Logo der Berliner Morgenpost
http://www.morgenpost.de/bezirke/mitte/article549910/Sarrazin_findet_Hartz_IV_Empfaenger_zu_dick.html
twitter Facebook StudiVZ/MeinVZ
Link in E-Mail oder Instant-Message einfügen close

Arbeitslosigkeit

Sarrazin findet Hartz-IV-Empfänger zu dick

"Das kleinste Problem von Hartz-IV-Empfängern ist das Untergewicht". Dieser Meinung ist jedenfalls Berlins Finanzsenator Thilo Sarrazin. Diese müssen mit einem Monatssatz von etwa 128 Euro für Lebensmittel auskommen. Kartoffelbrei und Sauerkraut hält der Senator jedenfalls für nahrhaft und vollkommen angemessen. Sein eigener Speiseplan sieht angeblich nicht viel anders aus.

Thilo Sarrazin - Hartz IV
Foto: KPA
Fraglos gesund: Sauerkraut gehört für Finanzsenator Thilo Sarrazin auf den Hartz-IV-Speiseplan

Berlins Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD) hat seinen Speiseplan für Hartz-IV-Empfänger erneut verteidigt. Er selbst habe das Essen mit seiner Frau ausprobiert, sagte Sarrazin in der RBB-Sendung „klipp und klar“. „Von den 128 Euro, die ein Hartz-IV-Empfänger im Monat für das Essen bekommt, kann man in der Tat ausgewogen und auskömmlich essen“, so Sarrazin. Er selbst esse im Durchschnitt auch nicht anders.

Seit Tagen steht Sarrazin in der Kritik, weil er vorgerechnet hatte, dass Hartz-IV-Empfänger mit unter vier Euro am Tag für Essen auskommen können. Sarrazins Speiseplan für einen Ein-Personen-Haushalt sieht zum Beispiel für ein Mittagessen eine Bratwurst für 38 Cent mit 150 Gramm Sauerkraut für 12 Cent und Kartoffelbrei für 25 Cent plus Gewürze und Öl für 20 Cent vor. Insgesamt kommt Sarrazin so auf einen Tagessatz zwischen 3,76 Euro und 3,98 Euro.

Der Finanzsenator verteidigte sich in der Fernsehsendung auch gegen den Vorwurf, die Zahl der Kalorien auf seinem Speiseplan reiche für eine vollwertige Mahlzeit nicht aus. „Wenn man sich das anschaut, ist das kleinste Problem von Hartz-IV-Empfängern das Untergewicht“, sagte Sarrazin und spielte damit auf die häufig gerade bei sozial Schwachen festgestellten Übergewichtsprobleme an.

Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, kritisierte Sarrazins Äußerungen. Die Menschen, die von Hartz IV leben, müssten sich „bitter verhöhnt fühlen“. Er verwies darauf, dass für Kinder nur ein Essengeld von 2,55 Euro pro Tag im Regelsatz vorgesehen ist.

Der Finanzsenator zeigte sich von der Kritik nicht beeindruckt. Selbst dass der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) ihn öffentlich gescholten hatte, beeindruckte ihn kaum. „Er hat sich über mich schon mehr geärgert“, sagte Sarrazin.

Am Ende der Sendung antwortete Sarrazin – gefragt nach seinem teuersten Abendessen, das er jemals gegessen habe: Das habe 80 Euro gekostet.



Erschienen am 20.02.2008

Anzeige
Anzeige
Die Zeitung
Premium Inhalte
Berliner Morgenpost Apps
Anzeige
Eine exklusive Auswahl persönlicher Geschichten aus unserer Serie „Berliner Spaziergänge“ von 60 Prominenten wie Iris Berben, Diane Kruger, David Garrett, Thomas Demand, Heinz Buschkowsky, Nicolas Berggruen und Berliner Sportgrößen
Ab jetzt im Handel erhältlich oder direkt bestellen unter:
*zzgl. 3,90€ Versandkosten für Nichtabonnenten
**Kostenlos aus dem deutschen Festnetz