Vorlesetag

Deutschstunde mal anders: Palina Rojinski wirbt fürs Lesen

Prominente stellen beim Vorlesetag ihre Lieblingsbücher an Berliner Schulen vor. Palina Rojinski hatte die volle Aufmerksamkeit.

Palina Rojinski liest in der Ernst-Schering-Schule in Weeding

Palina Rojinski liest in der Ernst-Schering-Schule in Weeding

Foto: Joerg Krauthoefer

Die Rufe auf den Gängen der Ernst-Schering-Oberschule eilen Palina Rojinski bereits voraus, da hat die Moderatorin und Schauspielerin noch keinen Fuß in das Gebäude an der Lütticher Straße in Wedding gesetzt. "Wo ist die Göttin?", "Wo ist die schöne Palina?" hört man lautstark von pubertierenden Jungs. Als die 31-Jährige dann tatsächlich vor ihnen steht, klingt das schon ein wenig zurückhaltender. "Wow, Sie sind wirklich sehr hübsch", sagt einer. "Du bist also der Charmeur der Klasse, ja?", fragt sie zurück und lacht.

Um sich von Palina Rojinski etwas vorlesen zu lassen, sind rund 20 Schüler der zehnten Klasse an diesem Freitag freiwillig länger in der Schule geblieben. Seit dem Morgen haben in ganz Deutschland rund 1000 Politiker und Prominente Schulen besucht und ihm Rahmen des 13. Bundesweiten Vorlesetages ihre Lieblingsbücher vorgestellt. In Berlin waren unter anderen die ehemalige Eiskunstläuferin Katarina Witt, Moderatorin Maybritt Illner und Schauspieler Wanja Mues dabei.

Palina Rojinski hat einen Termin am frühen Nachmittag gewählt. Am Abend zuvor hat sie noch bei der Bambi-Verleihung gefeiert – "und das ging lang", wie sie sagt. Auf dem roten Teppich trug sie ein hochgeschlitztes schwarzes Kleid mit viel Glitzer. In die Schule ist sie im Kapuzenpullover und löchriger Jeans gekommen. Mitgebracht hat sie den Jugendroman "Tschick" von Wolfgang Herrndorf. Das Buch steht bei den Schülern demnächst auf dem Lehrplan, ein paar haben den Film gesehen. "Instagram ist natürlich cooler als Lesen, denn da gibt es Filter", versucht die Berlinerin eine Annäherung an ihre Zielgruppe. "Aber Lesen füllt euren Kopf mit lustigen neuen Worten – und die könnt ihr dann bei Snapchat unter eure Posts schreiben."

Damit hat sie die Aufmerksamkeit der Schüler. Als Palina Rojinski anfängt zu lesen, ist es vollkommen still. Und so hören die Zehntklässler, wie der 14-jährige Maik Klingenberg sich im Sportunterricht beim Hochsprung abmüht und von den Mädchen dennoch nicht beachtet wird, und wie eines Tages der sonderbare russische Spätaussiedler Andrej Tschichatschow neu in seine Klasse kommt. Palina Rojinski unterbricht immer wieder, um ihre Zuhörer miteinzubinden. "Kennt ihr auch solche Lehrer?", fragt sie. Oder: "Wer von euch musste auch mal seinen Namen buchstabieren?"

Viele der Schüler haben ausländische Wurzeln – so wie auch Rojinski. Sie erzählt, wie sie als Sechsjährige aus Russland nach Berlin kam, ohne ein Wort Deutsch zu können. "Auf meiner ersten Schule wurde ich gemobbt und als Ausländerdrecksschwein beschimpft", sagt sie. Wahrscheinlich ärgern sich die Kinder von damals heute darüber, weil Rojinski jetzt berühmt ist, glauben die Schüler.

Nach gut eineinhalb Stunden mit "Tschick" und einer ausführlichen Fragerunde ist der Vorlesetag beendet. Zum Schluss gibt es noch ein Gruppenbild für Rojinskis Instagram-Account. Die Schüler versprechen, das Buch zu lesen. Dafür möchten sie dann aber auch auf dem Foto vertaggt werden.

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