Abschluss der Messe
Berlin verdient 150 Millionen an Grüner Woche
Sonntag, 24. Januar 2010 11:45 - Von Tanja LaningerZum Abschluss der Grünen Woche am heutigen Sonntag ziehen die Veranstalter eine positive Bilanz. Eine sehr positive sogar. Wieder seien mehr als 400.000 Besucher gekommen, die im Schnitt sogar noch mehr ausgaben als 2009. 42 Millionen Euro Umsatz machten auf diese Weise die Aussteller. Berlin profitierte - 150 Millionen Euro flossen durch auswärtige Besucher in die Stadt.
Die Grüne Woche trotzt der Krise. Die Besucherzahlen und die Konsumausgaben
haben in diesem Jahr das hohe Niveau des Vorjahres gehalten. "Die Grüne
Woche war ein voller Erfolg für die Aussteller, Teilnehmer und Besucher", so
lautete gestern das Fazit von Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner
(CSU). Heute Abend geht die weltgrößte Leistungsschau der Agrar- und
Ernährungswirtschaft sowie des Gartenbaus zu Ende.
Die Veranstalter rechnen bis zum Abschluss wieder mit mehr als 400.000
Besuchern, darunter 100.000 Fachbesucher. Das teilte die Messe Berlin in
einem vorläufigen Resümee mit. Gegenüber dem Vorjahr seien die
Pro-Kopf-Ausgaben der Gäste leicht um fünf auf 106 Euro gestiegen. Die
Besucher haben im Schnitt 22 Euro für Speisen und Getränke ausgegeben und
zusätzlich für 84 Euro Waren bestellt.
Auf der Messe lagen in der Publikumsgunst die Schauen rund ums Tier weit vorne. Manche Vierbeiner haben fleißig für die Grüne Woche trainiert, so wie die Pudel von Edelgard Mechsner. Hinter ihren Krauslocken-Köpfchen steckt einiges an Grips - und eine natürliche Freude am Leben. Sie fahren Skateboard, lassen Luftballons platzen, schieben Puppenwagen und springen auch durch Reifen. Zu sehen ist das Programm heute um 11.30 Uhr in Halle 1.2.a.
Die trainierten Hunde sind sieben von insgesamt 10.914 Tieren - wie Messesprecher Wolfgang Rogall exakt vermeldet -, die an zehn Tagen auf der Grünen Woche zu sehen waren.
Zusätzlich zu ihrer halbstündigen Show präsentiert Mechnser ihre Zwerg-, Klein- und Großpudel sowie einen Spitz und einen Labrador in einer kleinen Kabine. Die Ganztags-Kabuff-Show hat Methode: Ob Cavalier King Charles Spaniel, Schweizer Sennenhund oder Yorkshire Terrier - Kämmerchen an Kämmerchen reihen sich Hunde diverser Rassen aneinander, Frauchen oder Herrchen inklusive.
"Jeder zweite Besucher fragt, ob er die Hunde streicheln darf", sagt Ines Thur. Sie ist mit Maggy und Amy-Sunshine für den deutschen Teckelclub vor Ort. Ihre Antwort lautet "Ja!" - Kinder sind in dieser Ecke der Messe gut aufgehoben.
Katzenfreunde haben weniger Glück - jedenfalls, wenn sie die schnurrenden, sich selbst zumeist für Götter haltenden Vierbeiner anfassen wollten. Das geht nicht. Immerhin gibt es eine "Villa Samtpfötchen" in Halle 1.2a. Dort versteckt sich eine sibirische Katze im Blumenkasten, eine Somali-Katze macht es sich auf dem Buffet bequem, darunter liegt eine Maine Coon auf einem Korb. Das Ganze sieht aus wie ein Puppenhäuschen - bloß ohne Puppen.
Am stärksten vertreten unter den Heimtieren sind die Fische. Becken folgt auf Becken, dazwischen krabbeln Wirbellose wie Krebse umher, Kornnattern verschmelzen mit dem Geäst ihrer Terrarien und fruchtbare (nicht furchtbare!) Laubkampffische schauen starr aufs Publikum.
