Berlins City West

Zwölf Stunden im Kult-Supermarkt Ullrich am Bahnhof Zoo

Seit nahezu 50 Jahren gibt es Ullrich am Zoo. Der Supermarkt hält an 365 Tagen im Jahr mehr als 35.000 Artikel bereit.

Abteilungsleiterin Martina Rodemann mit Mitarbeiter Ingo Drube in der Obst- und Gemüse-Abteilung

Abteilungsleiterin Martina Rodemann mit Mitarbeiter Ingo Drube in der Obst- und Gemüse-Abteilung

Foto: Sergej Glanze / Glanze/Berliner Morgenpost

07:55

80 Prozent der Kunden kommen über den Eingang Hardenbergstraße in den Supermarkt, ein Teil erreicht ihn direkt von den S-Bahntreppen der Station Zoologischer Garten aus. "Derzeit haben wir natürlich mit den Folgen des Neubau des Zoo-Komplexes direkt nebenan zu kämpfen", erklärt Eveline Mihali. Sie ist in der Pfalz aufgewachsen und leitet seit gut einem Jahr den Ullrich-Markt am Zoo. Heute werden neue Warnsicherungs-Antennen an den beiden Ein- und Ausgängen eingebaut. "Unsere Diebstahl-Quote ist leider ziemlich hoch", erklärt die Marktleiterin. Vier Detektive und Sicherheitspersonal versuchen das zu verhindern.

08:10

Warenannahmeleiter Michael Sucker prüft eine angelieferte Ladung, die auf mehreren Paletten verteilt an der Laderampe steht. "Bis 14 Uhr muss hier alles angeliefert sein", sagt der 54-Jährige aus Charlottenburg, "danach ist auf der Hardenbergstraße Dauerstau. Da kommt kein LKW mehr rückwärts in die Ladegasse." Kurz nach fünf Uhr beginnt seine Schicht. In der Woche werden circa 300 bis 500 Paletten angeliefert. Ab zehn Uhr bearbeitet er die Lieferungen im Büro.

09:45

Die Ausstellung in der Obstabteilung ist eine Augenweide. In vier Gängen präsentiert sich appetitlich Obst und Gemüse. Besonders stolz ist Abteilungsleiterin Martina Rodemann mit Mitarbeiter Ingo Drube auf das Exotenangebot. Süßkartoffel, Ingwer, Chilis, Papaya, Mango, Kumquats. "Alles da. Wir sortieren täglich frisch." Mehr als ein Dutzend Tomaten hält das Sortiment vor, in Bio-Qualität, aber auch gelbe Mini-Tomaten. Bei Reisenden beliebt ist die Salatbar, bei der man sich seine grüne Vitaminzufuhr selbst zusammenstellen kann.

10:15

Klaus Schölch weist Mitarbeiter in die neue Smoothie-Bar ein. "Wir pressen seit neuestem vier verschiedene Sorten frisch vor Ort", sagt der 56-Jährige stolz. Green Energy wird aus Apfel, Spinat und Ingwer hergestellt, der beliebte Coco Ban aus Ananas, Kokosmilch und Bananen, Karoma Blend aus Möhre, Ingwer und Ananas und der Alfruchtix aus Apfel und Kiwi. "Wir müssen mit der Zeit gehen, gerade junge Kunden stehen auf Smoothies", weiß der Fachberater Obst und Gemüse.

11:20

Insgesamt 14 Kassen können geöffnet werden. "Sonntag sind die alle besetzt. Dann ist hier Großkampttag", berichtet Kassiererin Melanie Brell. Die 38-Jährige aus Hohenschönhausen arbeitet seit 13 Jahren bei Ullrich am Zoo. "Wir haben schon ein sehr spezielles Publikum hier", erzählt sie, "vom Obdachlosen, der den Wodka-Flachmann für 1,19 Euro kauft bis zum Nachtschwärmer, der einen Champagner von Dom Perignon für 289 Euro mitnimmt ist alles dabei." Zwei Schichten arbeitet die Fachkraft, früh von 6.30 bis 15 Uhr, spät von 14.30 bis 23.30 Uhr.

