Olympia-Bewerbung

Senator Heilmann verteilt Pfannkuchen unter Polizeischutz

Foto: Sergej Glanze / Glanze

Am Rosenmontag verteilte Justizsenator Thomas Heilmann Olympia-Werbepfannkuchen in Kreuzberg - hergestellt in der Gefängnisbäckerei. Das stieß einigen Demonstranten übel auf.

Hakan Daskiran hielt die beiden Pfannkuchen mit den Olympischen Ringen im Puderzucker hoch und lächelte dazu in die Kameras. Vor ihm freute sich Justizsenator Thomas Heilmann (CDU), dass er in der Kreuzberger Marheineke-Markthalle endlich einen echten Bürger gefunden hatte, der sein Werbe-Gebäck zum Rosenmontag annehmen wollte.

Überzeugt hat die Aktion des Christdemokraten den Gemüsehändler jedoch nicht. "Ich bin eigentlich gegen Olympia", sagte der 43-Jährige, nachdem der Tross der Fotografen und Kameraleute weitergezogen ist.

Es hat schon wirksamere PR-Termine gegeben als die Aktion, bei der Thomas Heilmann am Montagmittag 300 Olympia-Werbepfannkuchen verteilen wollte. 40 Polizisten sicherten die Eingänge zur Kreuzberger Marheineke-Markthalle, überblickten die Lage von der Galerie aus und schützen recht handfest die drei Stehtische mit Werbematerial, die Mitarbeiter einer Promotionsagentur schon vor Heilmanns Ankunft aufgebaut hatten.

"Mindestlohn für Pfannkuchenbäcker"

Olympia-Gegner hatten zuvor angekündigt, Heilmann stören zu wollen. Und das nicht nur, weil sie die Spiele in der Stadt nicht wollen. Sie warfen dem Senator zudem vor, die 300 Stück Faschingsgebäck mit Mehrfruchtmarmelade seien von "Zwangsarbeitern" in der Gefängnisbäckerei von Tegel hergestellt worden. "Mindestlohn für Pfannkuchenbäcker", schrien die Demonstranten neben Slogans wie "Olympia nach Katar" oder "Ha, ho, he, Olympia in die Spree".

Heilmann hatte geahnt, dass es Stress geben würde. "Aber da darf man nicht kneifen", so der Christdemokrat. Unterdessen erklärte Lars Hoffmann, der Leiter Arbeitswesen in der Justizvollzugsanstalt Tegel, die Entlohnungslage der Häftlings-Bäcker. Acht Lehrlinge und zwei Gesellen backen regelmäßig auch für den Senat oder andere Kunden. Diesmal seien es eben Pfannkuchen mit den fünf Ringen im Zuckerüberzug gewesen, so Hoffmann. Die Lehrlinge erhielten dafür zwölf Euro am Tag, ihre Anleiter 15 Euro. Später verwies Heilmann darauf, dass ja jeder Häftling den Steuerzahler 120 Euro pro Tag kostet, da sei die Forderung nach einem Mindestlohn in der Gefängnisküche ja wohl merkwürdig.

Werbeefekt hielt sich im Rahmen

Dass die Bäcker die Olympischen Ringe in den Puderzucker kratzen, ihre Produkte an die Olympia-Kampagne des Senats verkaufen und Heilmann sie dann verteilen dürfe, daran hatte der Justizsenator keinen Zweifel. Wobei eine Werbung mit den olympischen Symbolen nicht immer einfach ist. Erst am Tag zuvor hatte der Deutsche Olympische Sportbund, der zwischen Hamburg und Berlin als deutschen Bewerberstädten entscheiden muss, die Fluglinie Air Berlin aufgefordert, das Wort Olympia von ihren Maschinen zu entfernen. In der Markthalle drohte so eine Reaktion aber wohl nicht. Das sei ja keine kommerzielle Veranstaltung, sagte Heilmann.

Aber der Werbeeffekt bei den Markt-Kunden hielt sich am Montag auch im Rahmen, weil der Raum mit Demonstranten, Polizisten und Reportern verstopft war. Zuerst drängte sich Heilmann mit einer Kiste Gebäck zu den Olympia-Gegnern durch. "Ich will die Dinger nicht, das ist peinlich und geschmacklos", rief eine Frau. An Diskussionen über Berlins Bewerbung war nicht zu denken. Ein älterer Mann griff hingegen zu. "Ich bin Tourist aus Baden-Württemberg", sagte der Herr und biss herzhaft zu.

Störer recht unsanft beiseite gedrängt

Als ein Olympiagegner hinter einem für die Fotografen posierenden Senator ein Schild hochhielt, das vor steigenden Mieten durch Olympia warnte, konnte es ein stämmiger Justizwachtmeister nicht mehr ertragen. Recht unsanft drängte er den Störer beiseite, der sich sogleich lautstark beklagte.

Angesichts des Tumultes und der eher genervten Markthändler und Besucher wünschten sich nicht wenige an diesem Mittag, sie hätten auf die Aktion verzichtet. Die Idee sei in einem Brainstorming in Heilmanns Büro entstanden, sagte seine Pressesprecherin. Das war nachdem der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) alle Senatskollegen aufgefordert hatte, auch selbst für die Berliner Bewerbung tätig zu werden. Warum es ausgerechnet in der zum Landesbetrieb Berliner Großmarkt gehörenden Markthalle stattfand, darüber gingen die Darstellungen auseinander. Es habe eine Einladung der Markthalle gegeben, sagte Heilmann. Center-Leiter Bora Özbek sprach hingegen von einer "Anfrage" des Senators. Die Leute im Kiez um die Markthalle seien wohl eher gegen Olympia, so die Wahrnehmung des Marktleiters.

Doch noch Gespräch mit den Kritikern

Während Heilmann dann mit Journalisten sprach, verteilten ein paar junge Menschen mit mäßigem Erfolg die Pfannkuchen. Die Berliner-Werber von Berlin-Partner bezahlten ihren Einsatz. "Das ist ein normaler Job", sagte Anna aus dem Sauerland.

Als Heilmann dann schon gehen wollte, ergab sich doch noch ein Gespräch mit den Kritikern. Zwei junge Leute drängten sich zum Senator durch. Der junge Mann mit dem Kapuzenpulli sprach von dem Ausbau der "Repressionsorgane" und meinte, Olympische Spiele hätten doch nichts mit Sport zu tun. Heilmann mühte sich geduldig, ihm die Idee der Völkerverständigung durch die Spiele zu vermitteln. Aber immer wieder fiel der Kritiker dem Senator ins Wort. Seine Kameradin schimpfte, es sei schäbig, Menschen zwangsweise die Dinge herstellen zu lassen, mit denen "Sie sich hier darstellen können". Auch hier erklärte Heilmann ruhig die Sachlage. Die Häftlinge lernten das Bäckerhandwerk und seine keineswegs gezwungen worden. Der Frau passt das nicht. "Ich werde das Gespräch an dieser Stelle abbrechen", sagte sie pathetisch. "Trotzdem noch einen schönen Tag", wünschte Heilmann.

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