Eiskunstläuferin

Katarina Witt: "Ich mache nur noch Wohlfühlsport"

Mit „Disney on Ice“ will Katarina Witt Kinder für Eiskunstlauf begeistern. Sie selbst geht mittlerweile lieber Walken im Tiergarten.

Katharina Witt PR Foto Holiday on Ice

Foto: Gunnar Geller

Katharina Witt PR Foto Holiday on Ice

Katarina Witt sitzt auf einem grünen Gymnastikball und hüpft leicht auf und ab. Sie habe Rückenschmerzen, entschuldigt sich die ehemalige Eiskunstläuferin. Dabei versuche sie noch immer, sich mit Walken fit zu halten. Auf dem Eis stand die 50-Jährige seit Jahren nicht. Lieber möchte sie als Markenbotschafterin von "Disney on Ice" (bis zum 28. Februar mehrmals täglich im Velodrom) den Nachwuchs für ihre Sportart begeistern. Ein Gespräch über Selfies im Alltag, sportlichen Ehrgeiz und ihre Wahlheimat Berlin.


Berliner
Morgenpost: Bei der Präsentation ihres Buches "So viel Leben" ist mir aufgefallen, dass viele Fans Sie ganz selbstverständlich duzen und "Kati" nennen. Stört Sie das?

Katarina Witt: Das hängt mit dem Sport zusammen. Die Leute kennen einen, seitdem man ganz jung ist. Ich war sehr früh im Leben der anderen. Und sie waren damals auch jung und sind mit mir erwachsen geworden. Mit 50 ist es schon komisch, wie eine Teenagerin geduzt zu werden. Mir ist das schon vor 20 Jahren aufgefallen, dass ich von Fremden schnell mal einen Klaps auf die Schulter bekomme, ganz kumpelmäßig. Auf der anderen Seite ist das auch etwas sehr Schönes, weil man bei den Menschen ganz lange präsent ist und fast ein Teil der Familiengeschichte wurde.

Wie funktioniert das im Alltag? Sie legen doch sehr viel Wert darauf, dass Ihr Privatleben privat bleibt.

Die meisten Fans wahren doch eine gewisse Distanz. Bei Selfies wird es schon mal ein bisschen gemütlicher und vieles mache ich auch mit. Ich glaube, ich habe für mich einen ganz guten Mittelweg gefunden. Ich finde es schön, wenn Menschen mich ansprechen, das ist Teil meines Jobs. Trotzdem lebe ich mein Recht auf Privatsphäre, ich kann ja auch "Nein" sagen. In Berlin ist das überhaupt kein Problem, da bin ich einfach Teil dieser bunten Stadt.

Sind Sie denn von den Westdeutschen auch adoptiert worden oder sind Ihre Fans meist aus der ehemaligen DDR?

Bei Menschen aus der ehemaligen DDR bin ich gefühlt schon noch mehr Volkseigentum. Trotzdem hatte ich schon damals Fans in ganz Deutschland. Schon deshalb, weil ich nicht so aussah, wie man sich in der BRD den Osten vorstellte. Durch den Sport war ich immer ein bisschen emotionaler und glamouröser. Eiskunstlauf ist eben ein Ausdrucksport. Es ist nicht wie beim Schwimmen, wo man abtaucht und es dann einfach nur anstrengend und schnell ist. Auf dem Eis muss man immer lächeln. Steffi und Boris waren natürlich mehr westdeutsches Volkseigentum. Und mittlerweile sind wir alle gesamtdeutsch angekommen.

Entspricht das Everybody's-Darling-Image einfach Ihrer Persönlichkeit oder war das damals eine bewusst inszenierte Marketingkampagne für die DDR?

Das entspricht schon meiner Persönlichkeit. Aber eigentlich habe ich mir darüber gar keinen Kopf gemacht, wie ich ankomme. Ich denke, ich bin heute noch ein Stück lockerer als damals, weil das ein ganz anderer Druck war. Die Wettkämpfe waren schon ein Ausdruck der politischen Systeme. Wenn ich im Ausland war, wusste ich, dass ich unter Beobachtung stehe. Trotzdem habe ich mir meine Freiheiten unbewusst genommen, weil ich einfach so war wie ich war. Für die DDR wurde ich weltweit sicher ein Marketinginstrument. Ende der 80er-Jahre galt ich durch den Sport wohl für viele als das bekannteste Gesicht der DDR.

