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07.03.08

Ausgezeichnet

Zeitschriften-Oscar für Berliner Magazin

30 Euro legen rund 35.000 Japaner, Südkoreaner und Amerikaner alle sechs Monate für eine Zeitschrift hin, die aus Berlin kommt und die dort kaum jemand kennt. "032c" heißt das kleine Medienwunder, das mit selbstbewusstem Design nun auch den "Zeitschriften-Oscar" gewann: Den "Lead Award".

© Verlag
Ungewöhnlich und preisgekrönt: 032c
Ungewöhnlich, preisgekrönt und aus Berlin: 032c

"Ein nackter Schlagzeuger ist immer gut anzusehen." Das behauptet das Magazin "032c" auf der Seite 242 gleich zu Beginn eines Textes über die Metal-Funk-Band "Battles". Im August 2007 die Gruppe sie in einem Kreuzberger Club auf. Der Text ist grün auf schwarzem Karton gedruckt und darunter ist ein Foto der Bandmitglieder, auf dem sie kaum zu erkennen sind; noch dazu ist der Text auf Englisch geschrieben. Das klingt nach Nischenprodukt, ist aber in Japan und L.A. ein Verkaufs-Hit.

Und jetzt ist das Heft auch preisgekrönt: Das Berliner Kunst- und Modemagazin "032c" hat den wichtigsten deutschen Zeitschriften-Preis gewonnen – und kann sich "Leadmagazin des Jahres" nennen. In der Begründung für den Preis an "032c" wies die Jury vor allem auf die Wirkung im Ausland hin: "Die Zeitschrift verkauft im nicht-deutschsprachigen Ausland über 35.000 Exemplare und ist damit ein wichtiger Kommunikator für deutsche Kunst und deutschen Stil in den USA, Europa und dem asiatischen Raum."


Die Lead-Awards sind Deutschlands führende Auszeichnung für Print- und Online-Medien, eine Art "Zeitschriften-Oscar". Sie werden seit 17 Jahren vergeben und gelten in der Medien- und Werbebranche als maßgebend. In den vergangenen Jahren haben diesen Hauptpreis das "SZ-Magazin" (2007) und "Neon" (2006) aus München, "Geo" (2005) aus Hamburg, aber auch das Berliner Lifestyle-Magazin "Qvest" (2004) bekommen. Insgesamt vergab die aus 120 Medienexperten bestehende Jury Preise in 19 verschiedenen Kategorien.

In Berlin werden so viele Independent-Magazine entworfen, dass man schon den Überblick verlieren kann: Die Redaktionen der Lifestyle-Blätter "Deutsch", "Qvest" und "Dummy" liegen nicht weit voneinander entfernt beim Rosenthaler Platz in Mitte. In dessen Umkreis, genauer in einer Wohnung in der Anklamer Straße, entsteht seit sieben Jahren alle sechs Monate die "032c" – der Titel leitet sich von der offiziellen Bezeichnung von Grafikern für den intensiven Rot-Ton ab.


Der Inhalt ist vor allem opulent: Knallbunte Fotostrecken wechseln mit Schwarz-Weiß-Porträts und Texten über verschiedene Kunst-Ereignisse in Berlin und im Ausland. Glamouröse Models in Plastikfolie rekeln sich nur wenige Seiten hinter einer Fotoreportage über Kakteen in der Wüste. Damit diese inhaltliche Abwechslung auch beim Blättern fühlbar wird, wechselt das Papier mehrfach zwischen Hochglanz und mattem Karton. Zudem wird im Impressum deutlich, dass der 33-jährige Chefredakteur Jörg Koch eine Gruppe namhafter Autoren, Grafiker und Fotografen versammeln konnte. Mit Erfolg. Schon im vergangenen Jahr war "032c" für die US-Zeitung International Herald Tribune das "Magazin des Jahres". Da ist es kein Wunder, dass der Großteil der Auflage von 45.000 Heften im Ausland vertrieben wird – vor allem eben in Japan und Südkorea, wo das Heft umgerechnet 30 Euro kostet.

Beim ersten Blättern überrascht vor allem, wie selbstbewusst lese-unfreundlich die Texte im Magazin gestaltet sind. An manchen Stellen ist der Text sogar bewusst kaum lesbar (Schwarz auf Dunkelblau) und an anderen Stellen wird sehr sparsam mit Fotos oder auflockernden Elementen umgegangen. Ein Beispiel ist das gelungene Interview mit der US-Künstlerin Sarah Morris über Kunstfreiheit in China. Diese Zurückhaltung im Layout wirkt wie eine Verbeugung vor der Arbeit des Journalisten. Und schon allein für diese Einstellung hat "032c" den Hauptpreis verdient.

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