9. November in Berlin
31 Staatschefs kommen zum Mauerfall-Jubiläum
Montag, 9. November 2009 13:19 - Von Joachim Fahrun20 Jahre nach dem Fall der Berliner Mauer werden wieder die Völker der Welt auf diese Stadt schauen. Denn das Jubiläum wird ein politisches Mega-Ereignis und ein Volksfest der Superlative. 31 Staats- und Regierungschefs werden erwartet - nie waren so viele Spitzenpolitiker hier. Am Brandenburger Tor werden Zehntausende das "Fest der Freiheit" feiern.
Die Bilder werden um die Welt gehen. Um 20 Uhr am Montag stößt Polens
Ex-Gewerkschaftsführer und Präsident Lech Walesa den ersten Mauerstein um.
Wenige Minuten später bringt EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso und
EU-Parlamentspräsident Jerzy Buzek das trennende Bauwerk im Herzen Berlins
von der anderen Seite her zu Fall. Die bunten Dominosteine purzeln, so wie
auf den Tag genau vor 20 Jahren die Berliner Mauer zerbröselte, die Teilung
Deutschlands ein Ende hatte, der Kalte Krieg Vergangenheit war.
Berlin rüstet sich an diesem Wochenende für ein "Weltereignis",
wie Senatssprecher Richard Meng die Feierlichkeiten zum 20. Jahrestag des
Mauerfalls nennt. Niemals seit der Wiedervereinigung gaben sich mehr
Staatsmänner und -frauen an einem Tag in Deutschlands Hauptstadt die Ehre
als am kommenden Montag.
31 aktive und ehemalige Staats- und Regierungschefs werden erwartet. Die Gäste zu betreuen und zu bewachen, sei "außerordentlich kompliziert", heißt es aus der Senatskanzlei.
Die Präsidentensuiten werden knapp
In den Berliner Luxushotels werden die Präsidentensuiten knapp. Zumal auch zahlreiche andere wichtige Persönlichkeiten der Stadt ihre Aufwartung machen. Von den 27 EU-Staaten schicken 26 ihre höchsten Würdenträger zum "Fest der Freiheit" nach Berlin. Nur Zypern fehlt. Kanzlerin Angela Merkel kann das im Anschluss geplante Abendessen mit den Kollegen im Bundeskanzleramt gleich nutzen, um die Besetzung der wichtigsten neuen EU-Posten zu klären.
Neben den Europäern werden Russlands Ministerpräsident Dimitri Medwedjew und US-Außenministerin Hillary Clinton als Vertreter der wichtigsten Siegermächte des Zweiten Weltkrieges dabei sein.
Berliner sollen an Feier teilnehmen können
Weil ab Dienstag auch noch der Weltgipfel der bisherigen Friedensnobelpreisträger im Roten Rathaus stattfindet, sind zudem der frühere sowjetische Staats- und Parteichef Michail Gorbatschow, der Südafrikaner Frederik de Klerk, Polens Lech Walesa und der Entwicklungshilfe-Banker Muhammad Yunus ebenso in der Stadt wie Bürgermeister aus einigen Partnerstädten Berlins.
Die Berliner müssen sich an jenem 9. November nur entscheiden, ob sie sich von Osten oder vom Westen der ehemaligen Mauer nähern wollen. Denn wie während der Jahre 1961 bis 1989 wird es nicht möglich sein, einen Teil der ehemaligen Demarkationslinie im Zentrum der Stadt an diesem Wochenende zu überqueren. Das ist Teil der Inszenierung der "Domino Galerie", die auch das Gefühl der Teilung für die Nachgeborenen lebendig machen will.
Eine Mauer aus Dominosteinen
Die bunte Mauer aus 1000 zweieinhalb Meter hohen Dominosteinen wird Berlin jedoch nur auf den 1,5 Kilometern zwischen Potsdamer Platz und Reichstag zerschneiden. Die von 15.000 Jugendlichen bemalten Steine werden schon am Wochenende vor dem Fest der Freiheit am 9. November zu sehen sein. Offiziell eröffnet wird die Domino Galerie am Sonnabend, 7. November, um 15.30 Uhr am Reichstagsgebäude.Der Gedenktag selbst beginnt am Montag um 10 Uhr mit der Kranzniederlegung des Berliner Senats an der Mauer-Gedenkstätte Bernauer Straße. Mittags geben die Friedensnobelpreisträger Gorbatschow und Yunus eine Pressekonferenz im Roten Rathaus.
Um 15 Uhr schreitet Angela Merkel gemeinsam mit Michail Gorbatschow, Lech Walesa und 200 ausgewählten Bürgerrechtlern über die Bornholmer Brücke, wo in der Nacht des 9. November der erste Grenzübergang öffnete. Das normale Volk kommt hier nicht wirklich nah an das Geschehen heran.
Mit dem Fall der letzten Dominosteine Feuerwerk
Auch am Abend beim Fest der Freiheit rund ums Brandenburger Tor wird es eine Sicherheitszone für die Staatsgäste und Prominenten geben, die sich ab 17.30 Uhr im Schloss Bellevue versammeln. Ab 19 Uhr werden sie auf dem Pariser Platz der Staatskapelle unter Daniel Barenboim lauschen.
Aber die Bürger, die sich für die Ostseite der Domino-Mauer entschieden haben, können bis auf etwa 20 Meter an die Bühne herankommen und zuhören. Wer auf der anderen Seite des Tores steht, kann die Grußbotschaften von Klaus Wowereit, Angela Merkel, Nicolas Sarkozy, Dimitri Medwedjew, Gordon Brown und Hillary Clinton aber auch auf den längs der Domino Galerie verteilten Großbildleinwänden verfolgen.
Lech Walesa wirft noch einmal die Mauer um
Hier läuft die Live-Übertragung, die das ZDF und voraussichtlich auch die ARD in Deutschlands Wohnzimmer sendet. Lech Walesa, der mit seiner Gewerkschaft Solidarnosc als Erster erfolgreich einer kommunistischen Diktatur die Stirn bot, wird das erste Stück Mauer umwerfen.
Dann sprechen im von Thomas Gottschalk moderierten Bühnenprogramm Gorbatschow und Hans-Dietrich Genscher. Musikalisch kommen fünf junge Opernsänger, der amerikanische Rockstar Jon Bon Jovi und der Berliner DJ Paul van Dyk zum Einsatz. Mit dem Fall der letzten Dominosteine bricht gegen 20.30 Uhr ein Feuerwerk los.
Das Interesse aus aller Welt an den Berliner Feierlichkeiten und an der Geschichte des Mauerfalls sei riesig, sagte Senatssprecher Meng. Vielleicht liege das gerade am Abstand von 20 Jahren. Das sei nahe genug, um noch eigene Erinnerungen zu haben, und weit genug entfernt, um aus historischer Sicht diesen Epochenwandel betrachten zu können.





























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