Kultur
Künstlerhaus macht Ernst mit dem Umzug
Samstag, 5. Juli 2008 16:47 - Von Sabine Flatau2005 hielten Hausbesetzer Einzug in das Haus Bethanien. Das Künstlerhaus Bethanien wll daher umziehen und hat nun auch konkrete Pläne. Vom Bezirk fühlte sich der Geschäftsführer bislang im Stich gelassen. Nun würde der Bezirksbürgeremister das Künstlerhaus aber gern am Mariannenplatz erhalten.
Seit Jahren ist von einem Umzug des Künstlerhauses Bethanien die Rede. Nun scheint ein neues Domizil gefunden: der Gewerbehof an der Kohlfurter Straße 41-43 in Kreuzberg. Er gehört der Nicolas Berggruen Holdings GmbH. "Wir sind in Verhandlungen", sagt Christoph Tannert, Geschäftsführer des Künstlerhauses. Die Gesellschafter und der Senat seien informiert. "Wir hoffen, dass wir im Herbst 2008 die Zustimmung zum Umzug bekommen." Dann könne es noch ein Jahr dauern, bis die neuen Räume hergerichtet seien.
Die Nicolas Berggruen Holdings will an der Kohlfurter Straße ein Kulturzentrum einrichten und Unternehmen der Kreativwirtschaft ansiedeln. "Wir haben das Grundstück vom Liegenschaftsfonds gekauft", sagt eine Mitarbeiterin der Berggruen Holdings. Man habe sich im Kaufvertrag verpflichtet, die Hälfte des Gebäudes kulturwirtschaftlich zu nutzen. "Es könnten auch mehr werden." Sie bestätigt Gespräche mit Christoph Tannert. "Wir würden das Künstlerhaus mit offenen Armen empfangen. Es ist eine erste Adresse für Kunst."
Geschäftsführer Tannert trägt sich mit Umzugsplänen, seitdem der Südflügel des Hauses Bethanien am Mariannenplatz 2005 besetzt wurde. Der Chef des Künstlerhauses klagt über zunehmende Verschmutzung des Hauses und seiner Umgebung. Er fühle sich vom Bezirk im Stich gelassen, sagt Tannert. Ihm missfällt auch, dass die Gesellschaft für Stadtentwicklung (GSE) als Treuhänder vom Bezirksamt beauftragt ist, Mietverträge mit den Besetzern auszuhandeln.
Das Künstlerhaus, seit Jahren Hauptmieter im Gebäude, habe noch kein detailliertes Angebot von der GSE für einen neuen Vertrag bekommen. Doch die Miete für 2009, von der in Vorgesprächen die Rede war, sei höher als die, welche die Berggruen Holdings an der Kohlfurter Straße verlangen würde. "Der Umzug wäre also auch wirtschaftlich gerechtfertigt."
Doch Bezirksbürgermeister Franz Schulz (Grüne) hofft, dass er Tannert in einem Gespräch noch zum Bleiben bewegen kann. "Wir möchten diese wichtige kulturpolitische Institution im Haus Bethanien halten", sagt Schulz. Der CDU-Abgeordnete Kurt Wansner spricht von einem "immensen Imageschaden für den Bezirk, sollte das Künstlerhaus tatsächlich vor den Besetzern kapitulieren". Die Berliner Kulturverwaltung prüft die Umzugsabsichten. "Es ist noch keine Entscheidung gefallen", sagt Sprecher Torsten Wöhlert.
Erschienen am 04.07.2008
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