DDR-Bürgerrechtlerin

Straße in Mitte soll an Bärbel Bohley erinnern

Bärbel Bohley, Projektleiterin und "Politikerin ohne Mandat", aufgenommen am 24.01.2007 bei der Aufzeichnung der rbb-Sendung "Im Palais" in Berlin. Foto: Karlheinz Schindler +++(c) dpa - Report+++ [ Rechtehinweis: Verwendung weltweit, usage worldwide ]

Foto: dpa Picture-Alliance / Karlheinz Schindler / picture-alliance/ ZB

Bärbel Bohley, Projektleiterin und "Politikerin ohne Mandat", aufgenommen am 24.01.2007 bei der Aufzeichnung der rbb-Sendung "Im Palais" in Berlin. Foto: Karlheinz Schindler +++(c) dpa - Report+++ [ Rechtehinweis: Verwendung weltweit, usage worldwide ]

Bezirksverordnete empfehlen die DDR-Bürgerrechtlerin als Namenspatin für eine Straße im geplanten neuen Wohngebiet am Mauerpark.

Berlin soll eine Bärbel-Bohley-Straße bekommen. Und zwar nicht irgendwo am Stadtrand, sondern mittendrin, dort, wo der Mauerpark an die Teilung der Stadt erinnert. Die im Jahr 2010 verstorbene Mitbegründerin des Neuen Forums gehörte zu den Wegbereitern der Wende in der DDR.

Die Initiative der Straßenbenennung geht von Hubertus Knabe, Direktor der Gedenkstätte Hohenschönhausen, aus. Er hatte vor gut einem Jahr Mittes Bezirksbürgermeister Christian Hanke (SPD) die DDR-Bürgerrechtlerin als Namenspatin für eine Straße im geplanten neuen Wohngebiet am Mauerpark empfohlen. Trotz ihres herausragenden bürgerrechtlichen Engagements erinnere bis heute in Berlin keine Straße an die viel zu früh verstorbene "Mutter der Friedlichen Revolution", sagte Knabe.

Lage an der ehemaligen Grenze

Die Arbeitsgemeinschaft Geschichte der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) stimmte nun dem Vorschlag zu. In der nächstmöglichen Sitzung wird die BVV darüber abstimmen, den in östlicher Richtung gelegenen Straßenbogen am Mauerpark in Bärbel-Bohley-Ring umzubenennen. Bezirksbürgermeister Hanke begrüßte die Entscheidung der Arbeitsgemeinschaft. "Das neue Wohngebiet nördlich des Mauerparks würde durch den Straßennamen einen direkten geschichtlichen Bezug zu seiner Lage an der ehemaligen Grenze erhalten", sagte Hanke der Berliner Morgenpost.

Bärbel Bohley wurde 1945 in Berlin geboren und arbeitete dort seit den 70er-Jahren als freischaffende Malerin. 1982 gründete die erklärte Pazifistin das Netzwerk "Frauen für den Frieden". Am Ende des Jahres 1983 kam sie wegen angeblicher "landesverräterischer Nachrichtenübermittlung" für sechs Monate in die Untersuchungshaftanstalt Hohenschönhausen. Anlass waren unter anderem ihre Kontakte zu den Grünen in der Bundesrepublik. Nach der Haftentlassung erhielt sie ein Auslandsreiseverbot und ein Ausstellungsverbot. Auch staatliche Aufträge als Künstlerin durfte sie nicht mehr bekommen.

Bohley setzte sich für freie Meinungsäußerung ein

Bohley ließ sich dadurch nicht einschüchtern. Sie setzte sie sich nun vor allem für die freie Meinungsäußerung und Reisefreiheit ein und war Mitbegründerin der Initiative "Frieden und Menschenrechte". Als 1988 auf der alljährlichen Demonstration zum Jahrestag der Ermordung von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht mehr als 100 Menschen von der Stasi verhaftet wurden, war auch Bärbel Bohley dabei. Bürgerrechtler und Ausreisewillige hatten auf der Demonstration Transparente mit Luxemburg-Zitaten wie "Freiheit ist auch immer Freiheit des Andersdenkenden" beschriftet.

Bohley wurde aus der DDR abgeschoben, kehrte aber im August 1988 zurück. Ein Jahr später gründete sie mit Gleichgesinnten die Bürgerbewegung Neues Forum, der sich innerhalb kurzer Zeit 200.000 Menschen anschlossen. Nach der Wiedervereinigung setzte sie sich für die Opfer der SED-Diktatur ein. Bohley starb am 11. September 2010 infolge einer Krebserkrankung.

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