Olympia in Berlin

Berlin als Schaufenster für Deutschland

Foto: Reto Klar

UVB-Geschäftsführer Christian Amsinck setzt sich für die Olympischen Spiele in Berlin ein. Kämen die Spiele in die Hauptstadt, würden alle davon profitieren, sagt er.

Mit den Olympischen Wochen ist die heiße Phase für die erste Stufe der Olympiabewerbung angelaufen. Christian Amsinck, Hauptgeschäftsführer der Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg (UVB), glaubt, dass nicht nur die Wirtschaft von den Spielen profitieren würde.

Berliner Morgenpost: Herr Amsinck, Berlin ist weltweit sehr bekannt, lockt Touristen, junge Menschen und Investoren an. Wozu brauchen wir da die Olympischen Spiele?

Christian Amsinck: Nehmen Sie einmal die Veranstaltungen zu 25 Jahre Mauerfall im vergangenen November. Für mich war es faszinierend zu sehen, wie stark der internationale Blick da auf Berlin fiel. Das Ereignis, das in einem ganz anderen Zusammenhang stand, war beste Werbung für die Hauptstadt. Und die Olympischen Sommerspiele sind größer. Außerdem ist die Bewerbung dafür ein nationales Projekt, kein lokales. Und was liegt näher, als dass sich die deutsche Hauptstadt dafür bewirbt?

Sind die Spiele überhaupt positiv besetzt? Dem Olympischen Komitee scheint es letztlich vor allem ums Milliardengeschäft zu gehen. Berlin setzt auf nachhaltige Spiele, das alles, was gebaut, auch hinterher benutzt wird. Ein Widerspruch?

Wenn ich mir die Berichterstattung über die Spiele in London 2012 ansehe, wurde im Vorfeld auch einiges kritisiert. Und als es losging, war die Begeisterung mit Händen zu greifen. Das waren Olympische Spiele nicht nur für London, sondern für ganz Großbritannien. Wenn Berlin die Chance bekommt, sich für 2024/2028 zu bewerben, dann muss man zugreifen.

Haben sie eine Vorstellung, welche Ausgaben auf Berlin zukommen? Die Londoner Spiele kosteten nach heutigem Kurs umgerechnet 12,4 Milliarden Euro.

Für Berlin werden zwei Milliarden Euro genannt für öffentliche Investitionen in die Sportstätten. Das ist erst einmal eine Schätzung. Das wären pro Jahr etwa 250 Millionen Euro zusätzlich. Insgesamt investiert Berlin pro Jahr 1,5 Milliarden Euro – das zeigt die Relationen. Und in London musste vieles neu gebaut werden, bei uns ist das nicht nötig. Außerdem bin ich überzeugt, dass bestimmte Investitionen, die wir ohnehin machen müssen, vorgezogen würden, wenn Berlin den Zuschlag für die Spiele bekäme.

Welche zum Beispiel?

Die Stadt wächst seit Jahren, wird weiter wachsen und braucht mehr öffentliche Investitionen in die Bildungs- und Verkehrsinfrastruktur. Die Erfahrung aus vielen Jahren zeigt, dass öffentliche Investitionen private Investitionen nach sich ziehen. Und auf die kommt es an. Berlin hat die große Chance, bei den Spielen als Schaufenster für Deutschland zu werben.

Wie?

Da kommen mir zahlreiche Firmen in den Sinn, die zeigen könnten, was in Berlin und Deutschland an neuen Konzeptionen, neuen Technologien möglich ist. Wenn es um Telekommunikation geht oder Smartcity-Themen...

...etwa intelligente Stromnetze oder Verkehrslenkung...,

...sind ja Unternehmen wie Siemens und Bosch führend. Und es gibt den Bereich Logistik, da fallen mir die Deutsche Bahn und die Deutsche Post ein.

Wer würde davon profitieren?

Man müsste eher fragen: Wer würde nicht profitieren? Wenn in Sportstätten investiert wird, profitiert die gesamte Breite der Bevölkerung. Das gilt auch für Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur. Und wenn es uns gelingt, im Zuge der Olympiabewerbung auch zusätzliche Firmen nach Berlin zu bekommen, gäbe es langfristig neue Arbeitsplätze und höhere Steuereinnahmen.

1972 gab es in München auch Olympische Spiele. Die Stadt hat etwa zehn Jahre später dann einen Boom erlebt. Hannover hat zur Expo 2000 auch viel investiert, dort ist es aber eher ruhig geblieben. Welche Effekte erwarten Sie für Berlin?

