Prominente

Der Traum von der langen Familientafel

Giovanna Stefanel-Stoffel (55) schiebt im Kreuzberger Restaurant "Sale e Tabacchi" die Portion Spaghetti mit Tomaten und Garnelen, die sie bestellt hat, beherzt in die Mitte des Tisches. "Essen Sie doch ein paar Nudeln mit", sagt sie.

Die Italienerin ordert beim Kellner einen weiteren Teller, dann teilt sie die Nudeln persönlich auf. Seit fünf Jahren lebt Giovanna Stefanel-Stoffel in Berlin in einer Wohnung mit Blick auf den Boulevard Unter den Linden. In der deutschen Hauptstadt wurde sie als Protagonistin der Baubranche bekannt. Gemeinsam mit Ehemann Ludwig Maximilian Stoffel (63) steht Giovanna Stefanel-Stoffel für die Luxus-Bauprojekte Tilia Living Resort am Griebnitzsee, den Marthashof in Prenzlauer Berg und das Truman-PlazaBauprojekt in Zehlendorf. 300 Millionen Euro investiert die Stofanel Investment AG in den kommenden Jahren in Berlin.

Giovanna Stefanel-Stoffel, die fließend Deutsch spricht und laut eigener Auskunft "fürchterlich schreibt", stammt aus Treviso. 1959 wurde dort das Modeunternehmen Stefanel gegründet.

Aktuell führt Giovannas Bruder die Firma, sie besitzt weiterhin Anteile und sitzt im Aufsichtsrat. Erst in der vergangenen Woche reiste Giovanna Stefanel-Stoffel für ein Stefanel-Shooting nach Paris: Dort fotografierte Mario Testino Models für die Kampagne der Frühling/Sommer-Kollektion. "Ich schätze Mario sehr", sagt Giovanna Stefanel-Stoffel. "Er ist nicht nur ein Künstler, er ist auch sehr nett, und er geht gut mit den Models um." Im "Sale e Tabacchi" wird schnell klar: Giovanna Stefanel-Stoffel ist es wichtig, zu kommunizieren und gemeinsam Zeit - zum Beispiel beim Essen - zu verbringen. Ihren heutigen Ehemann, berichtet sie, lernte sie vor zehn Jahren in Süddeutschland bei einem Seminar zum Thema "Emotionale Intelligenz" kennen. "Bei den regelmäßigen Treffen, zu denen 30 Teilnehmer kamen, ging es um Familie, Kinder und Sexualität. Es war manchmal sehr schmerzhaft, aber es hat mich sehr nah zu mir selbst gebracht."

Über ihre Kindheit sagt Giovanna Stefanel-Stoffel: "Firma und Familie, das war bei uns eins. Als ich vier Jahre alt war, hat mich meine Mutter in der Firma auf einen großen Metallbehälter gesetzt, der voll mit Strickwaren war. Ich bin mit den Mitarbeitern groß geworden. Für die bin ich bis heute die Giovanna." Nach dem Schulabschluss studierte sie einige Semester Psychologie, dann holte ihr Vater sie ins Unternehmen. "Er hat das sehr verführerisch gemacht. 'Wenn es dir nicht gefällt, kannst du wieder aufhören. Aber jetzt brauchen wir dich erst einmal hier', hat er gesagt. Ich bin geblieben."

An ihrem Ehemann bewundert sie, dass er "nicht nur ein guter Geschäftsmann, sondern auch philosophisch und esoterisch ist. Einfach nur ein Bauunternehmer hätte mich nicht einfangen können". Finanziell seien beide bereits "angekommen" gewesen, als sie sich kennenlernten. "Wir hätten auch einfach das Leben genießen können", sagt Giovanna Stefanel-Stoffel. "Aber nur die Signora zu sein, Tee zu trinken und Bridge zu spielen, das wäre wahrscheinlich nicht so schön wie jetzt geworden."

Bei der Stofanel Investment AG ist Giovanna zu 50 Prozent Eigentümerin (die weiteren 50 Prozent hält ihr Mann) und als Art Direktorin für die Ästhetik der Bauprojekte verantwortlich. Eigene Kinder haben die beiden nicht. Trotzdem werden sie "Mama" und "Papa" genannt. Über eine Stiftung, die Bauunternehmer Stoffel gründete, kümmert sich das Ehepaar um Frauen und Straßenkinder in Nepal. "Wir haben ein schönes Haus in Kathmandu gekauft, in dem 30 Kinder wohnen. Für die Frauen gibt es eine Nähschule, in der sie lernen und wohnen. Ziel ist es, dass sie sich eine eigene Nähmaschine kaufen können." In der Berliner Gesellschaft kursieren bereits bunte, mit einem Blumenmuster bedruckte Stofftaschen, die in Nepal hergestellt wurden.

Zusätzlich befindet sich eine Firma des Ehepaars in Gründung, die unter anderem Pashminas herstellen soll. Der gesamte Erlös soll dem Straßenkinder-Projekt zugute kommen. "Es ist das schönste Geschenk, das mein Mann mir machen konnte. Jedes Jahr besuchen uns zwei der Kinder in Berlin. Und mindestens dreimal im Jahr fliegen wir hin. Mein Mann hat immer von einer langen Tafel geträumt, an der eine große Familie sitzt. Wenn wir dort sind, dann essen alle gemeinsam. Man versucht wohl, immer das weiterzugeben, was man von seinen eigenen Eltern nicht bekommen hat."

"Firma und Familie, das war bei uns eins" Giovanna Stefanel-Stoffel

Zur Startseite
© Berliner Morgenpost 2017 – Alle Rechte vorbehalten.