Bilanz
Fashion Week ist für Berlin ein Wirtschaftsfaktor
Montag, 11. Juli 2011 08:05 - Von Cordula SchmitzDie Fashion Week ist ein fester Bestandteil in Berlins Veranstaltungskalender geworden. 120.000 Besucher kamen in die Hauptstadt und sorgten für steigende Umsätze. Mit mehr als 50 Schauen stellt die diesjährige Modemesse zudem einen Rekord auf.
Die Frage, ob Berlin eine Modestadt wird, ist nach dem diesjährigen sommerlichen Modemarathon endgültig beantwortet. Gäbe es ein Komitee, das diesen Titel offiziell vergibt, Berlin hätte ihn in diesem Jahr sicherlich erhalten. Zunächst die Fakten: Die Tourismus-Marketing-Gesellschaft Visit Berlin geht davon aus, dass 120.000 Besucher zur Modewoche in die Stadt gekommen sind, das Hotelgewerbe spricht von 200.000 zusätzlichen Übernachtungen. In Zahlen zusammengefasst bedeutet das laut einer Modellrechnung der Investitionsbank Berlin eine zusätzliche Wirtschaftsleistung von 119 Millionen Euro in jedem Jahr. Aber nicht nur während der Modewoche bringt diese Branche eine Menge Geld in die Stadt. An die 3700 Firmen, Agenturen und Einzelunternehmer machen in Mode, etwa 30 Prozent mehr als im Jahr 2000. Und nochmals 177 Unternehmen stellen Bekleidung, Lederwaren oder Schuhe her. Die Geschwindigkeit, die Berlin bei diesen Entwicklungen hinlegt, ist enorm.
50 Schauen sind Rekord
Mit rund 50 Schauen hatte der Veranstaltungskalender der Mercedes Benz Fashion Week, dieses Mal am Brandenburger Tor und nicht am Bebelplatz, eine Rekordgröße erreicht. Das Programm war so dicht, das man es immer nur ganz knapp zur nächsten Schau schaffen konnte. „Das wird in den kommenden Saisons bestimmt nicht besser werden“, sagt Daniel Aubke vom Veranstalter IMG. „Ich habe einige Journalisten und Besucher gesprochen, die ganz schön gestöhnt haben, aber im positiven Sinne.“ Die Diskussion um den Standort des Zeltes kann er nicht wirklich verstehen. Insgesamt, so Aubke, wurde der Platz hervorragend angenommen und es kam auch nicht zu einem Verkehrschaos. „Wir sind sehr zufrieden mit der Location der Mercedes Benz Fashion Week am Brandenburger Tor. Der gesamte Aufbau schickt noch mal ein ganz anderes Signal in die Stadt und auch international macht es einen hervorragenden Eindruck.“ Gute Nachricht für alle jungen Designer: „Das Konstrukt mit dem zweiten Veranstaltungsort für junge Designer im Zelt hat wahnsinnig gut funktioniert und wird auf jeden Fall beibehalten“, so Aubke weiter.
Die beiden größten Messen, die Premium und die Bread&Butter waren ein Erfolg und konnten weiter wachsen. „Das war die bisher erfolgreichste Premium – mehr Aussteller, mehr Besucher und internationaler denn je. Wir sind sehr zufrieden. Auch die neue Plattform ,Seek’ war sensationell besucht. Wir werden dafür eine neue und größere Location suchen müssen“, sagt Anita Tillmann von der Premium. Karl-Heinz Müller, der mit seiner Urban-Street-Wear Messe Bread&Butter im ehemaligen Flughafen Tempelhof in diesem Sommer das zehnjährige Bestehen feiert, zeigt sich ebenfalls zufrieden: „Wir erwarten das beste Ergebnis in Berlin“, sagt er und hat gleichzeitig noch eine gute Nachricht für alle modeinteressierten Berliner: „Die große Abendveranstaltung am vergangenen Dienstag war ein Riesenerfolg. Es war eine sehr gute Entscheidung, die Öffentlichkeit zu den Abendveranstaltungen einzuladen – das Konzept werden wir weiterführen. Im nächsten Sommer wird es ein großes Festival geben. Berlin ist für die Bread&Butter das Non plus ultra“, sagt Müller.
Und auch die Mode bewegte sich endlich auf einem hohen Niveau. Was gab es in früheren Saisons nicht alles für seltsame Ausfälle. Äußerst zweifelhafte, osteuropäische Existenzen, die ihrer Frau oder Geliebten einen Termin auf dem Catwalk kauften, um dort Mode in der Kategorie „Schmuckdesignerin“ zu zeigen und auch noch ein Lied auf dem Catwalk zu performen. Oder junge „Designer“, die eher zum Textilkleber griffen, als zu Nadel und Faden. Aus, vorbei, Schluss damit. Schon die erste Show des jungen Designers Michael Sontag setzte Maßstäbe. Zu den herausragenden Shows gehörten auch die von Hien Le, Perret Schaad und Kostas Murkudis. Lala Berlin zeigte ebenfalls eine sehr ausgefallene und trotzdem tragbare Kollektion.
Berlin, das bedeutet auch, dass die interessantesten Schauen oder Installationen nicht zwangsläufig im Zelt stattfinden, sondern über die ganze Stadt verteilt sind. In diese Kategorie fiel zum Beispiel auch das Designer-Duo Augustin Teboul. Sie zeigten ihre zarten Träume in Schwarz in einer ehemaligen Werkstatt in Mitte. Dort fanden die beiden Designerinnen genügend Platz, um ihre ganz speziellen Visionen zu verwirklichen. Das Ergebnis war eine düstere surreale Traumlandschaft, verborgen hinter einem Schleier aus schwarzem Stoff, in dem die Modelle präsentiert wurden. Neben einer Reihe neuer Entdeckungen konnten aber auch einige der etablierten Marken überraschen, allen voran Dorothee Schumacher mit einer jungen, zu allen Gelegenheiten tragbaren Kollektion mit viel Nude- und Neontönen. Escada Sport, die jüngere Linie des Edel-Labels Escada zeigte im Oderberger Stadtbad und ließ sich von den arabischen Träumen der Medina inspirieren. Die Marke sucht zwar immer noch nach ihrem neuen Kern, ist aber mit scharf geschnittenen Sakkos für die Dame und locker sitzenden langen Kleidern auf dem richtigen Weg. Den größten Batzen Berlin verkörperte wie immer Designer Michael Michalsky bei seiner „Stylenite“. Er zeigte eine durchdachte und in sich stimmige Kollektion. Eine, die immer eine Befürworterin der Berliner Modewoche war, ist Christiane Arp. Die Chefredakteurin der deutschen Vogue weiß, worauf es ankommt. Mit ihrem „Vogue“-Salon lockt sie nationale und internationale Einkäufer nach Berlin, um ihnen im Showroom die neuesten Entwürfe der Talente vorzustellen.
Denn letztlich geht es bei all dem schönen Schein, den Häppchen, dem Champagner und den Stars doch nur um eins – ums Geschäft.

























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