Fahrsport-Hallencup in der Tierhalle
Taktiles und olfaktorisches Erleben, also Streicheln und Schnuppern, ist der Glasbarriere wegen nicht möglich. Dafür lassen sich in der Tierhalle 25 Pferde und Rinder, Schafe und Schweine berühren. Dort wird heute seit 10 Uhr der Berlin-Brandenburger Fahrsport Hallencup ausgetragen.
Was fürs Gemüt sind sicherlich die Ferkel. Der Tierschutzverein Berlin stellt zusammen mit Neuland eine schwarz-weiß gefleckte Bunte Bentheimer Sau mit quiekendem Nachwuchs aus. Davor haben die Tierschützer ein Schild mit Forderungen zur Haltung aufgestellt. Das besagt: den Schweinen ihren Ringelschwanz zu lassen, ihnen Stroh auszulegen und genug Auslauf zu gönnen - und die männlichen Tiere nur unter Betäubung zu kastrieren. Etwas, was in der industriellen Massentierhaltung nicht der Fall ist, sagt Marcel Gäding vom Tierschutzverein Berlin. "Wir wollen, dass die Leute sich fragen, woher das Fleisch kommt, das sie essen - und was sie tun können, damit das Tier, das sie essen, zuvor ein glückliches Leben hatte."
Gäding hat beobachtet, dass sich immer mehr Verbraucher für Tierschutz und artgerechte Haltung interessieren. "Deshalb ist für uns die Präsenz auf der Grünen Woche auch so wichtig."
Die Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt hatte im Laufe der Woche Fotos publik gemacht, auf denen Schweine im Erlebnisbauernhof mit blutig gebissenen Ohren und zerkratzen Rücke zu sehen waren. Die Stiftung kritisiert darüber hinaus, dass die Zustände nicht der gängigen Schweinemast entsprächen, wo auf gleichem Raum sogar die doppelte Besatzungsdichte herrsche und Beschäftigungsmaterial wie Holzstämme oder Metallketten kein Standard seien. Die Stiftung klärt über die Folgen der Fleischproduktion für Umwelt, Mensch und Tier auf.
| 26% | Ja. | |
| 66% | Nein. | |
| 7% | Ich weiß es noch nicht. |
Gegenüber den artgerecht gehaltenen Neuland-Schweinen stehen Schafe, deren Verwendung am Namen abzulesen ist: Da gibt es das Schwarzköpfige Fleischschaf, das Ostfriesische Milchschaf und das Merinolandschaf.
Pferde, vorrangig Kaltblüter, sind an mehreren Punkten in Halle 25 für die Besucher zu sehen - und sie entscheiden selbst, ob sie sich streicheln lassen oder lieber an die hintere Seite der Box zurückziehen. Manche, wie der Rappe vom Naturpark Lüneburger Heide oder das deutsche Sportpferd "Special Pepper" in Halle 26 sind so neugierig, dass sie ihre Köpfe weit auf den Gang hinausstrecken und sich von jedem Besucher abklopfen lassen. Andere, wie der Friese "Odin", der zu verkaufen ist, stehen stolz mitten in ihrer Box und wiehern nachdrücklich, so als wollten sie endlich Futter oder zurück auf die Weide.
Publikumslieblinge sind Sir Henry und Zottel, zwei Zwergeselwallache. Der MAFZ-Erlebnispark Paaren zeigt sie in Halle 26 und erklärt schriftlich per Plakat, dass sie viel sicherer als Ponys seien. Denn da Esel anders als Pferde keine Fluchttiere sind, bleiben sie instinktiv stocksteif stehen, wenn mal etwas schiefgeht. Die Fläche ist zu klein zum Reiten - aber Streicheln kann man die zwei. Wenn sie es zulassen.





























































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