Verkehr in Berlin Ab Sonntag fährt endlich eine Tram zum Hauptbahnhof

Acht Jahre später als geplant ist es endlich soweit. Ab kommenden Sonntag wird der Hauptbahnhof für alle Berliner mit der Tram erreichbar sein. Das erfuhr die Berliner Morgenpost exklusiv von der BVG.

Mehr als acht Jahre nach dem ursprünglich geplanten Termin soll der Berliner Hauptbahnhof nun auch mit der Tram erreichbar sein. Wie die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) der Berliner Morgenpost bestätigten, soll die Haltestelle an dem wichtigsten Fernbahnhof der Stadt mit dem Wechsel zum Winterfahrplan am kommenden Sonntag in Betrieb genommen werden. Damit wird auf der seit Jahren im Bau befindlichen Strecke an der Invalidenstraße erstmals eine Straßenbahn fahren.

Zunächst werden nur Züge der Linie 5 über die neu verlegten Gleise rollen. Die Tram startet an der Haltestelle Zingster Straße in Hohenschönhausen und endet zurzeit am Hackeschen Markt in Mitte. Für Fahrgäste, die von dort direkt zum Hauptbahnhof wollen, ist die neue Strecke jedoch keine sinnvolle Alternative, weil die S-Bahn beide Ziele deutlich schneller miteinander verbindet. "Für Fahrgäste, die an einem Ziel entlang der Strecke wohnen, ist der neue Abschnitt der M5 aber eine interessante Verbindung", sagte BVG-Sprecherin Petra Reetz.

Der Fahrgastverband Igeb begrüßt die Fertigstellung. "Es ist gut, dass zum Hauptbahnhof nun endlich eine Tram fährt", sagte Sprecher Jens Wieseke der Morgenpost. Aus Sicht der Fahrgäste sei es aber wichtiger, dass die M10 möglichst schnell an den Hauptbahnhof angebunden würde. Dann würden auch Fahrgäste aus Friedrichshain und Prenzlauer Berg schneller zum Hauptbahnhof kommen.

Wieseke fordert, dass die Tram-Linie nach Westen verlängert wird. "Es wäre gut, wenn sie bis zum U-Bahnhof Turmstraße fortgeführt wird", sagt er. Seitens der Landespolitik gebe es bisher nur Absichtserklärungen, aber keine konkreten Planungen..

Die M10 beginnt am U- und S-Bahnhof Warschauer Straße und führt über die Danziger und Eberswalder Straße. Sie endet zurzeit am S-Bahnhof Nordbahnhof. Dort sind die Arbeiten an der neuen Gleisstrecke über die Invalidenstraße allerdings noch nicht beendet. Bis zum Hauptbahnhof wird die M10, ebenso wie die M8, den Planungen zufolge daher erst im Sommer des kommenden Jahres fahren.

Dann soll auch die vom Architekturbüro Gruber und Popp gestaltete Tramhaltestelle am Hauptbahnhof fertig werden. Die Arbeiten hatten sich wegen der anspruchsvollen Konstruktion des extravagant geschwungenen Dachs verzögert. Die Fahrgäste erwartet daher zunächst nur ein provisorisches Wartehäuschen, das inmitten der Baustelle für die noch unfertige Vorzeigehaltestelle stehen wird. "Durch eine Baustelle hindurchzufahren wird für die Fahrgäste vielleicht ganz interessant", sagt BVG-Sprecherin Petra Reetz.

Tram hätte schon 2006 am Bahnhof halten sollen

Die Tram hätte eigentlich schon bei der Eröffnung des Hauptbahnhofs im Jahr 2006 dort halten sollen. Die Planungen für die Neubaustrecke an der Invalidenstraße hatten sich jedoch immer wieder verzögert, so dass die Arbeiten erst im Frühjahr 2011 beginnen konnten. Autofahrer mussten deswegen erhebliche Behinderungen in Kauf nehmen. Der westliche Abschnitt zwischen Hauptbahnhof und Chausseestraße ist für den Verkehr mittlerweile wieder freigegeben. Am Nordbahnhof wird dagegen immer noch gebaut.

Die Verkehrsverwaltung teilte unterdessen mit, dass sich die Kosten für den Straßenbau an der Invalidenstraße um rund 45 Prozent erhöhen werden – von 12,8 auf rund 18,6 Millionen Euro. Die Arbeiten auf der wichtigen West-Ost-Verbindung werden damit auch für die Berliner Finanzpolitiker zum Ärgernis.

Der Unterlage zufolge schlagen allein die Ausgaben für die Verkehrsführung während der Bauzeit mit mehr als zwei Millionen Euro zusätzlich zu Buche. Das Geld wurde, "für einen flüssigen Verkehr", beispielsweise für zusätzliche provisorische Ampeln ausgegeben. Teurer als vorgesehen war auch der lärmmindernde Straßenbelag. Für den Schallschutz für die Anwohner und Entschädigungsleistungen werden mehr als 1,5 Millionen Euro zusätzlich fällig.

Mehrausgaben für BER, Staatsoper und U5

Insgesamt erhöhen sich die Kosten gegenüber den ursprünglichen Planungen um etwa 45 Prozent. Für einen Straßenbau, bei dem man nicht tief ins Erdreich eindringen müsse, sei diese Steigerung erheblich, kritisierte der verkehrspolitische Sprecher der Grünen, Stefan Gelbhaar. "Ich verstehe nicht, was bei den Planungen so schief gelaufen ist, dass sich der Bau so lange verzögert hat und so viel teurer geworden ist", sagte Gelbhaar der Berliner Morgenpost. "Unerwartete Kostensteigerungen scheinen bei diesem Senat aber Methode zu haben", sagte Gelbhaar und verwies auf die Mehrausgaben für den Großflughafen, die Staatsoper und die Bauarbeiten für die U-Bahn-Linie 5.

Ausstehende Arbeiten im Dezember 2015 beendet


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Autofahrer, die die Invalidenstraße nutzen, haben das Schlimmste allerdings inzwischen hinter sich. Der Abschnitt westlich der Chausseestraße bis zum Hauptbahnhof ist wieder durchgehend befahrbar. Auch die BVG kommt mit den Arbeiten zur Neuabdeckung des Tunnels der U-Bahn-Linie 6 an der Kreuzung Invaliden- und Chausseestraßte gut voran. Die Straßenführung ist dort zwar weiterhin verengt. "Im März soll alles fertig werden", sagt BVG-Sprecherin Petra Reetz. Die Luisenstraße bleibt, wegen der Bauarbeiten am Bettenhaus der Charité, dagegen noch bis August 2015 voll gesperrt.

Die noch ausstehenden Arbeiten an der Invalidenstraße, zwischen Chaussee- und der östlich des Nordbahnhofs gelegenen Gartenstraße, sollen laut Verkehrsverwaltung im Dezember 2015 beendet sein, die Gleisbauarbeiten schon im Sommer.

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