Olympische Spiele sind eine ganz andere Größenordnung als eine Weltausstellung. Ich denke, dass Olympische und Paralympische Spiele und Berlin sehr gut zueinander passen. Die Stadt hat sich als internationale, weltoffene Metropole ein Renommee verschafft, Berlin ist sportbegeistert. Und wir sind im Gegensatz zu früher auch finanziell in der Lage, die Spiele auszurichten. Zumal es nicht mehr darum geht, immer größer, höher, weiter als die Vorgängerspiele zu bauen. Der Gedanke der Berliner Bewerbung ist Nachhaltigkeit, und das wird auch beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) gut ankommen. Die wollen, dass die Spiele zu einer Stadt passen und die Sportstätten auch nachher genutzt werden. Für Breitensport, für Leistungssport. Der entsprechende Sport soll auch eine Rolle im täglichen Leben spielen bis hin zum Sportunterricht.

Treiben Sie selbst Sport?

Ich spiele seit langem Tennis. Ich laufe und schwimme gerne. Darüber hinaus konsumiere ich auch gerne Sport.

Wie viele andere Berliner auch.

Ja. Für mich war da das Ergebnis der ersten Umfrage unter den Berlinern überraschend. Fast die Hälfte war demnach für die Spiele. Das ist fast schon euphorisch, weil die Bürger mitunter an viele Dinge ein wenig vorsichtig herangehen.

Auch Hamburg bewirbt sich. Unter anderem setzen sich Hamburger Wirtschaftsgrößen wie Alexander Otto ein. Wann kommen die großen Berliner Stimmen?

Zunächst einmal haben die Organisationen der Berliner Wirtschaft erklärt, dass wir die Spiele wollen. Jetzt geht es um Geschlossenheit, bis die entscheidende Umfrage kommt.

Ende Februar lässt der Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) in Hamburg und Berlin in der Bevölkerung nach der Stimmung fragen. Dann will er sich im März für eine der beiden Städte entscheiden, mit der er beim IOC ins Rennen gehen will.

Und wenn der DOSB sich für Berlin entscheidet, bin ich sicher, dass es gelingt, prominente deutsche Manager zu mobilisieren. Es gibt nicht besonders viele Konzernzentralen in Berlin, aber nahezu alle namhaften Unternehmen des Landes haben hier mindestens eine Konzernrepräsentanz. Es wird eine wichtige Aufgabe sein, mit allen ins Gespräch zu kommen. Und dann werden sich auch große Firmen für die Hauptstadt-Bewerbung engagieren. Natürlich ist jetzt erst einmal das Entscheidende, dass auch die Bevölkerung dahinter steht.

Wirbt die Politik da genug?

Das sind jetzt unsere Olympischen Wochen. Wir müssen alle Kräfte zusammennehmen, um in der kurzen Zeit bis zur Umfrage deutlich zu machen, dass dieser nationale Wettbewerb nicht im Spaziergang erledigt ist. Auch Hamburg hat eine sehr respektable Bewerbung vorgelegt. Klar ist, dass Berlin viele Alleinstellungsmerkmale hat. Etwa die Internationalität, die Weltoffenheit, das Thema wachsende Stadt. Olympia passt einfach zu einer Stadt, die im Aufbruch ist. Es gilt das, was schon da ist, clever nach vorne zu stellen. Und wir müssen pro und contra diskutieren. Bei den Contra-Argumenten wird es natürlich um das Thema Finanzen gehen. Aber auch: Können wir das?

Und?

Mit Blick auf neun Jahre Planungszeit haben wir die Möglichkeit, begeisternde Spiele hinzubekommen. Und das in einer Stadt, die nun auch wirtschaftlich einen beachtlichen Aufschwung nimmt. Nach vielen Jahren, in denen es ein paar handfeste Probleme gegeben hat.

Die UVB vertreten ja auch die Brandenburger Wirtschaft. Bleibt auch dort etwas hängen oder darf das Land nur zuschauen?

Es ist ja geplant, Brandenburg einzubinden. Fürs Rudern zum Beispiel gibt es eine schöne Strecke in der Stadt Brandenburg. Reiten und Dressur kann man sich in Potsdam vorstellen. Die Bewerbung könnte etwas Gutes tun, im Verhältnis von Berlin und Brandenburg. Es wäre schon schön, wenn beide Länder wieder mehr zusammenrücken würden. Möglicherweise wird auch Mecklenburg-Vorpommern eingebunden, etwa wegen der Segelwettbewerbe. Wir haben da übrigens vorhin noch etwas vergessen.

Was?

Wenn Sie sich ansehen, wie viele Menschen zum Beispiel die Eröffnungsfeier der Spiele 2012 in London im Fernsehen gesehen haben: Fünf Milliarden weltweit. Das bringt einen Werbeeffekt, den man gar nicht hoch genug einschätzen kann. Wir erwarten ja nächstes Jahr schon 30 Millionen Übernachtungen. Sollte Berlin den Zuschlag für die Olympischen Spiele bekommen, denke ich, dass da noch deutlich mehr drin ist. Wir liegen als Touristenziel auf Platz 3 in Europa, mit einer erfolgreichen Bewerbung kann Berlin wirklich aufschließen zu Paris und London. Auch wenn die heute noch ein Stück von uns entfernt sind.

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