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19.01.12

Höhere Umsätze

Taxifahrer profitieren von Berliner Fashion Week

Während der Fashion Week läuft das Geschäft für die Taxi-Unternehmen fast so gut wie an Silvester. Schon jetzt freuen sich die Fahrer auf die nächste Modewoche, weil dann der Flughafen Tegel geschlossen sein wird und die Besucher einen längeren Weg in Kauf nehmen müssen.

© Christian Kielmann
Lange Schlangen, aber kurze Wartezeiten. Die Taxifahrer profitieren von der Modemesse "Bread & Butter" auf dem Flughafengelände in Tempelhof
Lange Schlangen, aber kurze Wartezeiten. Die Taxifahrer profitieren von der Modemesse "Bread & Butter" auf dem Flughafengelände in Tempelhof

Hupen, fluchen, Quittungen schreiben, raus aus dem Auto, Türen aufhalten, Koffer wuchten, wieder rein ins Auto und Gas geben. Die Taxifahrer, die vor dem Gebäude des ehemaligen Flughafens Tempelhof halten, haben einen stressigen Job. Models, Manager und Modeinteressierte aus der ganzen Welt lassen sich seit Mittwochfrüh zur Modemesse "Bread & Butter" chauffieren. Große Welt trifft auf Berliner (Taxifahrer)-Schnauze. Für die Fahrer ist es Hochsaison. Seit Beginn der Fashion Week scheint es eine Direktverbindung zwischen dem Flughafen Tegel und Tempelhof zu geben, geleistet von Taxis. Zwischen 30 und 50 Wagen sind immer zeitgleich auf dem Platz vor dem Haupteingang des Gebäudes in Tempelhof.

Wie ein Fels in der Taxi-Brandung steht dort Marc Meyer. Seine knallgelbe Sicherheitsweste signalisiert: Bitte fahrt mich nicht um! Mit beiden Armen weist er den Fahrern Spuren und Halteplätze zu. Zwei-, drei- und vierspurig stehen und rollen die Autos um ihn rum. Ohne ihn würde der Verkehr schnell zum Erliegen kommen. Der Mitarbeiter von Taxi Berlin bringt an diesem Vormittag Ordnung ins System. "Bis zum Mittag ist besonders viel los, dann kehrt ein wenig Ruhe ein", sagt er. "Ab dem Nachmittag geht's dann wieder richtig los, wenn die Besucher in ihre Hotels oder in Restaurants möchten." Viele der Fahrer lassen nur schnell die Fahrgäste raus, heben Taschen und Koffer aus dem Kofferraum und fahren sofort wieder los. Andere reihen sich in die langen Autokolonnen ein und warten auf neue Fahrgäste. Taxi-Nachschub kommt vom Columbia-, dem Tempelhofer und dem Mehringdamm. Wie an einer Perlenschnur aufgereiht rollen die Wagen auf den Platz der Luftbrücke rund um die "Hungerkralle".

"Während der Fashion Week habe ich am Feierabend fast 100 Prozent mehr Geld in der Kasse als sonst", sagt Jabbar Bahar. "Ich bin seit vier Uhr früh unterwegs, seit sechs Uhr fahre ich fast ausschließlich Gäste vom Flughafen Tegel zum Hotel. Das ist jetzt meine erste Fahrt zum Flughafen Tempelhof." Das Geschäft wird bis zum Sonntag anhalten, ist sich der 33 Jahre alte Taxifahrer sicher. Er kennt das bereits aus den Vorjahren. "Und das Trinkgeld ist auch mindestens doppelt so hoch wie sonst." Keine zehn Minuten wartet er vor dem Hauptportal. Beinahe im Minuten-Takt startet er den Motor, rollt ein paar Meter weiter, und dreht den Zündschlüssel wieder rum. Zwei attraktive junge Frauen verabschieden sich mit Küsschen mitten auf dem Zebrastreifen. Kurzer Stau und Hupkonzert. Dann lassen sie sich von Bahar und einem Fahrerkollegen nach Mitte zu anderen Mode-Veranstaltungen im Rahmen der Messe fahren.

