10.05.12

Fahrstil

Wenn die Straße zur Kampfzone wird

Häufigstes Fehlverhalten bei Radfahrern ist das Fahren auf der falschen Seite und die Ignoranz von Vorfahrtsregeln. Junge Männer riskieren dabei am meisten

Quelle: dapd
10.04.12 1:25 min.
Sie telefonieren oder missachten rote Ampeln. Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer will jetzt gegen sogenannte Kampf-Radler vorgehen. Die Polizeigewerkschaft hat er auf seiner Seite.

Rund 400 Fahrradfahrer sterben jedes Jahr bei Verkehrsunfällen. Auch wenn diese Zahl in den vergangenen Jahren immer wieder gesunken ist, bleibt die Anzahl der Unfälle mit beteiligten Radfahrern insgesamt auf hohem Niveau. "Radfahrunfälle spielen weiterhin eine große Rolle bei den Verkehrsunfällen", sagt Klaus Brandenstein von der Unfallforschung der Versicherer (UDV). "Die Zahl der Unfälle mit Personenschaden ist in den vergangenen zehn Jahren nicht zurückgegangen."

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes kamen in der Zeit von Januar bis einschließlich November 2011 insgesamt 384 Radler bei Verkehrsunfällen ums Leben. Laut Auswertung des Statistischen Bundesamtes sind Jungen und junge Männer fast doppelt so häufig in Unfälle verwickelt wie Mädchen und Frauen der gleichen Altersgruppen. Ihre Fahrweise wird als risikoreicher eingestuft. Zudem steigt die Zahl der verunglückten Radfahrer mit dem Alter. Fast die Hälfte aller getöteten Fahrradfahrer war über 65 Jahre alt. Das Statistische Bundesamt zählte 2010 über 65.000 Fahrradunfälle mit Personenschaden.

Klaus Brandenstein von der UDV kennt die verschiedenen Unfallursachen. "Unfälle werden oft durch ein Fehlverhalten sowohl bei Rad- als auch bei Autofahrern ausgelöst." Fehlverhalten Nummer 1 bei den Radfahrern ist das Fahren auf der falschen Seite beziehungsweise in die falsche Richtung. Autofahrer passen beim Abbiegen nicht auf und gefährden dadurch die Radler. Abhilfe für die gesunkene Regelakzeptanz bei den Radfahrern können laut Brandenstein speziell für den Radverkehr eingerichtete Polizeistreifen schaffen, die nicht nur belehren und bestrafen, wenn Verkehrsregeln nicht eingehalten werden, sondern auch aufklären und damit die Verkehrsmoral heben.

Schlichtweg falsches Verhalten

Eine weitere Ursache für die konstant hohe Zahl der Radunfälle sieht der UDV in der schlechten Führung und dem schlechten Zustand vieler Radwege beziehungsweise in der mangelhaften Radwegeinfrastruktur. Auf ähnliche Ergebnisse kommt auch der Allgemeine Deutsche Automobil Club (ADAC). Laut einer Studie sind die häufigsten Unfallursachen mit Beteiligung von Radfahrern im Missachten der Vorfahrtsregeln zu verorten. Hinzu kommen laut ADAC Fahren mit unangepasster Geschwindigkeit sowie das Benutzen der falschen Fahrbahn. Weitere Unfälle passieren häufig beim Abbiegen oder Wenden.

Oftmals führt also schlichtweg falsches Verhalten zu Unfällen. Der ADAC fordert hierfür mit seiner Kampagne "Fair im Straßenverkehr" die gegenseitige Rücksichtnahme aller Verkehrsteilnehmer aufeinander.

Ähnlich formuliert es auch Brandenstein: "Die Regularien sind ausreichend, müssen aber auch durchgesetzt werden." Der UDV bietet dafür Radfahrtrainings, die den Radlern die Verkehrsregeln nahebringen und so die Sicherheit auf den Straßen gewährleisten sollen. Für die gefährdeten Gruppen der Jugendlichen oder Senioren werden spezielle Trainings angeboten.

Dem stimmt auch Bettina Cibulski vom ADFC zu. "Verkehrserziehung muss schon in der Grundschule beginnen. Hier sollten die Verhaltensregeln allerdings jedes Jahr im Rahmen beispielsweise einer Aktionswoche aufgefrischt werden."

Sie sieht einen Grund für die Verhaltensfehler der Fahrradfahrer auch darin, dass viele keinen Führerschein haben und somit nicht so eng mit den Verhaltensregeln im Straßenverkehr vertraut sind. Allerdings dürfe man, so Cibulski, sich bei der Suche nach der Schuldfrage nicht zu sehr auf die Radfahrer fokussieren, auch wenn diese immer bedenken sollten, dass sie im Falle eines Unfalls die Schwächeren sind. Generell wünscht sie sich mehr Gelassenheit auf der Straße und eine defensive, vorausschauende Fahrweise.

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