Der Ortsteil Friedenau ist unspektakulär – im positiven Sinn. Man lebt im Grünen, ist aber schnell dort, wo das Leben pulsiert. Nobelpreisträger Günter Grass und Max Frisch fühlten sich im gediegenen Kiez zwischen Schöneberg und Steglitz wohl – so wie heute Familien und Fahrradfahrer.
Foto: Christian Hahn
Es ist Zufall, dass Friedenau tatsächlich so schön friedlich ist. Eigentlich entstand der Name in Erinnerung an den Frankfurter Frieden. Im Jahr 1871, dem Gründungsjahr des Stadtbezirks, wurde der Deutsch-Französische Krieg beendet.
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"Komm' mit nach Friedenau, da ist der Himmel blau" lautet eine Zeile der Friedenauer Hymne. Ist das Wetter schön, so trifft man sich vor dem kleinen Parkcafé.
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Selbst am S-Bahnhof, anderswo ein lauter, geschäftiger Ort, herrscht in Friedenau entspannte Café-Atmosphäre.
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Uhrmacher Marco Leist, 21, bei der Arbeit. Die Askania Uhr ist Friedenaus Markenzeichen.
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Das Werk an der Bundesallee ist eine der größten Uhrenmanufakturen Deutschlands.
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Auf dem Wochenmarkt kann man nicht nur für das leibliche Wohl sorgen. Es schaut hier immer noch ein bisschen so aus,...
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...wie Günther Grass es einmal aus der Luft beschrieben hat: "Links ist unter meinem Vielzweckmobil der Turm vom Friedenauer Rathaus, davor der Wochenmarkt zu erkennen mit der dicken Fischfrau und dem verrückten Blumenhändler, die mir beide zuwinken, und auch die Niedstraße mit unserem Klinkerhaus ..." Der Nobelpreisträger lebte in der Niedstraße 13.
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Doch er ist nicht die einzige Berühmtheit, die Friedenau zu bieten hat. Auf dem Bezirksfriedhof liegen Helmut Newton...
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...und Marlene Dietrich begraben. Auch Max Frisch war Friedenauer. Er soll einmal im Schlafanzug durch die Straßen geirrt sein.
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Ernst Karbe, Inhaber des Fotogeschäfts in der Hedwigstraße hat eine Vorliebe für Teddys. Bei gutem Wetter verteilt er sie vor seinem Eckladen "Bilderbär" – auf parkenden Autos, in eigenen Sesseln oder auf Fensterbänken.
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Bei der Eröffnung des "Kleinen Theater" im Jahr 1973 wurde ihm eine Lebensdauer von sechs Monaten prophezeit. Heute lieben es die Zuschauer noch immer.
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Am Varziner Platz sitzt der "Süßkram-Dealer", eine kleine, aber exquisite Schokolaterie. Hier gibt es nicht ganz billige, aber köstliche Spezialitäten aus dem braunen Suchtstoff.
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Feinschmecker jeder Art kommen in Friedenau nicht zu kurz. Vorzügliche italienische Küche jenseits von Pizza gibt es bei "Mario" am Südwestkorso.
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Die Morgenpost bekommt man hingegen am Liane-Berkowitz-Platz bei Ahmet Yilmaz.
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Aus der Kaiserzeit und damit der frühesten Industriegeschichte Friedenaus stammen die Goerz-Höfe, die ab 1897 für die Optische Anstalt C. P. Goerz errichtet worden. Ab 1962 wurden die Höfe saniert und vorsichtig umgestaltet. Heute sind hier Ingenieure und Handwerker, Architekten und andere Kreative zu finden.
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Die Bildgießerei Hermann Noack hat ihren Sitz an der Fehlerstraße 8. Steffen Zinkel arbeitet an einer Skulptur des Künstlers Jonathan Meese. Hermann Noack I. gründete 1897 der Bildhauer August Gaul (1869-1921) und Fritz Klimsch (1870-1960) die Bildgießerei H. Noack.
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Hermann Noack III. (Foto) und Hermann Noack IV. führen nun die Bildgießerei, die sich seit 1899 in Friedenau befindet. In den 90er Jahren übernahm der Betrieb unter anderem die Rekonstruktion des Heiligen Georg für den Moskauer Kreml und damit auch Rekonstruktionsaufgaben.
Günter Grass hat Friedenau ein literarisches Denkmal gesetzt – aus der Luft.
„Als Pilot hoch über den Dächern von Friedenau ... Mach ne Links-, ne
Rechtskurve ... Links ist unter meinem Vielzweckmobil der Turm vom
Friedenauer Rathaus, davor der Wochenmarkt zu erkennen mit der dicken
Fischfrau und dem verrückten Blumenhän...