Agrarmesse
Proteste begleiten den Beginn der Grünen Woche
Freitag, 22. Januar 2010 09:43 - Von Kathrin SpoerrDie Grüne Woche ist eine Leistungsschau der Bauern dieser Welt. Für die meisten ist das ein Grund zum Freuen und Genießen. Aber nicht für alle. Die Messe wird von Demonstrationen und Störaktionen begleitet. Was haben die Aktivisten von Greepeace oder Peta an der Grünen Woche auszusetzen?
Nicht besonders freundlich fiel der Empfang aus, den Greenpeace Bundesagrarministerin Ilse Aigner auf der Grünen Woche bereitete. Als die Ministerin am Tag vor der Eröffnung der Messe vor geladenen Gästen Freundliches sprach, stürmten zwei adrette Maderl die Bühne. Sie trugen Dirndls und hatten sich das Blondhaar zu Zöpfen geflochten. In der Hand trugen sie einen Korb leckerer Erdäpfel. Sie sahen grad so aus, wie man sich in Bayern eine fesche, gottesfürchtige und fleißige junge Frau vorstellt und die Ministerin, die einen Tag später in ähnlichem Kleid zur offiziellen Eröffnung der Grünen Woche erschien, dürfte ihre Freude an dem Anblick der Mädchen gehabt haben.
| 26% | Ja. | |
| 66% | Nein. | |
| 7% | Ich weiß es noch nicht. |
Am Eröffnungstag der Agrarmesse wiederholte sich das Spektakel - nur nicht ganz so schön inszeniert. Die Bilder zeigen einen jungen Mann, der es nicht ganz schaffte, sein Anti-Genkartoffel-Plakat auszurollen. Auch er wurde dezent abgeführt - und sogar Ilse Aigner half - halb mütterlich, halb angesäuert - dabei mit, ihn aus der Menge zu entfernen.
KARTE: Der Hallenplan der Grünen Woche 2010Auch draußen vor den Toren der Messe sind immer wieder empörte Menschen mit Plakaten zu sehen. Sie demonstrierten gegen Massentierhaltung, inhumane Tiertransporte und gegen den Genuss von Fleisch. Die Grüne Woche, so scheint es, zieht in diesem Jahr deutlich mehr Empörung auf sich als in den Jahren zuvor.
Das liegt zum einen daran, dass der Zusammenhang zwischen Landwirtschaft und Klimawandel in diesem Jahr im Mittelpunkt der Fachtagungen der Grünen Woche steht. Klimaforscher kritisieren seit einiger Zeit, dass die Methanausdünstungen, die bei der Tierhaltung entstehen, einen wesentlichen Beitrag zur Klimaerwärmung leisten. Der Bund für Umwelt und Naturschutz hat mit gelben Plakaten gegen die industrielle Tierhaltung demonstriert, die lediglich dazu dient, den Fleischhunger der westlichen Industrieländer zu stillen. 60 Kilogramm Fleisch verspeist ein männlicher Westeuropäer jährlich. Zu viel - meinen die Klimaschützer.
Wenn sich also Ilse Aigner bei der Grünen Woche gegen "Verzicht auf Fleisch" ausspricht, so ist dies keine Geschmacksfrage, sondern ein politisches Bekenntnis, das die Wut vieler Umweltschützer auf sich zieht.
Für Greenpeace steht auf dieser Grünen Woche ein anderes Thema auf dem Programm. Die Ökoaktivisten (die auf der Grünen Woche selbst mit einem Stand vertreten sind, also leichten Zutritt zu allen Veranstaltungen haben) waren schon immer erklärte Gegner der so genannten Grünen Gentechnik, bei der das genetische Material manipuliert wird, um höhere Erträge oder besondere Sortenmerkmale an Kulturpflanzen zu erzielen.
Es ist die Kartoffelsorte "Amflora", gegen die Greenpeace kämpft. "Bei dieser Kartoffelsorte handelt es sich um eine reines Prestigeobjekt der FDP", sagt der Greenpeace Landwirtschaftsexperte Martin Hofstetter. Der studierte Landwirt ärgert sich darüber, dass Ilse Aigner in dieser Frage laviert und die Verantwortung für die Genehmigung der Kartoffelsorte der EU zuschiebt.
Im vergangenen Jahr wurde Amflora auf deutschen Versuchsfeldern angepflanzt. Was in der Weltsicht von Greenpeace schon schlimm genug ist. Schlimmer noch ist, dass die Ernte nicht vernichtet wurde, wie bei genetischen manipulierten Lebensmitteln üblich, sondern als Pflanzkartoffel eingelagert. "77 Prozent der Bevölkerung ist gegen die Grüne Gentechnik", sagt Hofstetter Morgenpost Online. "Das sollte die Politik ernst nehmen."
Ärgern sich die Veranstalter der Grünen Woche über die medienwirksamen Aktionen der Aktivisten? "Nein“, sagt Wolfgang Rogall, Pressesprecher der Grünen Woche Berlin. "Die Grüne Woche ist dazu da, kontroverse Themen zu diskutieren." In diesem Sinne sind Proteste, Demonstrationen, Transparente und Kartoffelwürfe ein Teil der Veranstaltung, der einfach dazu gehört.
Erschienen am 15.01.2010

























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