Sie wohnen seit ein paar Jahren in Berlin. Was sind Ihre Orte in der Stadt?

Ich finde die Museumsinsel sehr spannend, hier ist so viel passiert. Und wenn man das Schloss sieht, schaut man auch in die Zukunft. Obwohl ich natürlich auch zu denen gehöre, die nicht verstanden haben, warum man den Palast der Republik abreißen musste. Das war ja auch ein Teil unserer Geschichte. Aber jetzt ist es auch gut, man muss sich von Sachen verabschieden und mit den neuen Dingen anfreunden, die eh passieren. Im Tiergarten gehe ich walken. Am Wochenende war ich am Schloss Charlottenburg und habe wieder gemerkt, dass ich vieles immer noch gar nicht kenne. Ich bin ja eine Zugezogene, auch wenn ich in Staaken geboren wurde. Ein emotionaler Erinnerungsort ist Hohenschönhausen, wo die Eishalle war. Den Kudamm finde ich total spannend, das war aus der Ferne die glamouröse Meile. Als ich nach der Wende zum Shoppen dort war, ist mir sofort das Portemonnaie geklaut worden (lacht). Ich freue mich, dass der Glanz jetzt wieder dorthin zurückkommt.

Machen Sie denn bis auf das Walken noch viel Sport?

Ich versuche schon, mich zu bewegen. Natürlich ist es nicht mehr so viel, wie es einmal war. Ich würde gerne ein bisschen mehr machen, aber ich habe ein bisschen Rücken. Das gehört einfach zu mir, Kopf und Körper gehören zusammen. Ich muss schon meinen Schweinehund überwinden, aber am Ende fühle ich mich immer wohler und dann schmecken auch die Nudeln wieder besser.

Der sportliche Ehrgeiz packt Sie nicht noch manchmal?

Der ist komplett weg. Es können alle an mir vorbeirennen, das macht mir überhaupt nichts aus. Ich mache Wohlfühlsport, ich glaube, das kann ich mir nach all den Jahren erlauben.

Woran merken Sie denn heute noch die Leistungssportlerin in sich?

Die Disziplin ist geblieben. Obwohl ich heute auch mal ein paar Minuten zu spät kommen kann, da bin ich ein bisschen entspannter geworden. Der Sport gibt einem viel für das ganze Leben mit. Sich Ziele stecken, nicht so schnell aufgeben, mit Niederlagen umgehen.

Sie betonen immer wieder, dass Sie heute, einfach nur zum Spaß, nicht mehr aufs Eis gehen würden …

Natürlich hat mir das Training auch Spaß gemacht, aber am Ende war es nur ein Mittel, um am Ende fit für die Shows zu sein. Für mich waren die Auftritte immer das, warum ich das Eislaufen geliebt habe. Das Licht, die Kostüme, die Atmosphäre in der Halle. Das war das, was ich wollte und wofür ich mich im Training gequält habe. Aber wenn das nicht das Ziel ist, dann ist auch der Weg dorthin versperrt. Auf der anderen Seite wäre es ein super Fitnesstraining. Vielleicht fange ich doch wieder damit an. Es ist ein super Training für die Oberschenkel und den Po.. Aber die Luft im Tiergarten ist besser als in der Eishalle.

Sie sind heute Markenbotschafterin für "Disney on Ice". Was gefällt Ihnen denn heute an Ihrem Job?

Es ist die Leidenschaft für den Sport. Ich sehe es mit einer Träne im Auge, dass die Popularität dieser wunderschönen Sportart so gesunken ist. Auch, weil wir keine großen Idole mehr haben. Ich sehe es als Chance, dass wenn Kinder in die Disney Show kommen, sie danach zu ihren Eltern sagen, sie möchten Schlittschuhlaufen lernen. Und ich liebe das Showbusiness an sich und das ist einfach sehr fantasievoll umgesetzt. Langfristig ist es schon ein Ziel, auch wieder selbst eine Show zu gestalten. Aber ich kann immer nur auf einer Hochzeit tanzen.

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