Kampagne

Berliner Sportvereine sammeln 100.000 Stimmen für Olympia

Foto: camera4

Bisher haben politische Gremien und die Berliner Top-Vereine in der Öffentlichkeit für die Spiele geworben. Doch die Basis der Befürworter ist weitaus größer, wie eine Unterschriftenaktion zeigt.

Die jüngsten Meldungen zum Thema Olympische Spiele in Berlin ließen fast schon vermuten, dass die Gegner der Bewerbung um diese Großveranstaltung in der Hauptstadt eine Übermacht hätten. Laute Störer und eine Stinkbombe gab es beim ersten Bürgerforum des Senats vergangene Woche, am Rosenmontag folgten Protest und Buhrufe gegen eine Pfannkuchen-Aktion des Justizsenators Thomas Heilmann (CDU). Es handelte sich jeweils nur um wenige Personen mit noch weniger Argumenten. In die Schlagzeilen schafften sie es dennoch.

Es gibt aber auch andere Aktionen mit mehr Argumenten. Rund 100.000, wenn man so will. So viele Unterschriften haben die Initiatoren der Kampagne "Das lebendige olympische Band" nach ihren Angaben auf rund 200 vier Meter langen und 1,20 Meter hohen Plakaten gesammelt. Innerhalb von vier Wochen. Die Unterzeichner wünschen sich die Spiele 2024 oder 2028 in Berlin. Am Dienstag wurden sie vorgestellt, am Donnerstag um 10 Uhr überreichen die Initiatoren gemeinsam mit dem Regierenden Bürgermeister Michael Müller (SPD) vor dem Brandenburger Tor die insgesamt gut 800 Meter mit den Signaturen an Vertreter des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB).

"Wir sind sport-verrückt"

Michael Stiebitz, Präsident des Berliner Hockey Clubs (BHC), und Jens-Uwe Kunze, Geschäftsführer des Berliner Turn- und Freizeitsport-Bundes (BTB), entwickelten die Idee. Weil sich bis dahin nur (sport-)politische Gremien und die Berliner Top-Vereine in der Öffentlichkeit für die Spiele eingesetzt hatten, wollte nun die Basis des Sports ihren Teil dazu beitragen, dass eine positive Olympia-Stimmung in der Stadt entsteht. Und zwar nicht nur mit Worten. Die Zeit drängte, Ende Februar will der DOSB mithilfe einer Umfrage herausfinden, ob mehr Hamburger oder Berliner für die Spiele in ihrer Stadt sind. Und dann am 21. März entscheiden, welchen Bewerber er ins Rennen schickt.

"Wir sind sport-verrückt", sagte Stiebitz, "und wir glauben an unsere Community. Aber mit 100.000 Unterschriften haben wir nie gerechnet." Sie sind ihnen nicht zugeflogen. Die Plakate wurden zunächst an Vereine, Institutionen und weitere Unterstützer verteilt. Aber vor allem wurden auf Sportveranstaltungen Signaturen gesammelt, beim Sechstagerennen im Velodrom, in der O2 World bei verschiedenen Events. Natürlich auch beim Feuerwerk der Turnkunst und der Endrunde um die Hallenhockey-Meisterschaften in der Schmeling-Halle. Die Crew um Stiebitz präsentierte ihre Herzensangelegenheit genauso im Europa-Center, in Einkaufszentren der Stadt. Unterwegs war sie mit einem alten VW-Bus, der extra "gebrandet" wurde mit dem Logo der Olympia-Befürworter. Sie trauten sich sogar auf einen Markt in Kreuzberg, "wo wir uns", so Stiebitz, "blutige Nasen geholt haben". Zum Glück nur im übertragenen Sinne – dort gab es in der Tat viele olympia-kritische Stimmen. Aber es wurde miteinander gesprochen.

Kampagne aus eigener Tasche bezahlt

Den Steuerzahler kostet die gesamte Aktion übrigens nichts: Stiebitz, Chef einer Marketing-Agentur, bezahlt sie aus eigener Tasche, "im dicken fünfstelligen Bereich", wie er sagte. Von einer "tollen Initiative" sprach Klaus Böger, Präsident des Landessportbundes Berlin (LSB). "Stiebitz und Kunze haben Sensationelles geschafft", ergänzte Herbert Dierker, Abteilungsleiter in der Senatsverwaltung für Inneres und Sport, und gab zu: "Ich wäre gern selbst auf die Idee gekommen." Die Aktion mache deutlich, dass man die Menschen in Berlin emotional für dieses Ereignis gewinnen könne. Sie wird nun am Donnerstag mit der Übergabe abgeschlossen. Mehr als 800 Schüler sollen dabei die olympischen Ringe darstellen. Zusammengehalten werden sie, daher der Name "lebendiges olympisches Band", von den Unterschriftenplakaten. Es geht auch ohne Stinkbombe.

DOSB startet Meinungsumfrage

In der kommenden Woche beginnt eine vom DOSB in Auftrag gegebene Meinungsumfrage unter Berlinern und Hamburgern zu der Olympia-Bewerbung. Der DOSB will damit klären, wie groß die Zustimmung in den beiden um die Bewerbung konkurrierenden Städten ist. Davon hängt die Entscheidung zwischen den beiden Städten zum Teil ab. Bisher ist laut einer früheren Umfrage nur etwa die Hälfte der Berliner für die milliardenteure Ausrichtung der Spiele. Der Senat steht daher unter Druck und will noch für mehr Zustimmung werben.

Senat tagt im Olympiastation

Im Zuge seiner Werbekampagne für die Olympia-Bewerbung tagt der Berliner Senat nächste Woche im Olympiastadion. Nach der regulären Sitzung am Vormittag werden der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), Alfons Hörmann, und DOSB-Generaldirektor Michael Vesper zu einem Treffen erwartet.

Bereits an diesem Mittwoch entzündet Innensenator Frank Henkel (CDU) im Olympiastadion eine Flamme, die das Olympische Feuer symbolisieren soll. Dazu sollen 500 Luftballons aufsteigen.

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