Berlin-Lichtenberg

Ladendieb stirbt nach Schlägen: Gericht begutachtet Video

Das Gericht muss klären, ob es einenZusammenhang zwischen dem Angriff eines Supermarkt-Leiters und dem Tod des Ladendiebs gibt.

Edeka-Laden im Bahnhof Lichtenberg: Der Filialleiter soll einen Ladendieb körperlich so misshandelt haben, dass dieser an den Folgen der Verletzungen starb

Edeka-Laden im Bahnhof Lichtenberg: Der Filialleiter soll einen Ladendieb körperlich so misshandelt haben, dass dieser an den Folgen der Verletzungen starb

Foto: Rundfunk Berlin-Brandenburg

Es ist ein schwerer rechter Haken, verstärkt noch durch einen Quarzsand-Handschuh. Das Opfer muss sich dabei auf den Boden knien, beginnt sofort heftig aus der Nase zu bluten. Dann folgt ein zweiter Schlag und ein Tritt mit dem Fuß. Anschließend wird der Ladendieb zur Tür gezerrt und nach draußen gestoßen. Das alles zeigt die Aufnahme einer Überwachungskamera, die im Lager des Edeka-Marktes am Bahnhof Lichtenberg installiert war.

Das Geschehen spielte sich am Vormittag des 17. September 2016 ab. Der 34-jährige obdachlose Moldawier Eugeniu B. war beim Stehlen einer Flasche Schnaps erwischt und abgestraft worden. Er verstarb drei Tage später an einem Schädelhirntrauma. Der Schläger, der 29-jährige Marktleiter André S., muss sich seit dem 2. März vor einem Moabiter Schwurgericht wegen Körperverletzung mit Todesfolge verantworten.

Gutachter fanden auf seinen Arbeitsschuhen nicht nur Blutspuren von Eugeniu B.

Der Film wurde am Montag im Saal 618 des Moabiter Kriminalgerichts abgespielt. Ein forensischer Sachverständiger, der Eugeniu B. am 19. September im Krankenhaus untersuchte und einen Tag später nach dessen Versterben obduzierte, sollte sich das Geschehen noch einmal ansehen. Der Arzt konnte jedoch noch immer nicht mit Sicherheit sagen, dass es eine zwingende Kausalität zwischen den am 17. September in dem Edeka-Markt erlittenen Schlägen und dem Versterben des Opfers gab. Möglich sei auch, dass Eugeniu B. durch Gewalteinwirkung vorher schon Verletzungen im Gehirn erlitten habe, die später quasi aufgebrochen seien, sagte der Gerichtsmediziner.

Dafür sprechen auch Zeugenaussagen, nach denen Eugeniu B. nicht zum ersten Mal in dem Edeka-Markt beim Stehlen erwischt worden war. Am 10. September wurde er dort schon einmal geschlagen. Auch davon gebe es eine Aufnahme, sagte eine als Zeugin geladene Kriminalbeamtin. Allerdings war in diesem Fall nicht André S. der Täter, sondern ein anderer Mitarbeiter. Es laufen noch mehrere ähnliche Verfahren. Aber für André S. war die Abstrafung eines Ladendiebes offenkundig auch kein Einzelfall. Gutachter fanden auf seinen Arbeitsschuhen nicht nur Blutspuren von Eugeniu B.

Das Gericht wird nun feststellen müssen, ob es vernünftige Zweifel hat, dass André S.' Schläge Ursache für den Tod waren. Helfen könnte dabei auch die Aussage der Cousine von Eugeniu B., bei der er vom 17. zum 18. September übernachtet hatte. Sie berichtete vor Gericht, dass sein Gesicht im Laufe der Stunden angeschwollen und es ihm zunehmend schlechter gegangen sei. Der Prozess wird am Donnerstag mit den Plädoyers fortgesetzt.

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