnhof Pankow verlassen. Das neue Handels- und Ärztezentrum besteht aus zwei Einzelbauten mit jeweils drei Geschossen.

Beide Häuser sind über einen Brückenbau miteinander verbunden. Er ist etwa 30 Meter lang. Unter dem Brückenbau befindet sich der U-Bahn-Zugang. Die Baugenehmigung für das Handels- und Ärztezentrum wurde im März 2011 erteilt. Im April 2011 war Baubeginn. Im Neubau sind insgesamt 5700 Quadratmeter Nutzfläche entstanden. 2200 Quadratmeter werden von Geschäften genutzt, auf rund 3500 Quadratmetern ziehen Arztpraxen ein.

Bauherr sieht Kritik gelassen

Die Kritik am dunklen Äußeren des Neubaus sieht der Bauherr gelassen. "Die Fassade wird analog zur Baugenehmigung ausgeführt", sagte Volker Merz von der Merz Objektbau GmbH aus Aalen in Baden-Württemberg auf Anfrage der Berliner Morgenpost. Doch Stadtentwicklungsstadtrat Kirchner widerspricht. In der Baugenehmigung sei für den Brückenbau eine helle, verspiegelte Fassade vorgesehen. "Keine schwarze", sagte Kirchner.

"Von dieser hellen, verspiegelten Fassade war auch bei den weiteren Gesprächen die Rede." Der Stadtrat kritisiert auch das Aussehen an der Rückfront zur Grunowstraße hin. "Dort wäre eine ähnliche Fassade wünschenswert wie am Rest des Gebäudes, meinte Kirchner, "aber da ist nur Putz angebracht worden."

Aber für das Brückenbauwerk soll der Bauherr dem Bezirksamt Pankow einen überarbeiteten Entwurf vorlegen. "Bis zum Ende der Woche", so Kirchner, "dann wird es ein Treffen in Berlin geben." Er wolle die neuen Vorschläge abwarten, sagte der Stadtrat am Montag. "Und dann müssen sie auch noch umgesetzt werden." Die Architektur werde an diesem Ort als nicht passend empfunden, so Kirchner. Viele Anwohner hätten sich beim Bezirksamt beschwert. "Das ging schon im Sommer los, als das Haus Konturen annahm." Jetzt, so Kirchner, kämen viele Mails, in denen die Leute fragen, was das solle.

Doch Volker Merz rät dazu, mit einer endgültigen Einschätzung so lange zu warten, bis der Bau vollendet ist. "Wir stehen zu unserer Architektur." Die Fassade sei mit Glasfasern beschichtet, sie sei hochwertig und recycelbar. Mehr als ein Viertel der Fenster in den beiden massiven Gebäudeteilen sollen "champagnerfarben und rötlich hinterlegt werden", sagte der Architekt.

Der Brückenbau habe von unten betrachtet auch diesen Farbton und werde in der Dunkelheit angestrahlt. Er bekomme dadurch eine ganz andere Wirkung. "Eine Beurteilung der städtebaulichen Qualität ist unseres Erachtens erst nach Fertigstellung des gesamten Bauvorhabens sinnvoll", so Merz. Noch sind Arbeiter an dem umstrittenen Gebäude beschäftigt. Ein Lebensmittelmarkt und eine Drogeriefiliale werden in der kommenden Woche eröffnen – so hat es der Bauherr angekündigt. Die Arztpraxen im großen Gebäude werden nach und nach ab Januar 2013 öffnen.

20 Millionen Euro Investition

Das Haus sei bereits zu 92 Prozent vermietet, sagte Merz. Eine Zahnklinik, ein Orthopäde und eine gynäkologische Praxis ziehen ein, außerdem Praxen für Urologie, Physiotherapie, Dermatologie, Kindermedizin und Kieferorthopädie. Auch eine Bewegungsschule mit Ergo- und Logopädie werde eröffnen. Die gesamte Investition liege bei 20 Millionen Euro.

Der Entwurf für das neue Gebäude stammt von Merz Architekten aus Aalen. "Wir sind auch Wettbewerbsarchitekten", sagte Volker Merz. Man habe Preise gewonnen. "Wir wissen, was wir machen." Merz Objektbau hat Firmengebäude und Produktionshallen gebaut, aber auch Sportanlagen und eine Kinderkrippe. Eine Großbäckerei in Glauchau und ein Verwaltungsgebäude in Regensburg stehen auf der Referenzliste der Firma.

Der Garbátyplatz in Pankow war lange Zeit unbebaut. Auf dem Areal waren bis 1944 mehrere Läden und eine Gaststätte. Sie wurden im Zweiten Weltkrieg zerstört. Nach dem Krieg entstand ein Platz mit Grünflächen. Das Grundstück gehörte dem Land Berlin. Es ging an den Liegenschaftsfonds über, der es mehrfach zum Verkauf anbot. 2008 kaufte die Merz Objektbau GmbH das Areal.

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