Projekt
Pferde als Therapeuten für Kinder
Geduldig steht "Marushan" still, während die sechsjährige Zoe über eine Treppe auf seinen Rücken klettert. Der braune Vollblut-Araber ist eines von den fünf Pferden des Fördervereins Mensch und Tier, die für Therapeutisches Reiten bereit stehen.
Von Petra Götze
"Es ist wirklich faszinierend zu sehen, wie aggressive oder verhaltensgestörte Kinder auf die Pferde reagieren", sagt Psychologin Anja Kraft, die das Pferdeprojekt gemeinsam mit den Mitgliedern des Fördervereins Mensch und Tier betreibt.
"Die Pferde haben eine beruhigende Wirkung", sagt die Physio-Therapeutin Konstanze Prüver, während ihre Tochter Zoe für den Fotografen auf "Marushan" herumturnt. Alle Therapiepferde haben einen ruhigen, sanften Charakter, sind an Kinder gewöhnt und speziell für ihre Arbeit ausgebildet.
"Es ist ganz erstaunlich, wenn man sieht, wie Kinder mit körperlichen Behinderungen sich auf dem Pferd plötzlich entspannen", beschreibt Anja Kraft die Wirkung der Pferdetherapie. Rund 50 Kinder kommen zu den therapeutischen Reitstunden, manche für einige Wochen, manche jahrelang. Viele Kinder sind verhaltensauffällig, durch Gewalt in der Familie belastet oder aggressiv. Andere leiden unter Autismus, sind körperlich oder geistig behindert. "Bei diesen Kinder kann das Pferd mit seinen Bewegungen die Körpermotorik verbessen", sagt Konstanze Prüver. Verschlossene Kinder, die sich Erwachsenen gegenüber nicht öffnen, fangen auf dem Rücken des Pferdes plötzlich an zu sprechen. "Wenn sie merken, dass so ein großes Tier ihnen vertraut, dass Reiter und Pferd ein Team sind, hat das Auswirkungen auf ihr eigenes Sozialverhalten", sagt Anja Kraft.
Pferde sind Herdentiere mit einem ausgeprägten Sozialverhalten und genau das sollen die Kinder von ihnen lernen.
15 Jahre lang hatte das von einem Psychologie-Professor der Freien Universität gegründete Pferdeprojekt seine Heimat auf der Domäne Dahlem in Zehlendorf. Doch dem Verein wurde von der FU gekündigt. Dank Unterstützung aus der Steglitz-Zehlendorfer CDU konnte das Pferdeprojekt an einen neuen Standort innerhalb des Landschaftsschutzgebietes an der Ruhlsdorfer Straße in Teltow umziehen.
"Wir hatten Angst, dass vielen Eltern nun der Weg zu weit wäre, aber fast alle sind mitgezogen", sagt Anja Kraft. Es gibt Einzel- und Gruppentherapie mit maximal sechs Kindern, wobei die Reit-Gruppen nach den Fähigkeiten der Kinder zusammengestellt werden. Bei den Fortgeschrittenen wird an der Longe auch galoppiert. Geritten wird ohne Sattel nur mit Haltegurt auf einer Decke, damit die Kinder den Kontakt zum Pferd besser spüren. Auch Erwachsene können zum Reiten kommen.
Eine Einzeltherapiestunde kostet 40 Euro, in der Gruppe 30 Euro. Die Pferde werden in Offenstallhaltung gehalten, ihr dickes Winterfell schützt sie vor der Kälte. Das Pferdeprojekt kann sich nicht allein durch die Honorare für die Therapien finanzieren und ist für Versorgung und Unterhalt der Pferde auf Spenden angewiesen. Eine 30 Jahre alte Stute darf im nächsten Jahr auf der Koppel in Teltow in Rente gehen. Für ein neues Therapiepferd reicht das Geld noch nicht.
Weitere Informationen unter www.pferdeprojekt.de
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