Heizpilz-Verbot
Gastwirte fürchten Umsatzeinbrüche
Berliner Gastronomen sehen mit Sorge in die Zukunft. Nach den Einschränkungen durch das Rauchverbot im Inneren ihrer Lokale sollen nun die Heizpilze davor verschwinden.
Die Forderung der Umweltsenatorin Katrin Lompscher (Linke) nach einem stadtweiten Verbot für Heizpilze vor Gaststätten sorgt für schlechte Stimmung. Die Verwaltung prüft rechtliche Möglichkeiten, das Beheizen von Freiflächen im Rahmen des neuen Klimaschutzgesetzes zu untersagen. Die Prüfung soll in Kürze abgeschlossen sein. Unabhängig davon haben fünf Innenstadtbezirke eine gemeinsame Verordnung unterschrieben, die den Einsatz von Heizpilzen ab dem 1. Januar 2009 verbietet.
"Ich kann diesen ganzen Mist nicht mehr hören. Rauchverbot, Heizpilzverbot, die Baumscheibe vor meinem Lokal darf ich nicht bepflanzen. Das darf doch nicht wahr sein", beschwert sich ein Gastwirt aus Kreuzberg. "Was wollen die denn noch verbieten? Ich möchte es meinen Gästen so angenehm wie möglich machen und muss meine Familie ernähren."
Ein Sonntag wie gestern macht deutlich, was Heizpilze vor Lokalen ausmachen können: Prenzlauer Berg, Temperaturen um sechs Grad und leichter Sonnenschein. Wo Heizpilze für Wärme sorgen, sitzen die Menschen draußen, Schankterrassen ohne Wärmequelle sind verwaist. "Hätten wir nicht unsere drei Heizpilze, würde kein Gast draußen sitzen", sagt Oliver Orthey, Besitzer der "Bar Gargarin" an der Rykestraße/Ecke Knaackstraße. "An so einem Sonntag haben wir ungefähr ein Drittel mehr Umsatz." Die Gäste Liane Woellner und Sven Stabroth geben ihm Recht: "Wir wollten heute unbedingt noch einmal draußen sitzen und wären weitergegangen, hätten hier keine Heizpilze gestanden." Orthey verteidigt sein Vorgehen: "Ich habe Verständnis für den Umweltschutz, aber die neuen Geräte verbrauchen derart wenig Gas, dass das kaum ins Gewicht fällt. Ein Autofahrer, der hier auf Parkplatzsuche dreimal um den Block fahren muss, schadet der Umwelt mehr." Sollten die Heizpilze verboten werden, denkt er über die Anschaffung von Wärmelampen nach, die mit Strom betrieben werden. Und es wird noch mehr Decken geben.
Gäste in Decken
Ein ähnliches Bild auch am Charlottenburger Savignyplatz. Vor dem Restaurant "Mr. Hai & Friends" sitzen Gäste in Decken gehüllt. Noch sind die Heizstrahler nur abends im Einsatz. "Dann müssen wir sie anmachen, sonst gehen viele Gäste gleich weiter", sagt Mai Nguyen, Mitarbeiterin des Restaurants. Besonders Raucher wählten sofort einen Platz draußen. "Sollten die Heizpilze verboten werden, dann werden wir wohl im Winter auch keine Tische mehr rausstellen." Das würde sich auf alle Fälle negativ auf die Einnahmen auswirken.
An der Kreuzberger Bergmannstraße stehen an diesem Sonntag kaum Heizpilze vor den Lokalen. "Wir haben hier seit Jahren Ärger mit dem Ordnungsamt", sagt Senay Celik, Inhaberin des Restaurants und Feinkostladens "Knofi". Sie hat ihre Wärmequellen vor zwei Jahren abgeschafft, nachdem ihr das Ordnungsamt diese mitsamt Markise und zwei mobilen Seitenwänden an der Terrasse wegen möglicher Brandgefahr verboten hatte.
Mehr Gäste - mehr Umsatz
Jetzt denkt Celik wieder über die Anschaffung von Heizpilzen nach. "Wir hätten auf jeden Fall mehr Gäste und mehr Umsatz", sagt sie, weiß aber nicht, ob sie sich erneut mit dem Ordnungsamt rumschlagen möchte. "Langsam verliere ich die Lust, die Straße vor meinen Läden zu beleben und attraktiver zu machen." Vor einem Restaurant umringen drei Raucher einen Heizpilz. "Wir werden mit einem Verbot auf die Straße getrieben, und jetzt sollen wir uns noch den Hintern abfrieren. Die spinnen doch!"














