Michael Sontag
Berlin ist "easy, sexy, unprätentiös"
Nachwuchsdesigner Michael Sontag ist Spezialist für zeitlose Eleganz. Morgenpost Online hat mit ihm nicht nur übers Modemachen, sondern auch darüber gesprochen, was Berlin tun kann, um seine jungen Talente am besten zu fördern.
Von Ana Finel Honigman
Berlin steht für eine Ästhetik, die nicht zuletzt Jugendlichkeit ausstrahlt. Einer der vielversprechendsten aufstrebenden Berliner Modedesigner, Michael Sontag, ist allerdings Spezialist für zeitlose Eleganz. Seine anmutig fallenden, juwelfarbenen Entwürfe und natürlichen Stoffe kleiden eine bemerkenswerte Vielzahl unterschiedlicher Trägerinnen.
Nachdem Sontag in Berlin bei c.neeon und Frank Leder sowie in Paris bei Kenzo und Givenchy in die Lehre gegangen ist, konnte er mit eigenen Entwürfen auch international überzeugen und gewann eine Reihe von prestigeträchtigen Preisen, darunter den Beck’s Fashion Experience Award, den Textile Innovation Award 2009 und den Start Your Fashion Business Award. Wir haben mit Sontag nicht nur übers Modemachen, sondern auch darüber gesprochen, was Berlin tun kann, um seine jungen Talente am besten zu fördern.
Morgenpost Online: Deine Kollektionen zeigen sich wenig beeinflusst von saisonalen Trends, von Trends überhaupt. Wie hat sich dein Stil über die Jahre verändert?
Michael Sontag: Ich glaube nicht, dass sich mein Stil stark verändert hat. Es sind wohl eher die Schnitte, die sich von Kollektion zu Kollektion ändern. Jede Saison lerne ich dazu, was Herstellungsprozesse, Produktionsweisen und andere Dinge angeht, die mich in meiner Arbeit beeinflussen. Es ist also im Wesentlichen die technische Seite des Modemachens, die sich stark entwickelt. Aber das wirkt sich natürlich auch auf die Ästhetik meiner Mode aus.
Morgenpost Online: Worin hat sich deine Ausbildung in Berlin von der in Paris unterschieden?
Michael Sontag: In Berlin habe ich gelernt, in meinem Denken freier zu werden.
Morgenpost Online: Würdest du sagen, dass der Freiraum in Berlin deshalb größer ist, weil hier die Einsätze noch relativ gering sind? Und besteht die Möglichkeit, dass Berlin irgendwann so reglementiert und restriktiv werden könnte wie Paris?
Michael Sontag: Ich bin mir ziemlich sicher, dass die Modewelt sich stärker institutionalisieren wird. Aber das dauert noch eine Weile.
Morgenpost Online: Was ist dir bei deiner Stoffauswahl wichtig?
Michael Sontag: Wichtiger als die Farbe ist die Beschaffenheit des Stoffs – wie er sich anfühlt.
Morgenpost Online: Hast du trotzdem eine Vorliebe für bestimmte Farben?
Michael Sontag: Nein, ich habe keine Lieblingsfarben. Ist alles eine Frage der Kombination.
Morgenpost Online: Inwiefern haben Auszeichnungen und Preise deine Arbeit vorangebracht?
Michael Sontag: Insofern als sie mir den nötigen Freiraum eröffnet haben, mich auszuprobieren, zu experimentieren. Die Preise hatten natürlich auch positiven Einfluss auf mein Selbstbewusstsein, und sie gaben mir Zeit zu wachsen.
Morgenpost Online: Was, glaubst du, müsste die Stadt Berlin tun, um junge Talente zu fördern und zu ermutigen weiterzumachen?
Michael Sontag: Die Stadt Berlin? Ich finde, die macht schon eine Menge. Der Wettbewerb "Start Your Fashion Business” von der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Frauen ist ein Beispiel dafür. Oder die gesponserten Time-Slots im Fashion-Week-Zelt, die jungen Designern vorbehalten sind.
Morgenpost Online: Gibt es einen bestimmten Look oder Style, den du mit Berlin verbindest?
Michael Sontag: Easy, sexy, unprätentiös.
Morgenpost Online: Wie würdest du persönlich "Sexiness” definieren?
Michael Sontag: Ich finde Leute sexy, die sich selbst gut kennen und unbekümmert sind. Sexiness entsteht meistens dann, wenn man gar nicht groß drüber nachdenkt. Ausnahmen bestätigen die Regel.
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