10.05.12

Radverkehrsstrategie

Berlin will von Amsterdam lernen

Viele deutsche Städte setzen auf mehr Radfahrer. Die Vorbilder kommen aus Dänemark und Holland

Foto: Arco Images GmbH
Einkaufsstrasse Damrak / Amsterdam
Selbst die belebte Einkaufsstraße Damrak in Amsterdam ist ein Paradies für Radfahrer

Deutschland will fahrradfreundlicher werden. In einigen deutschen Großstädten gibt es zurzeit Bestrebungen, den Radverkehrsanteil zu erhöhen. Neben der Diskussion um Feinstaub und Umweltbelastungen erfolgen die Bemühungen auch aus der Erkenntnis heraus, dass die Städte über kurz oder lang an ihre Grenzen stoßen werden, wenn immer mehr Autos auf den Straßen sind.

Die niedersächsische Landeshauptstadt Hannover hat zum Beispiel einen Masterplan Mobilität erstellt. Ziel des Plans ist unter anderem die Steigerung des Radverkehrs von derzeit 13 auf 25 Prozent bis 2025. Erreicht werden soll das durch ein attraktives, flächendeckendes Radroutennetz, das die wichtigsten Orte im gesamten Stadtbereich verbindet. Abstellanlagen am Ausgangspunkt und am Ziel der Wege sollen wirksamen Schutz gegen Witterung, Diebstahl und Vandalismus bieten.

Die Stadt Frankfurt am Main hat ein eigenes Radfahrbüro eingerichtet, in dem Fahrradfahrer Anregungen und Verbesserungsvorschläge machen können. So gibt es auch eine Meldeplattform Radverkehr für ganz Hessen, wo Radler Mängel wie zum Beispiel Schlaglöcher oder defekte Schilder melden können. München hat sich ebenfalls einiges vorgenommen. Die Stadt will Radlhauptstadt werden und den Radverkehrsanteils von derzeit 14 Prozent auf mindestens 17 Prozent bis 2015 steigern. Das schon bestehende Radlnetz mit einer Gesamtlänge von 1200 Kilometern wird durch Ausbau- und Verbesserungsmaßnahmen ausgeweitet.

Kopenhagen als Vorbild

Auch Berlin will seine Radverkehrsstrategie weiter fortsetzen. Bereits erreicht wurden neue Radfahrstrecken und Radwege. Aber auch mitnutzbare Busspuren, Fahrradstraßen und die Öffnung von Einbahnstraßen oder Sackgassen machen das Radfahren in Berlin zunehmend einfacher und sicherer. Verkehrsberuhigte Zonen und Tempo-30-Zonen ermöglichen das Radfahren auf der Fahrbahn. Freigegebene Wege durch die Parks, die Wälder und an den Wasserläufen erhöhen die Attraktivität des Radfahrens in Berlin erheblich.

Die Maßnahmen machen sich bemerkbar. "In Berlin ist seit einigen Jahren ein eindeutiger Trend zu verzeichnen", sagt die ADFC-Landesvorsitzende Eva-Maria Scheel. Betrug der Anteil der Fahrradfahrer am Gesamtverkehr Mitte der Neunzigerjahre noch sechs Prozent, so sind es heute 13 Prozent – Tendenz steigend. "Viele Berliner erkennen: Fahrradfahren macht Spaß, fördert die Gesundheit und ist klimafreundlich", so Scheel. Der ADFC Berlin hält eine Steigerung des Radverkehrsanteils bis 2020 auf bis zu 25 Prozent für möglich. Blickt man allerdings auf andere europäische Städte, scheinen diese bereits viel weiter in Sachen Fahrradfreundlichkeit zu sein.

Amsterdam macht es vor

Zum Vergleich: In Kopenhagen beträgt der Fahrradanteil 30 Prozent. "Der Stellenwert des Radverkehrs in Kopenhagen ist wesentlich höher", meint Scheel.

Auch die Niederlande sind Vorbild in Sachen Radverkehr. Ziel dort ist eine nachhaltige Sicherheit. Unfälle sollen vermieden und das Risiko von schweren Verletzungen praktisch ausgeschlossen werden. Radfahrer werden daher so oft wie möglich von anderen Verkehrsteilnehmern durch Radwege getrennt. Wenn das nicht möglich ist, wird die Geschwindigkeit gesenkt, zum Beispiel durch Tempo-30-Zonen, Kreisverkehre und Beruhigungsschwellen. "Auch in Berlin brauchen wir eine Verbesserung der Verkehrssicherheit", so Scheel. "Die Kampagne 'Rücksicht im Straßenverkehr' ist sicherlich ein guter Schritt in diese Richtung."

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