12:10

Am Imbiss-Stand drängeln sich Handwerker von den nahen Baustellen. Hausgemachte Bouletten, Bockwurst, Leberkäs-Brötchen und Kaffee schwarz sind die Renner. Wer etwas mehr Zeit hat, bestellt das Tagesgericht für 3,50 Euro. "Heute gibt es Senfeier mit Soße und Kartoffelpüree", sagt Susanne Maevers. Aber auch Putenbraten mit Soße, Kartoffeln und Rosenkohl ist im Angebot, für 5,50 Euro eine mächtige Portion. Das Dutzend Sitzplätze ist dauerbesetzt.

13:20

Auch am Sushistand herrscht mittlerweile Hochbetrieb. Tuan Anh Phan aus Steglitz fabriziert Lachs- und Salatgurke-Maki im Akkord. Der 28-Jährige arbeitet für Eat Happy, die in allen Berliner Hit Ullrich-Märkten frische asiatische Snacks anbieten. Neben den Sushi sind bei den Kunden der Seealgensalat Wakame und gebratenen Yakitori-Spieße sehr beliebt.

14:30

Zu Detlef Mais Weinsortiment kommen Kunden aus der ganzen Stadt. Es umfasst mehr als 600 Positionen. Der 58-jährige Charlottenburger hat nach einem Systemadministrator-Studium sein Hobby zum Beruf gemacht. Das merkt man, wenn er von seiner Auswahl an besonderen französischen Rotweinen, aus Chile, Argentinien, Uruguay, Neuseeland und Südafrika schwärmt. Aber auch deutsche Qualitätsweine wie die des Pfälzer Spitzenweingutes Jordan-Bassermann sind im Angebot.

15:40

Aysa Ersoy füllt Müsli und Kaffee in den langen Regalen auf. Die 20-Jährige aus Schöneberg macht seit einem Jahr eine Lehre als Einzelhandels-Kauffrau im Supermarkt am Zoo. "Am Anfang war ich bei Obst und Gemüse, jetzt bin ich bei den Lebensmitteln." Montag und Mittwoch besucht sie die Berufsschule. "Die Arbeit hier gefällt mir gut. Und die Kolleginnen und Kollegen sind alle sehr nett." 83 Mitarbeiter arbeiten an 365 Tagen im Jahr bei Ulrich am Zoo.

16:20

Kathrin Kadlcik steht auf einer Leiter und sortiert Shampoo ein. Die 51-Jährige ist Herrscherin über mehr als 4500 Artikel. "Wir sind sehr gut sortiert, deshalb kommen zu uns auch viele Stammkunden", erklärt sie. "Ein gutes Auge für die Produkte und ein Händchen für die Kunden", ist ihr Erfolgsrezept.

17:30

"Die Hustenbonbon-Sonderangebote sind abgelaufen, die Aufsteller kommen da vorne bei den Kassen weg, die Ware muss neu ausgepreist werden, ins normale Regal. Und die neuen Sonderangebote kommen wieder Richtung Kasse", erklärt Carola Veidinger. Die Süßwaren- und Non-Foodabteilung ist die größte des Supermarktes. "Bei uns kommen die Familie zum Wocheneinkauf und die Reisenden, die nur was Süßes mitnehmen wollen", sagt die aus Fürstenwalde stammende Fachverkäuferin. Bis 23 Uhr geht ihre Schicht.

18:50

Die Spätschicht füllt die Regale von neuem auf. Arne Christensen packt Tiefkühl-Cevapcici in die Gefriertruhen. Zehn Truhen laufen in der TK-Abteilung, Der stellvertretende Marktleiter vertritt bis zum Marktende Eveline Mihali. Vorne an den Flaschenrückgabe-Stellen stehen einige verwahrlost aussehende Männer und Frauen. "80 Prozent unseres Leergutes stammt von Flaschensammlern", sagt Christensen. Am Eingang Kantstraße kampieren seit Wochen zwei Obdachlose und ein Hund. "Die sind okay, friedlich, kehren mal den Bürgersteig. Dafür versorgen wir sie mit Lebensmitteln und Hundefutter." Wirklich ein besonderer Standort.

Hit Ullrich Verbrauchermarkt am Zoo Hardenbergstraße 25, Kantstraße 7, Charlottenburg, Tel. 81 85 01 10, täglich 7-23 Uhr, www.ullrich-verbrauchermarkt.de

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