25.02.13

Bildung

Berliner Lehrer wollen Sekundarschule "retten"

Pädagogen von Sekundarschulen in Charlottenburg-Wilmersdorf beklagen in einem offenen Brief die Zustände an ihren Bildungseinrichtungen.

Von Regina Köhler
Foto: Joachim Schulz

Lehrer an der Robert-Jungk-Oberschule haben einen offenen Brief geschrieben
Lehrer an der Robert-Jungk-Oberschule haben einen offenen Brief geschrieben

Lehrer der Robert-Jungk-Sekundarschule in Charlottenburg-Wilmersdorf sowie der Sekundarschule Wilmersdorf haben jetzt in einem offenen Brief an die politisch Verantwortlichen dieser Stadt eine bessere Ausstattung ihrer Schulen gefordert. "Rettet die Sekundarschule", schreiben sie.

Den Schulen fehle es an Ressourcen. Lehrer könnten deshalb weder den Förderschülern, noch denen, die das Abitur machen wollen, gerecht werden. "Wir haben Bedingungen, die weder den schwierigen Kindern, noch denen, die leistungsbreit sind, gerecht werden", heißt es in dem Brief. Es fehle an zusätzlichen Förderstunden sowie an Fachkräften.

In den Sekundarschulen sind die ehemaligen Haupt-, Real- und Gesamtschulen aufgegangen. Das Konzept stammt noch aus der vergangenen Legislaturperiode. Die Sekundarschulen sollen Abschlüsse vom Hauptschulabschluss bis zum Abitur ermöglichen.

Kinder brauchen mehr Betreuung, mehr Förderung

Klaus Wiemann, Lehrer an der Robert-Jungk-Sekundarschule, sagt, dass es viele Schüler an seiner Schule gebe, die bislang in kleinen Klassen an Hauptschulen unterrichtet worden waren. "Diese Kinder brauchen mehr Ansprache, mehr Ermutigung, mehr Betreuung, mehr Förderung, um mit den Anforderungen klar zu kommen."

Dazu fehle den Lehrern die Zeit. Hinzu komme, dass an der Robert-Jungk-Schule bereits drei Integrationskinder pro Klasse lernen würden. Die Lehrer seien für den Umgang mit diesen Förderkindern aber nicht ausgebildet. Dafür seien Sonderschullehrer da, von denen es an der Schule aber viel zu wenig gebe. "In unseren Klassen sitzen viele Kinder mit emotional-sozialen Störungen neben denen, die Abitur machen wollen." Dieser Spagat sei für die Lehrer nicht mehr zu schaffen. "Eine Grenze ist erreicht, an der immer mehr von uns krank werden durch Überlastung."

Auch die Eltern sind in Sorge. Johanna Wurbs von der Gesamtelternvertretung der Robert-Jungk-Schule sagt, dass mehr Sozialarbeiter an die Schulen müssten. "Die Klassenzusammensetzung ist alles andere als einfach, das führt zu vielen Problemen, mit denen die Lehrer allein überfordert sind." Wenn demnächst auch noch das gemeinsame Lernen von behinderten und nicht behinderten Kindern zum Regelfall werde, sei das für die Lehrer ohne zusätzliche Hilfe nicht mehr zu schaffen.

Der Vorsitzende der Vereinigung der Berliner Schulleiter, Paul Schuknecht, warnt, dass die ständige Reduzierung der zusätzlichen Stunden für den sonderpädagogischen Förderbedraf von Schülern mittlerweile an die Schmerzgrenze geführt hat. "Die Nerven liegen blank", so Schuknecht.

Zwei Arten von Schulen

Norbert Gundacker, in der Lehrergewerkschaft GEW in der Fachgruppe Sekundarschule tätig, kritisiert, dass es mittlerweile zwei Arten von Sekundarschulen gibt. "Da sind einerseits die ehemaligen Gesamtschulen, die sehr stark nachgefragt werden und fast unter gymnasialen Bedingungen arbeiten und andererseits die Sekundarschulen in Brennpunkten, die eine völlig andere Schülerzusammensetzung haben", sagt Gundacker.

Diese Brennpunktschulen bräuchten eine deutlich bessere Ausstattung, mehr Sozialpädagogen und Schulpsychologen. Zudem müssten gerade an diesen Schulen besonders gut ausgebildete Lehrer arbeiten. "Momentan ist es hingegen so, dass die jungen Lehrkräfte lieber an Gymnasien oder Grundschulen arbeiten wollen, als an einer Sekundarschule im Brennpunkt." Für Gundacker ist es deshalb kein Wunder, dass sich die Kollegen an vielen Sekundarschulen völlig überlastet fühlen.

Die SPD hat indes Hilfe für Brennpunktschulen versprochen. Der Berliner SPD-Fraktionschef Raed Saleh und Neuköllns Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky (SPD) hatten Ende Dezember vorgeschlagen, jeder Berliner Brennpunktschule jährlich etwa 100.000 Euro zusätzlich zur Verfügung zu stellen, etwa für mehr Sozialarbeiter oder Lehrer. Finanzsenator Ulrich Nußbaum (parteilos, für die SPD) signalisierte bereits seine Unterstützung. Bisher ist es dabei allerdings geblieben. Konkreter wurden die Pläne nicht.

Die Lehrer der Robert-Jungk-Schule und der Sekundarschule Wilmersdorf fordern in ihrem offenen Brief deshalb jetzt, die Zahl der Unterrichtsstunden pro Woche wieder von 26 auf 23 zu senken. Ein Teil der Unterrichtsverpflichtung sollte zudem für die Betreuung schwieriger Schüler eingesetzt werden, damit für diese Schüler besondere Unterrichtsformen entwickelt werden können, heißt es weiter. Außerdem sollten mehr Erzieher und Sozialpädagogen an den Schulen angestellt werden. Der Brief endet mit der Mahnung: "Bildung ist die einzige nennenswerte Ressource, die wir in Deutschland haben. Wer hier nicht investiert, der verspielt die Zukunft."

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