16.11.12

Unglück

Gasexplosion zerstört Wohnung in Berlin-Wedding

Eine explodierende Deo-Spraydose hat eine Wohnung an der Samoastraße in Berlin-Wedding unbewohnbar gemacht.

Von Ulla Reinhard und Steffen Pletl
Foto: Steffen Pletl

In den Wänden gibt es nach der Explosion große Risse
In den Wänden gibt es nach der Explosion große Risse

Bei einer Explosion in Berlin-Wedding ist in der Nacht zu Freitag eine Wohnung in einem Mehrfamilienhaus an der Samoastraße zerstört worden. Wie durch ein Wunder blieben die vier Mieter unverletzt. Sie können die Wohnung jedoch aus Sicherheitsgründen vorerst nicht betreten.

Die Polizei ermittelt gegen die vier Männer, denn die Explosion wurde vermutlich dadurch verursacht, dass eine Spraydose zu nah an einen Heizstrahler im Badezimmer gestellt wurde. Durch die starke Erhitzung explodierte die Dose.

Gegen 1.50 Uhr hatte ein Passant einen lauten Knall gehört und kurz darauf schwarzen Rauch aus der im vierten Stock gelegenen Wohnung aufsteigen sehen. Er alarmierte die Feuerwehr, die wenig später mit einem Großaufgebot eintraf und zunächst sämtliche Bewohner in Sicherheit brachte.

Im Badezimmer der betroffenen Wohnung hatte ein Regal Feuer gefangen, das die Mieter jedoch bereits gelöscht hatten. Die Rettungskräfte führten die Mieter der Wohnung ins Freie, die alle mit dem Schrecken davongekommen waren. Nach Informationen von Morgenpost Online handelt es sich um vier Bauarbeiter im Alter von 20 bis 62 Jahren, die in einer Wohngemeinschaft zusammenlebten.

Bauaufsicht sperrt Zimmer

Das Ausmaß der Explosion wurde erst klar, nachdem die Feuerwehr die anderen Wohnungen kontrolliert und den Tatort an die Polizei und einen Statiker übergeben hatte.

Durch die Druckwelle waren drei Fensterscheiben zerborsten, deren Glassplitter auch noch am nächsten Tag mehrere auf der Straße geparkte Autos bedeckten. Die Badezimmertür war aus den Angeln geflogen. Decke und Wände der Wohnung wiesen etliche Risse auf, die sich bis ins angrenzende Treppenhaus zogen.

Die Bauaufsicht sperrte die Wohnung. Während eine Polizeisprecherin von einer explodierten Spraydose sprach, zerbarsten nach Feuerwehrangaben gleich mehrere Deo-Spraydosen.

"Es ist ein großes Glück, dass keine Menschen verletzt wurden", sagte Volkmar Schröder von der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM). Der Chemiker leitet den Fachbereich "Gase, Gasanlagen". Hätten sich die Mieter zum Zeitpunkt der Explosion im Badezimmer aufgehalten, hätten sie laut Schröder schwere oder gar tödliche Verletzungen davongetragen.

Polizei ermittelt gegen die Bewohner

"Bei solchen Explosionen können Trommelfelle platzen und Lungen reißen." Gleichwohl wies der Experte darauf hin, dass es äußerst selten zu solchen Vorfällen kommt – im Jahr 2010 seien allein in Europa 5,5 Milliarden Spraydosen produziert worden.

Ursächlich für die Explosionsgefahr solcher Dosen seien die als Treibmittel verwendeten Flüssiggase. Nicht nur Deo-Spraydosen, sondern auch Haar- und Farbsprays enthielten diese Gase, die preiswert und nicht umweltschädlich, aber zugleich hochentzündlich seien. Deshalb gebe es auf den Dosen in der Regel Warnhinweise, sie vor Sonnenstrahlen und Temperaturen über 50 Grad zu schützen.

Auch durchlaufen die Dosen laut Schröder in der Produktion eine sogenannte Wasserbandprüfung. Dabei liegen sie fertig gefüllt und verschlossen auf einem Fließband, das durch auf 50 Grad erhitztes Wasser läuft. Nur wenn die Dosen der Temperatur standhalten, werden sie endgültig verpackt.

Vermutlich haben die Mieter den Warnhinweis übersehen und den Heizstrahler zu nah an die Dose gestellt. Schröder: "Schon ab etwa 70 Grad wird der Druck in Spraydosen so hoch, dass sie bersten." Dadurch komme es zur Gasexplosion und durch die dabei freigesetzte Wärme zum Feuer.

Wo sich die Mieter der betroffenen Wohnung derzeit aufhalten, ist unklar. Nach Angaben von Mittes Sozialstadtrat Stephan von Dassel (Grüne) könnten sie bei Freunden oder Verwandten untergekommen sein. Dem Bezirksamt Mitte seien keine Personen gemeldet worden, die unterzubringen gewesen wären.

Die Bewohner der Nachbarwohnungen können nach Polizeiangaben in ihren Wohnungen bleiben. Die Polizei ermittelt gegen die vier Männer wegen fahrlässigen Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion. Die Ermittlungen hat das zuständige Brandkommissariat übernommen.

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