Schweinegrippe
Jetzt beginnt in Berlin die Impfung
Nun geht es los. An diesem Montag beginnt in Berlin die flächendeckende Impfung der Bevölkerung gegen die Schweinegrippe. Inzwischen haben sich rund 200 Arztpraxen gemeldet, die nun den Impfstoff erhalten. Wer sich impfen lassen will, braucht einen Termin. Morgenpost Online veröffentlicht die Liste aller bisher beteiligter Praxen.
Von Birgit Haas und Tanja Kotlorz
Dabei hat der Namensgeber Glück gehabt. Nach Angaben der Weltorganisation für Tiergesundheit OIE hat das Virus beim Schwein bisher zu keiner besorgniserregenden Entwicklung geführt. Ganz im Gegenteil: Bisher gibt es keine Beweise, dass Schweine bei der Verbreitung des Virus' eine besondere Rolle spielen.
In mehr als 200 Arztpraxen startet am Montag die Impfung gegen die Schweinegrippe für die Berliner Bevölkerung. Allerdings können nur rund hundert Ärzte auch heute schon impfen, den anderen fehlt nach Angaben der Berliner Gesundheitsverwaltung noch der Impfstoff. Grund dafür ist, dass die Verträge zwischen der Gesundheitsverwaltung und den ambulanten Ärzten erst spät abgeschlossen wurden und die Ärzte den Impfstoff Pandemrix noch nicht bestellen konnten.
"Obwohl wir bereits vor zwei Wochen dem Senat mitgeteilt haben, dass wir impfen wollen, kam die Zusage erst am Freitag ", sagt Thomas Wicke. Der 38-jährige Allgemeinmediziner hat mit seinem Kollegen Tobias Glaunsinger in der Chodowieckistraße im Prenzlauer Berg eine Praxisgemeinschaft. Viele ihrer Patienten sind HIV-positiv. Die Ärzte haben sich auf die Behandlung Immunschwächekranker spezialisiert. Für diese Patienten ist eine Impfung gegen die Schweinegrippe besonders wichtig. Aber auch anderen chronisch Kranken, die unter Asthma, Zucker, Bluthochdruck oder enormen Übergewicht leiden, empfiehlt der Hausarzt eine Impfung.
Deshalb hat Thomas Wicke gleich nach der Zusage 250 Dosen Pandemrix bestellt. "Am Dienstag wird das Medikament geliefert und wir hoffen am Mittwoch um acht Uhr mit der ersten Impfsprechstunde beginnen zu können." Nach der Lieferung muss Pandemrix eine Nacht ruhen. Erst dann können die Ärzte prüfen, ob während des Transports die Kühlkette unterbrochen war. Wird Pandemrix nicht durchgängig zwischen zwei und acht Grad Celsius gelagert, ist der Impfstoff nicht mehr verwendbar und muss entsorgt werden. Zudem lagern die Ärzte den Impfstoff im Kühlschrank im Karton, damit möglichst wenig Licht darauf fällt.
Ärzte werden mit Fragen bedrängt
Wie viele seiner Patienten sich ab Mittwoch tatsächlich impfen lassen werden, kann Thomas Wicke nicht einschätzen. Doch in den vergangenen anderthalb Wochen hat er bei den bisher eher desinteressierten Patienten einen Stimmungswandel festgestellt. "Jedem habe ich mindestens eine Frage zur Schweinegrippe beantwortet."
Um nicht überrannt zu werden, hat Thomas Wicke seine Patienten gebeten, sich vorher einen Termin geben zu lassen. Auch die Senatsverwaltung für Gesundheit rät den Berlinern, sich erst bei den Impf-Ärzten telefonisch zu erkundigen, wann man sich gegen das H1N1-Viris immunisieren lassen kann.
Wicke und seine Kollegen werden Überstunden schieben, um möglichst schnell viele Menschen impfen zu können. "Wir sind das unseren Patienten schuldig", sagt Thomas Wicke. Er verdient an der Impfaktion wenig. Pro Spritze bekommt er 5,50 Euro. "Da der Beratungsaufwand sehr hoch ist, ist das zu wenig." Die normale Sprechstunde müsse weiterlaufen und das Wartezimmer sei in dieser Jahreszeit voll.
Die Impfsprechstunde ist deshalb straff organisiert. Der Patient wird von der Arzthelferin empfangen, erhält einen Aufklärungsbogen, auf dem er unter anderem Fragen zu ihm bekannten Allergien beantworten muss. Dann werden seine Personalien aufgenommen. "Die Krankenversichertenkarte muss nicht vorgezeigt werden, aber es ist natürlich besser, sie dabei zu haben", sagt Thomas Wicke. Die Praxisgebühr muss auch nicht gezahlt werden. Ganz wichtig allerdings sei der Impfausweis, in den der Arzt die Impfung einträgt. Danach klärt Wicke selbst ab, ob der Patient möglicherweise unter einer Eiweiß-Allergie leiden könnte. Da der Wirkstoff in Hühnereiern gezüchtet wird, wäre eine Impfung in diesem Fall fatal.
Für je zehn Patienten mischt Wicke ein Fläschchen Impfstoff mit Wirkverstärker. Die Pandemrix-Mixtur ist 24 Stunden haltbar, bevor sie im Sondermüll entsorgt werden muss. "Wir hoffen, nicht all zu viel wegwerfen zu müssen", meint Thomas Wicke.
Nach dem Pik in den Oberarm, bleibt der Patient noch etwa eine Viertelstunde in der Praxis. "Wenn ein allergischer Schock auftritt, können wir alle nötigen medizinischen Sofortmaßnahmen einleiten und den Notarzt anrufen", sagt Thomas Wicke.
In den Tagen danach kann die Einstichstelle rot und geschwollen sein. Wie bei der Impfung gegen die saisonale Grippe können Kopf-, Gelenk-, Hals- und Gliederschmerzen auftreten. "Auch ein leichtes Fieber ist noch kein Grund zur Beunruhigung", sagt Thomas Wicke. Etwas Paracetamol könne helfen. Steige das Fieber über 39 Grad Celsius, soll der Patient wieder zum Arzt gehen.
Thomas Wicke hat sich – im Gegensatz zu seinen Kollegen – noch nicht impfen lassen. "Ich habe es aus zeitlichen Gründen nicht zum Gesundheitsamt geschafft." Nun lässt er sich in der eigenen Praxis impfen. "Ich habe ja viel Kontakt zu erkälteten oder grippekranken Patienten, da ist es wichtig, geimpft zu sein." Anderen Patienten rät er jedoch, die Impfung sorgfältig abzuwägen. Wer nicht viel mit Menschen zusammen ist, könne sich auch mit einfachen Hygienemaßnahmen schützen. "Viel Händewaschen." Man muss sich nicht impfen lassen, wenn man die neue Grippe bereits hatte.
Wer den Virus zum Zeitpunkt der Impfung in sich trägt, wird trotzdem krank. Der Impfschutz tritt erst zwei Wochen nach der Impfung ein.
Angesichts von Engpässen beim Schweinegrippen-Impfstoff und bei Impfärzten will Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) auf einem Treffen am Mittwoch mit den zuständigen Länderministern sprechen. Ziel der Konferenz solle es sein, mögliche Schwachstellen zu ermitteln, sagte Rösler. Deutschlandweit gab es einen weiteren Todesfall. Eine 15-jährige Schülerin aus Kassel starb nach einer Infektion mit dem Schweinegrippenvirus.
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