30.11.12

Flüchtlinge

Neues Heim für Asylbewerber öffnet in Berlin-Kreuzberg

Bis zu 100 Flüchtlinge werden in ein ehemaliges Pflegeheim einziehen. Auch in Reinickendorf soll eine Unterkunft entstehen.

Foto: dpa

Fast 5000 Asylsuchende leben in Gemeinschaftsunterkünften in Berlin
Fast 5000 Asylsuchende leben in Gemeinschaftsunterkünften in Berlin

In der Kreuzberger Stallschreiberstraße hat ein Betreiber das ehemalige Senioren- und Pflegeheim übernommen, um dort ein Wohnheim für Asylsuchende einzurichten. Wie das Berliner Landesamt für Gesundheit und Soziales (LaGeSo) am Donnerstag bestätigte, ziehen die ersten Bewohner am Freitag ein.

Geplant sei, dass in den nächsten Tagen dort 70 bis 100 Flüchtlinge untergebracht würden, sagte die Sprecherin des Landesamtes, Silvia Kostner. Sie betonte, dass das neue Wohnheim in sehr gutem Einvernehmen mit dem Bezirk an den Start gehe. Der Betreiber informiere jetzt mit Anschreiben und Infozetteln die Nachbarn. Mit dem neuen Wohnheim werden laut Kostner die Notunterkünfte, aber auch die überbelegten Berliner Gemeinschaftsunterkünfte entlastet.

Bei der neuen Einrichtung handele es sich um eine dauerhafte Gemeinschaftsunterkunft, in der die Menschen bleiben, bis ihr Verfahren abgeschlossen sei, sie in ihre Heimatländer zurückgingen oder sich hier eine Wohnung suchten.

Anwohner der Waldstraße in Berlin-Reinickendorf fürchten unterdessen, dass auch in ihrer Nachbarschaft ein Asylbewerberheim eingerichtet wird. "Wir haben Angst, dass sich die Gegend dann verschlechtert und wir hier Kriminalität und Verwahrlosung fürchten müssen", so eine Reinickendorferin, die unweit des U-Bahnhofs Lindauer Allee wohnt.

Nach Auskunft des Landesamtes prüft die Behörde gerade, ob das ehemalige Telekom-Verwaltungsgebäude an der Waldstraße sich als Gemeinschaftsunterkunft eignet. Sie soll dann die Notunterkunft in der ehemaligen Erpelgrundschule in Heiligensee ersetzen. Dort sind 78 Asylbewerber untergebracht, weil die anderen Berliner Gemeinschaftsunterkünfte überfüllt sind. Der Ausweichstandort an der Reinickendorfer Waldstraße könne 300 bis 350 Menschen aufnehmen.

Doch noch prüfe die Behörde den Standort. "Wir gehen aktuell nicht davon aus, dass es kurzfristig zu einem Bezug kommen wird", sagte Franciska Obermeyer, Sprecherin von Senator Mario Czaja (CDU). Gründe wollte sie nicht nennen. Die Senatsverwaltung würde sich aber freuen, wenn der Standort in Betrieb ginge, gerade weil in Reinickendorf mehr Plätze geschaffen werden sollen.

Bezirke fordern gerechte Verteilung der Asylsuchenden

Eine gerechtere Aufteilung der Asylsuchenden fordern Bezirke wie Lichtenberg und Tempelhof-Schöneberg seit Langem. Von den fast 5000 Asylsuchenden, die in den Gemeinschaftsunterkünften in Berlin leben, befinden sich mehr als 1000 in Notunterkünften.

Das Reinickendorfer Bau- und Wohnungsaufsichtsamt ist in die Prüfung des Gebäudes an der Waldstraße einbezogen. Unter anderem gehe es um Brandschutzfragen, sagte Baustadtrat Martin Lambert (CDU). Baurechtlich käme die Waldstraße im Gegensatz zur Schule in Heiligensee für diese Nutzung in Frage. Der Bezirk sei enttäuscht, dass das LaGeSo die Schule noch immer als Notunterkunft nutze. "Uns ist bei der Inbetriebnahme versprochen worden, dass sie nur wenige Tage als Notunterkunft dienen werde. Diese Zusage wurde leider nicht eingehalten", kritisierte Lambert.

Quelle: bsm
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