Schauspieler

Rick Okon - Zwischen Berlin, Budapest und Bachelorarbeit

Neben seinem Schauspielstudium in Babelsberg ist Rick Okon seit zehn Jahren erfolgreich im Filmgeschäft und dreht gerade seine erste internationale Produktion.

Foto: Massimo Rodari

"Nö, das ist kein Stress für mich gewesen, immerhin war ich vor dem Termin eine halbe Stunde lang zu Hause", sagt Rick Okon und grinst. "Und nachher hole ich meine Bachelorarbeit von der Druckerei ab, die ich auf den Flug fertig geschrieben habe. Eigentlich ist heute ein ziemlich guter Tag."

Der junge Schauspieler wirkt entspannt an diesem Nachmittag, obwohl er in den vergangenen Tagen mehrere Nachtdrehs in Istanbul absolviert hat und erst an diesem Tag, zwei später als gedacht, nach Berlin zurückgekehrt ist. Übermorgen soll es dann wieder ins Ausland gehen. In Budapest steht er für die kanadische Produktion "Camp X" vor der Kamera. Deshalb hat seine Wahl für den Ort des Interviews einen recht banalen Grund: "Ich wohn' hier direkt um die Ecke", sagt er und lacht. "Und ich wollte einfach Zeit sparen."

Erst 25 Jahre alt und doch schon seit über zehn Jahren gut im Geschäft: Aktuell ist Rick Okon, den wir zum Gespräch im "Café am Engelbecken" in Kreuzberg treffen, in "Ein Geschenk der Götter", unter anderen neben Katharina Marie Schubert, Paul Faßnacht und Eva Löbau, im Kino zu sehen. Ein Film, in dem eine Schauspielerin ihren Job verliert und als Übergangsmaßnahme eine Theatergruppe leitet, die Arbeitslosen wieder in den Job verhelfen soll. Okon spielt einen von ihnen.

Auch in der Realität hatte der Jungschauspieler sich zu Beginn seiner Karriere die Frage gestellt, wie sicher der Job des Schauspielers sein würde – war es doch eigentlich sein großer Wunsch gewesen, Polizist zu werden. "Zufällig war ich noch während der Schulzeit über eine Freundin mit der Schauspielerei in Kontakt gekommen", erzählt Okon. Die Freundin verlor die Lust. Doch Rick Okon hatte seine Profession gefunden. "Meine Mutter unterstütze mich – und ich hatte mir vorgenommen, mich nur an einer einzigen Schauspielschule zu bewerben. Und wenn's dann funktioniert, dann sollte das ein Zeichen sein", erzählt der junge Mann, der aktuell sein Studium an der Filmuniversität Babelsberg absolviert und kurz vor seinem Abschluss steht. Die letzten Seiten seiner Arbeit habe er auf dem Flug nach Istanbul geschrieben, die letzten Korrekturen nach Drehschluss eingefügt. "Das ist meine erste wissenschaftliche Arbeit. Gar nicht so einfach mit den ganzen Fußnoten und Formatierungen", erzählt Rick Okon. "Aber es hat Spaß gebracht. Ich habe nichts dagegen, ab und zu am Schreibtisch zu sitzen." "Autismus im Film" lautet das Thema seiner Abschlussarbeit. Sinnvoll gewählt, immerhin hatte er sich damit bereits für seine Rolle in der Sozialkomödie "Ein Schnitzel für alle", die vergangene Woche mit dem Deutschen Comedy Preis ausgezeichnet wurde, auseinandersetzen müssen. "Ich habe aber schon so viel anderes gespielt: den Nachbarsjungen, den Kleinkriminellen, das transsexuelle Mädchen, das ein Junge werden will", erklärt er. "Ich bin froh, dass ich nicht in einer Schublade gelandet bin – und mich die Caster immer für die gleichen Charaktere besetzen wollen." Seine erste Rolle übernahm er 2008 im letzten Hamburger "Tatort" mit Robert Atzorn.

Den Kleinkriminellen spielt Okon aktuell neben Erol Sander in "Mordkomission Istanbul" und freut sich, auch diesmal wieder einige Stunts selbst drehen zu dürfen. "Bei einer nächtlichen Verfolgungsjagd wird meine Figur von einem Auto angefahren. Natürlich gibt es auch eine Variante von einem professionellen Stuntman, aber ich hoffe, sie nehmen die Version, in der ich den Stunt mache", sagt Okon.

Eine Herausforderung ist für ihn auch seine erste internationale Produktion in Budapest, die zur Zeit des Zweiten Weltkriegs spielt. "Ein kleiner deutscher Akzent ist bei dieser Rolle überhaupt nicht schlimm, denn ich spiele einen deutschen Offizier", erzählt er. "Viel cooler war, dass mich Kollegen gefragt haben, ob ich mit ihnen die Aussprache von deutschen Sätzen üben könnte."

Tragischerweise würde seine Rolle in der einen Episode der kanadischen Serie sterben, sodass "eine Rückkehr in die Serie dementsprechend leider nicht möglich ist", sagt Rick Okon. "Aber ich habe überhaupt nicht damit gerechnet, dass ich die Rolle überhaupt bekomme."

An diesem Nachmittag heißt es erst einmal hoffen, dass die Bachelorarbeit rechtzeitig gebunden und gedruckt ist. "Und dann aufs Sofa, ein bisschen Serien gucken – bis es dann ja auch bald wieder Zeit zum Koffer packen ist."

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