Urlaub im Unruhestaat
Libyen, Ägpyten und Tunesien setzen auf die ITB
Ägyptens Weltwunder, tunesische Strände – die weltgrößte Reisemesse ITB steht auch im Zeichen der Unruhen in Nordafrika und dem Nahen Osten. Trotz Reisewarnungen sollen Urlauber die demokratische Entwicklung stärken.
Tunesien, Ägypten und nun die blutigen Auseinandersetzungen in Libyen – die Freiheitskämpfe in der arabischen Welt breiten sich aus. Die weltgrößte Reisemesse ITB beginnt am Mittwoch und öffnet am Wochenende in Berlin für das Publikum. Die Messe steht unter dem Eindruck des dramatischen Umbruchs in wichtigen Ferienregionen der arabischen Welt. Die für Ägypten und Tunesion so bedeutende Tourismusbranche leidet schwer unter dem Ausbleiben der Touristen, langsam kehren einige zurück. Und mit dem Fall der Diktaturen strömen zugleich Flüchtlinge in europäische Urlaubsziele, etwa nach Italien und Malta.
In mehreren Hallen präsentieren sich auf der ITB auch Aussteller aus Libyen. Unter den mehr als ein Dutzend Unternehmen sind Hotels, Safari-Anbieter und Autovermietungen. Sie werden es schwer haben, zu überzeugen: Das Auswärtige Amt warnt angesichts der Unruhen in Libyen vor Reisen in das nordafrikanische Land. Eingeschränkte Warnungen gelten nach den Revolutionen auch für Tunesien und Ägypten, die sich ebenfalls auf der ITB präsentieren. "Die beiden Länder gehören zu den wichtigsten Themen dieser ITB", sagte der Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, Ernst Burgbacher (FDP). Es gehe darum, den Tourismus in Ägypten und Tunesien wieder in Schwung zu bringen. "Eine Reise in diese Länder stärkt die demokratische Entwicklung.
Manche Experten sehen aber die politischen Risiken noch steigen. Ob und wo der Flächenbrand weitergehen mag – mit dieser Frage beschäftigt sich auch die Reisebranche. Zudem wächst die Sorge, dass der durch Unruhen in Ölförderländern weiter steigende Ölpreis die Reisewirtschaft belasten könnte.
Nach Tunesien und Ägypten starten inzwischen wieder die Urlaubsflieger. Hotels, Reiseführer und Ausflugsagenturen warten sehnsüchtig auf die Rückkehr der Gäste und locken mit Schnäppchenpreisen. Allein nach Ägypten reisen jedes Jahr rund 12,5 Millionen Urlauber. Der Tourismus ist für das Land einer der größten Wirtschaftszweige. Auch für die europäische Reisewirtschaft gehören Ägypten und Tunesien zu den wichtigen Zielen, vor allem im Winter.
Touristen kamen bislang immer wieder
Der Tourismusexperte von der Hochschule Harz, Karl Born, sieht es als entscheidend an, ob die Länder den Übergang zu einer neuen Ordnung friedlich hinbekommen. Dann habe Ägypten große Chancen, bereits im nächsten Jahr zu alter Stärke zurückzukehren. In Tunesien seien die Urlauber noch etwas mehr verunsichert. "Dort dürfte der Weg zur Normalität steiniger sein." Aber aller Erfahrung nach würden auch dort die Gäste zurückkommen.
Die Gefahr, dass der Funke der Freiheitsbewegung auf andere Länder am Persischen Golf und der arabischen Halbinsel überspringt und auch dort Aufruhr und Chaos verursacht, sieht Born eher als geringer an. "Das wäre sicher eine ganz neue Dimension", sagt er. Zwar gibt es bereits Demonstrationen in mehreren Ländern – aber sie sind noch weit entfernt von Exzessen wie in Libyen.
Arabische Länder wie Dubai oder auch der Oman und die Emirate stehen nach Erkenntnissen von Trendforschern bei Reisenden hoch im Kurs. Viele Veranstalter sehen dort noch Wachstumspotenzial. Die arabische Welt ist voller touristischer Highlights. Viele Sehenswürdigkeiten gehören zum Weltkulturerbe. Auch wenn es nicht überall riesige Urlauberströme, wie etwa in Ägypten gibt, sondern oft vor allem kleinere Gruppen mit Studienreisenden unterwegs sind – für viele Länder in der Region sind ihre touristischen Anziehungspunkte eine nicht zu unterschätzende Einnahmequelle.
Reiseexperten verweisen darauf, dass die Gäste immer wiedergekommen seien – sei es nach Anschlägen mit vielen Toten in Ägypten oder sei es nach den eskalierenden Protesten in islamischen Ländern, die 2006 durch die Mohammed-Karikaturen in europäischen Zeitungen ausgelöst worden waren. Damals waren westliche Botschaften und Kulturinstitute in Brand gesetzt worden, Reisen vor allem nach Libyen, Jordanien und Syrien wurden storniert. Dabei könne gerade in solchen Situationen der Tourismus Brücken schlagen und Verständnis füreinander wecken, sagte damals Studiosus-Chef Mario Kubsch.
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