Bei Demonstration Berliner Polizei wohl mit abgelaufenem Essen versorgt

Foto: pa/dpa

Bei einem Einsatz in Friedrichshain am Wochenende bekamen Polizisten Verpflegung, die lange abgelaufen war. Gewerkschaft ist empört.

An Einsatzkräfte der Berliner Polizei ist am vergangenen Wochenende Essen ausgegeben worden, dessen Mindesthaltbarkeitsdatum seit fast fünf Monaten abgelaufen war. Nach Angaben der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG) waren davon Beamte der Polizeidirektion 4 und anderer Einsatzeinheiten betroffen. Die Polizisten befanden sich unter anderem im Einsatz wegen einer Demonstration linker und linksextremer Gruppen in Friedrichshain.

Die Polizei bestätigte auf Anfrage den Vorfall. Demnach wurden 88 Mahlzeiten ausgeliefert, deren Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten war. Es habe sich um elf Kartons mit jeweils acht Tiefkühlgerichten gehandelt, sagte Polizeisprecher Stefan Redlich.

In drei dieser Kartons befanden sich demnach Essenportionen mit einem Haltbarkeitsdatum vom September 2015 sowie um acht Kartons mit Ablaufdatum Ende Januar 2016. "Der Lieferant des Essens wurde von uns zu einer Erklärung aufgefordert", sagte der Polizeisprecher.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) veröffentlichte ein Foto von einer 600 Gramm-Packung tiefgefrorenes "Pasta-Duett Überbackene Cannelloni mit Ricotta-Spinatfüllung in Ruccolarahm und Spaghetti mit Tomaten-Gemüsesugo".

Die genaueren Umstände seien bislang nicht bekannt, teilte die Gewerkschaft am Donnerstag mit. "Ein solcher Umgang mit den ständig überlasteten Kollegen ist völlig inakzeptabel. Wer im Einsatz rund um die Uhr Höchstleistungen von den Einsatzkräften verlangt, ist auch in der Pflicht, für gesundes Essen zu sorgen", sagte Bodo Pfalzgraf, Vorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft Berlin.

Einsatzleiter schreibt Entschuldigung

Der gesamte Sachverhalt müsse rückhaltlos aufgeklärt werden, forderte Pfalzgraf. "Und dann dürfte wohl eine behördenöffentliche Entschuldigung des Verantwortlichen selbstverständlich sein", sagte er weiter.

Eine Entschuldigung ist auch umgehend erfolgt. Der Einsatzleiter Michael Krömer schrieb am Donnerstag an alle Beamten der Behörde. "Ich entschuldige mich bei Ihnen allen, die Sie davon betroffen waren, ausdrücklich. Das darf nicht passieren. Wie es genau dazu kommen konnte, dass Verpflegung mit abgelaufenem MHD ausgegeben wurde, wird zurzeit noch geprüft", schreibt der Einsatzleiter.

>>> Das Entschuldigungsschreiben

Die Einsatzversorgung der Berliner Polizei war nach Gewerkschaftsangaben in der Vergangenheit schon mehrfach in der Kritik. "Doch unsere Kolleginnen und Kollegen können die üblichen Sprüche wirklich nicht mehr hören. Es kommt nicht nur darauf an, ob das Essen verdorben und gesundheitsschädlich war. Das sollen die Untersuchungen ergeben. Jetzt ist ein deutlich wahrnehmbares Signal der Wertschätzung für eine spürbare Verbesserung der Einsatzversorgung gefragt", teilte der Gewerkschaftsvorsitzende weiter mit.

Aufklärung gefordert

Die Polizei müsse zu jeder Zeit - besonders in Krisensituationen - in der Lage sein, alle Kräfte mit eigenen Einsatzküchen über mehrere Tage selbstständig und ohne ausgelagerte Fremdfirmen zu versorgen. Das bedeute aber auch eine ordentliche Ausstattung der Einsatzeinheiten mit Personal und Equipment, forderte Pfalzgraf.

Die Politik habe der Polizei diese früher vorhandenen Fähigkeiten weitestgehend genommen, selbst Polizeikantinen seien Mangelware. "Das zuständige Bezirksamt wurde informiert, ein Ermittlungsverfahren ist anhängig", teilt die DPolG mit.

Auch die Gewerkschaft der Polizei (GdP) fordert eine Aufklärung des Vorfalls. "Das ist ein riesiger Skandal, der komplett aufgeklärt werden muss. Es ist abartig, dass unsere Kräfte rund um die Uhr für Sicherheit in der Stadt sorgen sollen und dann mit Verpflegung versorgt werden, die längst abgelaufen ist", sagte Detlef Hermann, stellvertretender Landesvorsitzender der GdP. Er forderte, den betroffenen Polizisten nachträglich die Ausgleichsleistung auszuzahlen, die anfalle, wenn Polizisten bei entsprechenden Einsatzlagen nicht mit Essen versorgt werden können.

Nach Angaben der Polizei wird das Essen für Beamte bei Großeinsätzen oder länger dauernden Einsätzen aus dem Lager eines Lieferanten bezogen, zu dem die Behörde im Bedarfsfall Zugang hat. Insgesamt sind den Behördenangaben zufolge während der Einsätze am Wochenende 315 Tiefkühlessen bezogen worden, von denen bei 88 das Haltbarkeitsdatum überschritten war. Teilweise sei dies auch rechtzeitig erkannt worden. Wie viele der Gerichte verzehrt wurden, ist derzeit unklar. Polizeisprecher Redlich sagte, es habe sich bisher niemand gemeldet, der nach dem Verzehr erkrankt sei.



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