Die Arbeit lohnt sich

"Das Geschäft zur Fashion Week ist besser als Weihnachten, aber nur ein klein wenig schlechter als Silvester", sagt Günther Schell. "Mal abwarten, was noch passiert. In dieser Woche beginnt die Grüne Woche und dann ist der ADAC-Ball am Sonnabend. In so einer Woche lohnt sich die Arbeit wenigstens mal." Im Dauereinsatz ist auch Mario Willmanowski. "Ich hatte bislang nur Fahrgäste, die die Modemesse besuchen", sagt er. "Die hole ich vom Hauptbahnhof, vom Flughafen Tegel und aus den Hotels ab. Berlin ist brechend voll mit Besuchern." Er bringt am späten Vormittag Jennifer Neitemeier zur "Bread & Butter" zu dem ehemaligen Hangar in Tempelhof. Ganz Gentleman hält er die Tür auf und überreicht dem Model aus der Schweiz ihren Koffer. "Ich komme gerade aus meinem Hotel. Mit dem Koffer in der Hand hatte ich keine Lust, mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu fahren. Ein Taxi ist bequemer."

"Jetzt haben unsere Fahrer und Fahrerinnen wieder Spaß am Geldverdienen", sagt Jens Schmiljun, Marketing-Chef von Taxi Berlin. "Die ersten 14 Tage im neuen Jahr waren noch relativ ruhig, aber jetzt zieht das Geschäft wieder an. Mit der Fashion Week wird das Geschäftsjahr für die Taxifahrer eingeläutet." Noch in dieser Woche beginnt die Grüne Woche mit verschiedenen Empfängen und auch der ADAC-Ball am Sonnabend lässt das Taxameter rotieren. "Von unseren ungefähr 4500 Taxen, die von Taxi Berlin ihre Aufträge erhalten, sind jetzt mindestens 2500 im Einsatz." Unter dem Dach von Taxi Berlin sind vier große Funkzentralen vereint, die einzeln oder über eine Sammelnummer erreicht werden können. "Das Geschäft in der Modewoche ist ungefähr 50 Prozent höher als üblich. Es ist fast so gut wie zu Silvester." Nicht nur auf der Straße herrscht Hochbetrieb, auch in der Funkzentrale an der Persiusstraße in Friedrichshain haben die 35 Mitarbeiter viel zu tun. "Sie vermitteln gerade rund 2500 Aufträge in der Stunde", sagt Schmiljun. "Im Jahr sind es mehr als sieben Millionen Aufträge."

Für alle Smartphone-Benutzer gibt es ab sofort die Möglichkeit, das Taxi mit einer kostenlosen Taxi-App zu bestellen. "Damit können Taxis in Berlin und Umgebung mit zwei Klicks zu dem gewünschten Standort bestellt werden", sagt Schmiljun. "Die Anfahrt des Taxis wird angezeigt und bei der Angabe einer Zieladresse sind auch Preisauskünfte möglich." Ungefähr zweieinhalb Prozent der Buchungen kommen derzeit über die Taxi-App.

Längere Fahrten vom BER

Die nächste Fashion Week in Berlin findet im Sommer statt. Dann wird der Flughafen Tegel geschlossen sein, die Fahrten in die Stadt werden vom Flughafen BER in Schönefeld länger und somit teurer. "Wir sehen der Eröffnung des BER mit Optimismus entgegen", sagt Schmiljun. "Eine Fahrt bis nach Tempelhof wird dann ungefähr 32 bis 40 Euro kosten. Das wird die Messebesucher aber nicht von einer Taxifahrt abhalten." In Tempelhof ist es ruhiger geworden. Die Fahrer warten länger auf Gäste. "Ich mache eine Pause und fahre erst wieder am späten Abend", sagt Heinz Lehmann. "Wenn sich die jungen Leute ins Nachtleben stürzen. Dann lohnt es sich wieder."

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