Schauspielerin Wie sich Inka Friedrich für die Charité engagiert

Im Restaurant Nola’s an der Veteranenstraße in Mitte  erzählt Schauspielerin Inka Friedrich, wieso Babylotsen so wichtig sind

Foto: Amin Akhtar

Im Restaurant Nola’s an der Veteranenstraße in Mitte erzählt Schauspielerin Inka Friedrich, wieso Babylotsen so wichtig sind

Mit „Sommer vorm Balkon“ wurde Inka Friedrich bekannt. Nebenbei engagiert sich die Schauspielerin für das „Babylotsen“-Projekt der Charité.

Ihren Durchbruch auf der Leinwand feierte Inka Friedrich 2005 in Andreas Dresens Berlin-Film "Sommer vorm Balkon". Zuletzt war die an der Universität der Künste ausgebildete Schauspielerin vor allem in Fernsehfilmen und Episodenrollen zu sehen. Nebenbei engagiert sich die 50-Jährige, die mit ihrem Mann und den zwei gemeinsamen Söhnen in Berlin lebt, für die "Babylotsen" der Charité. Im Gespräch erzählt sie von ihrem Herzensprojekt.

Berliner Morgenpost: Was machen die Babylotsen?

Inka Friedrich: Das sind ausgebildete Sozialarbeiterinnen, die, falls der Verdacht einer Überforderung vorliegt, in den drei Charité-Krankenhäusern frischgebackene Mütter besuchen und ein Gespräch anbieten. Hebammen haben in der Regal dafür keine Zeit und auch die Ärzte sind dafür zu beschäftigt.

Mit welchem Ziel?

Die Babylotsin findet dabei heraus, ob die Mutter Hilfe braucht. Das kann bei der Bürokratie sein, denn viele Leute – gebildet oder nicht – haben derzeit Fragen zum Elterngeld Plus oder zu der Steuernummer.

Was begeistert Sie an diesem Projekt?

Jedes Baby hat ein Recht auf einen guten Start. Dafür können die Babylotsinnen sorgen. Und es kostet ein Krankenhaus, eine Stadt oder ein Land letztlich nicht viel. Ich war mit meinem älteren Kind einmal im Virchow-Krankenhaus mit einem akuten Blindarmproblem und einer Komplikation, so dass er zweimal operiert werden musste. Daher weiß ich, wie ausgeliefert man sich als Eltern fühlen kann und wie dankbar man für Hilfe ist; für ein offenes Ohr und jemanden, dem man vertrauen kann.

Sie sind Mutter von zwei Kindern, hätten Sie einen Babylotsen benötigt?

Ich habe im Westend entbunden und wir waren als Paar sehr gut aufgestellt, hatten Unterstützung von den Großeltern und der Hebamme. Wir hätten eine Babylotsin nicht gebraucht. Aber natürlich weiß ich, wie schnell man mit Kind überfordert ist. Da muss nur der Job oder der Mann weg sein oder man wird krank und dann ist man auf diese Art von Hilfe angewiesen.

Wann werden die Babylotsen aktiv?

Bei Kindbettdepression oder Überforderung, benötigter Familienbetreuung oder anderer Unterstützung. Die Familien sollen gestärkt werden, so dass sie es schaffen.

Hilft sie auch bei Drogen- und Entzugsproblemen oder häuslicher Gewalt?

Dafür sind sie nicht zuständig, da wird der Sozialdienst eingeschaltet. Aber generell möchte ich sagen, dass die Hilfe der Babylotsen von jeder Schicht in Anspruch genommen wird. Eine Akademikerfamilie, die sich auf ihr Wunschkind freut und dann ist es ein Schreikind. Da ist man schnell mit den Nerven fertig. Das Telefon vom Schreikind-Notdienst ist auch immer besetzt und das Schreien scheuert die Nerven durch. Da knallt auch ein Akademiker sein Baby vielleicht zu heftig auf den Wickeltisch.

Sie haben die Babylotsin Nurina Nazmy für die rbb-Reportage "Babylotsen im Einsatz" (23. Januar, 18.32 Uhr) begleitet. Haben Sie einen Lieblingsfall?

Nurina hat von einem Fall erzählt, wo eine Mutter ihr Baby nach der Geburt nicht angesehen hat. Die Frau war frisch getrennt und wollte es gleich zur Adoption freigeben. Dann wurde sie reingeschickt, um herauszufinden, wie man helfen könnte. Schließlich hat der Vater gesagt, er zieht das Kind groß. Das war dann der erste Mann, mit dem die Hebammen im Stillzimmer saßen und ihm beibrachten, Fläschchen zu geben. Drei Jahre später ist das Paar übrigens wieder zusammengekommen.

Eine starke Geschichte.

Was ich an dem Projekt gut finde, ist, dass es eine präventive Arbeit ist. Es geht um das Kindeswohl und um Vorbeugung, bevor das Kind in den Brunnen gefallen ist. Bevor geschüttelt, geschlagen oder vernachlässigt wird. Dass man diese Fälle vermeiden und den Babys viel Leid ersparen kann.

Warum hat nicht jede Geburtsklinik Babylotsen?

Das weiß ich auch nicht! Es muss doch jedem klar sein, wie viel das bringt. Um drei Lotsinnen in den drei Charité-Krankenhäusern zu unterstützten, braucht es gerade mal 140.000 Euro, das sind 28 Euro pro Mutter. Dennoch gibt es keine fixen Stellen, die Lotsinnen bekommen immer nur Verträge für drei Monate – je nachdem, ob Spenden da sind oder nicht. Das ist doch ein Irrsinn. Wir versemmeln Unsummen in einem Flughafen, und so eine sinnvolle Tätigkeit kann sich ein reiches Land wie Deutschland nicht leisten? Daher braucht es private Spenden. Und jeder Cent hilft.

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