Sänger

Max Mutzke: "Meine Familie ist mein Universum"

„Can’t Wait Until Tonight“ brachte Max Mutzke 2004 zum ESC. Gerade ist sein neues Album erschienen

Max Mutzke Saenger Musiker

Max Mutzke Saenger Musiker

Foto: Amin Akhtar

Seine Kindheit bezeichnet er als eine Mischung aus "Pippi Langstrumpf" und "Wir Kinder aus Bullerbü" – und sich selbst als Michel aus Lönneberga. Max Mutzke ist mit fünf Geschwistern aufgewachsen. Heute hat der 35-Jährige, der gerade das Album "Experience" mit der NDR-Radiophilharmonie veröffentlicht hat, gerüchteweise selbst vier Kinder. Über die genaue Zahl möchte er nicht sprechen. Dafür aber über den Traum von einer Weltreise mit seiner Familie, seine schwierige Schulzeit und das Karrieretief nach dem Gewinn von Stefan Raabs Castingshow "SSDSGPS" im Jahr 2004.

Sie bezeichnen Ihr Elternhaus als Villa Kunterbunt.

Max Mutzke: Meine Eltern waren unheimlich locker. Mein Vater hatte einen Proberaum bei uns im Haus, dort probte er nicht nur mit seiner eigenen Band. Alle drei Tage kamen andere Musiker, und es war Livemusik zu hören. Als Kind durfte ich immer dabei sein und zugucken, später mit unseren Bands dort auch Musik machen.

Und Ihr 200-Seelen-Dorf im Schwarzwald war Bullerbü?

Ja, das ist ein sehr flexibles Dorf. Die Nachbarn haben einfach die Fenster aufgemacht, Bier getrunken und abends der Musik gelauscht. Wir konnten uns dort total entfalten. Mit zwölf Jahren mit den abgemeldeten Mopeds ohne Helm durch das Dorf heizen oder beim Nachbarn Traktor fahren.

Sie waren wohl ein sehr wilder Junge?

Bis zum 18. Lebensjahr bin ich jede Woche einmal aus dem Unterricht geflogen. War aber immer Klassensprecher, Schulsprecher und der absolute Clown. Die Lehrer haben den Rauswurf aber eher mit einem Lachen gemacht, nach dem Motto: "Mensch Max, lass uns mal bitte Zeit zum Konzentrieren, geh ein Eis essen und komm später wieder." Ich bin dann aber später ganz aus der Schule geflogen.

Warum?

Ich konnte nicht still sitzen. Ich bin froh, dass meine Eltern so reflektierte Leute waren, dass sie mir kein Ritalin gegeben haben. Mein Vater ist Gynäkologe und hat immer gesagt: "Man darf das Wesen von so einem kleinen, durchgedrehten Zappelphilipp nicht verändern." Darüber bin ich heilfroh, denn wenn ich die Energie nicht hätte, könnte ich meinen Beruf nicht mit dieser Inbrunst machen.

Haben Sie nach dem Eurovision Song Contest 2004 damit gerechnet, dass so eine Musikkarriere kommen würde?

Nein, gar nicht. Ich dachte, das würde nur ein bis zwei Jahre nach dem Song Contest weitergehen. Und wenn der Hype vorbei war, wollte ich mich frei entscheiden können, ob ich Schreiner, Arzt oder Musiker werden will. Deshalb habe ich erstmal mein Abitur nachgeholt. Stefan Raab hat mich da voll unterstützt. 24 Stunden nach dem Auftritt habe ich kein einziges Interview mehr gegeben, sondern mein Abi gemacht, danach das Album aufgenommen. Ich war acht Monate weg. Dann ist das Album sofort auf Platz eins gegangen, aber danach wurde es schwierig.

Inwiefern?

Ich hatte zwar einen Namen, doch auch das Label "Castingprodukt" und "Eurovision Song Contest". Durch meine musikalische Prägung konnte ich das innerhalb von ein paar Jahren wettmachen. Bei Musikgrößen wie Klaus Doldinger, Orchestern und Jazz-Chören reifte nach und nach die Erkenntnis: Bei dem ist echt was dahinter. Die haben mich also eingeladen, und auf jeden Job gab es Folgejobs.

Was machen Sie zur Erholung?

Ich bin seit drei Jahren super viel unterwegs. Wenn ich mal zwei Wochen am Stück zu Hause bin, schraube ich sieben Tage davon an einem alten Steyr-12M18-Bus aus dem österreichischen Militärbestand.

Soll der Bus das Urlaubsmobil der Familie Mutzke werden?

Absolut. Eigentlich ist der Traum, eine Weltreise zu machen. Wir haben schon ein Wohnmobil, man kann also mit den Jungs spontan Snowboarden gehen oder Familienfeste besuchen und braucht kein Hotel. Die Kinder sitzen am Tisch und kneten oder malen. Oder man hält an einer Wiese, bruncht und lauscht einem Hörbuch.

Was sind Sie für ein Vater? Geht es bei Ihnen ähnlich locker zu wie bei Ihren Eltern?

Voll. Wir wohnen noch immer im Schwarzwald, zwar nicht in dem Ort, aber in der Kreisstadt nebenan. Die Freunde der Kinder wollen immer zu uns. In so einem Haus sind wir aufgewachsen, und das will ich auch. Keinerlei Spießertum!

Wie schaffen Ihre Kinder die langen Trennungen von Ihnen?

Das ist ein krasses Thema, das wird auch immer schwieriger, weil mein Terminplan so voll ist. Wenn ich zu Hause bin, dann mache ich nichts anderes als mit ihnen zu sein. Dann gehe ich wandern mit ihnen, bringe sie zu ihren Terminen und bin nur für sie da.

Ist Ihr Nachwuchs auch so energiegeladen wie Sie?

Die habe ich schon ganz gut geprägt. Meine Familie ist eine Übergröße, die steht über meinem Job, meiner Karriere und dem Rumreisen, das ist das Universum, in dem alles stattfindet. Alles andere macht nur Spaß, weil es die Familie gibt.

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