19.01.13

Grüne Woche

Wie Kanzlerin Merkel Wowereit mit dem Käsespieß drohte

Die Bundeskanzlerin besucht in Berlin erstmals die Grüne Woche – und isst begeistert. Und Klaus Wowereit darf endlich einmal etwas eröffnen.

Von Judith Luig
Foto: dpa

Die Grüne Woche 2013 ist eröffnet: Bundeskanzlerin Angela Merkel, Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit und Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner begannen ihren Rundgang mit einem Käsehäppchen.

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Jetzt durfte Klaus Wowereit doch noch etwas eröffnen. Am Freitagmorgen durchtrennte ein strahlender Regierender Bürgermeister das grüne Band für den Auftakt zur Grünen Woche. Seinen Abschnitt des Bandes steckte er sich dann gleich noch wie eine Trophäe in die Reverstasche. Überraschenderweise hatte Wowereit diesmal hohen Besuch dabei.

Zusammen mit Agrarministerin Ilse Aigner (CSU) und deren niederländischer Kollegin Sharon Dijksma war Bundeskanzlerin Angela Merkel in die Messehallen gekommen. Es war ihr erster Besuch der Grünen Woche. Am Sonntag ist Wahl in Niedersachsen, Deutschlands Agrarland Nummer eins, da ist es nicht verkehrt für die Kanzlerin, sich bei der Großausstellung der Landwirte sehen zu lassen.

Merkel lobt die deutschen Bauern

Die Begrüßung des Partnerlandes Niederlande lief noch nicht so reibungslos, da improvisierte Angela Merkel etwas über die wunderbaren Blumen und den Käse, die "qualitätsmäßig super nach Berlin" kämen. Aber dann kam sie in Schwung. Auf der Cebit sei sie ja jedes Jahr. Jetzt solle mal der landwirtschaftliche Raum gewürdigt werden. Sie betonte die Bedeutung der Agrarmesse: "Die Grüne Woche ist ein Sammelpunkt der internationalen Gemeinschaft." Sie zeigte, dass sie auch persönlich mit dem Thema etwas anfangen könne. "Die Menschen in Deutschland essen und trinken gerne, ich finde, das ist ein schöner Charakterzug."

In dieser technikorientierten Zeit gelte es, wie auf der Branchenschau die Leistung der Land- und Ernährungswirtschaft zu zeigen. Gerade Kinder sollten sehen, wie Nahrungsmittel entstehen. Und schließlich gab es noch ein ganz besonderes Dankeschön an die Bauern. "Die Grüne Woche ist eine traditionsreiche Veranstaltung, die Stadt und Land zusammenbringt", sagte Merkel.

Käse für die Kanzlerin

Von den Niederlanden gab es dann erst mal als Begrüßungsgabe ein großes Viertel Käse. Leider hatte sich keiner so recht überlegt, wo man nach dem Genuss den kleinen Holzspieß lassen sollte. Merkel streckte ihn kurz lachend, wie zum Angriff mit dem Schwert, Wowereit hin. Aber sie wurde schnell von den Servicekräften entwaffnet.

In ein Sakko gekleidet, mit dem sie auch auf einer Jagdgesellschaft eine gute Figur machen würde, lief die Kanzlerin nach der Eröffnung samt Tross durch die Hallen. Von Messekindergarten über landwirtschaftliche Geräte bis hin zur Bundesvereinigung deutsche Ernährungsindustrie, wo sie mehrere Kaffeesorten durchschnuppern durfte.

Auf dem Erlebnisbauernhof ließ sie sich zeigen, wie ein Ei auf seine Frische getestet wird, indem man es in ein mit Wasser gefülltes Gefäß wirft. Währenddessen stand neben Merkel und ihren Begleitern ein Mensch im Kuhkostüm. Die Fotografen bekamen ihn nicht mit auf das Bild. "Geh doch mal nah ran, Kuh", rief ihm einer zu. Schließlich erbarmte sich Merkel, posierte gemeinsam mit dem Stoff-Rindvieh und schüttelt ihm den weichen Huf.

Bei den Bäckern durfte Bäcker-Azubi Fadoua Kaimy-Rapsch der Kanzlerin zeigen, wie man einen Laugenzopf formt. Angela Merkel machte das Spiel mit, formte etwas Teig und flocht ihn, unter Applaus der Aussteller, zum Zopf. Wowereit dagegen schnappte sich lieber schnell ein Brötchen. Nach knapp einer Stunde musste er dann ohnehin alleine den Rundgang zu Ende bringen.

Wowereit: "In Berlin wird nicht sofort alles fertig"

Bei der Eröffnungsveranstaltung am Donnerstagabend hatte Wowereit vor mehreren Tausend Gästen erklärt, in Berlin gebe es immer Neues zu entdecken und ständig passiere etwas Neues – und als es ein Raunen im Saal gab, spottete Wowereit unter Anspielung auf das Debakel am Hauptstadtflughafen: "Es wird vielleicht nicht sofort alles fertig."

Rundgänge, Gedrängel, Häppchen und Schnäppchen – all das hat Tradition bei der Grünen Woche, die nun zum 78. Mal stattfindet. 241 Journalisten waren es diesmal, die Merkel, Aigner und Wowereit in Shuttlebussen von Halle zu Halle hinterhergefahren wurden. Bis zum 27. Januar werden mehr als 400.000 Gäste in den Messehallen unter dem Funkturm erwartet. Neu war der Besuch der Kanzlerin. Und für die Grüne Woche war es der erste Kanzlerbesuch seit 30 Jahren. 1983 war Helmut Kohl zum letzten Mal dagewesen.

Piratenpartei fordert Stopp von Agrarsubventionen

Doch auch wenn der hohe Besuch nach einer Stunde wieder abreiste – die Grüne Woche ging da erst richtig los. Zwar sind die Zeiten der prall gefüllten Schnäppchen-Tüten längst vorbei, deretwegen früher viele Besucher kamen. Auch Schnaps wird, zumindest beim Rundgang, kaum noch angeboten. Stattdessen geht es auf der weltgrößten Ernährungsmesse vor allem um eines – um Information. Und die ist gefragter denn je, seit über Massentierhaltung, biologischen Anbau oder Energiegewinnung aus Lebensmittelrohstoffen gestritten wird.

Auf der Grünen Woche geht es deshalb auch um den richtigen Weg in Fragen Produktion und Ernährung. Bauernverbände gelobten mehr Offenheit. Die Piratenpartei forderte einen Stopp der Agrarsubventionen und der Industrialisierung der Landwirtschaft. Und die beiden großen christlichen Kirchen kritisierten die Verschwendung von Lebensmitteln. Jeder Verbraucher werfe im Durchschnitt jedes Jahr 83 Kilogramm Lebensmittel auf den Müll. Doch vor dem Wegwerfen stellt sich die Frage: Wo kommt das Essen her? Darüber kann man sich nun bei 1630 Ausstellern aus 67 Ländern informieren.

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