Green Showroom
Öko und edel - mit Magdalena Schaffrin im Adlon
Freitag, 3. Juli 2009 22:18 - Von Alexandra MasdchewskiDie Berliner Designerin Magdalena Schaffrin kreiert „Öko-Luxus". Passend dazu öffnet sie deshalb auch zur Fashion Week zusammen mit Jana Keller, Chefin des Handtaschenlabels "Royal Blush", den "Green Showroom" im Hotel Adlon.
Es hallt in der Wohnung. Kein Wunder bei 250 leer stehenden Altbau-Quadratmetern und einer beachtlichen Deckenhöhe. Vollständig steht die ehemalige Arztpraxis unweit der Neuköllner Karl-Marx-Straße allerdings nicht leer – zweimal um die Ecke gebogen stößt man auf eine volle Kleiderstange, Schnittmusterbögen und Magdalena Schaffrin. Hoch gewachsen, akkurate Ponyfrisur, weiße Bluse und Jeans – „Öko“ sieht die 30-Jährige nicht aus, dabei ist dieses Attribut untrennbar mit ihrer Arbeit verbunden. Die Designerin nennt es jedoch „Öko-Luxus“. Passend dazu öffnet sie deshalb auch zur Fashion Week zusammen mit Jana Keller, Chefin des Handtaschenlabels „Royal Blush“, den „GREENshowroom“ im edlen Adlon-Hotel.
„Insgesamt sind es 14 internationale Aussteller aus dem Mode- und Lifestyle-Segment, die ihre Produkte in sechs Suiten in Szene setzen“ erzählt Schaffrin, die ihr Modestudium 2005 an der Universität der Künste abgeschlossen und dann zwei Jahre später ihr eigenes Label gegründet hat. Das Anschieben einer eigenen „grünen Messe“ erschien ihr und ihrer Partnerin absolut folgerichtig, schließlich gibt es mittlerweile weltweit etwa 90 Labels, die im hochwertigen Segment arbeiten und die auf entsprechende Standards achten. „Zwar gibt es auf der Messe Premium eine ,Green Area’, aber dort fühlt man sich ein wenig ausgegrenzt, und man geht mir auch nicht konsequent genug mit dem Thema um.“ Sie sei eben ein „Hardliner“, fügt sie ein wenig entschuldigend hinzu. Wer glaubt, die Wahl sei nur deshalb auf ein 5-Sterne-Hotel gefallen, weil das Ambiente so nett ist, der irrt: auch das Nutzen bereits vorhandener Räumlichkeiten habe etwas mit Nachhaltigkeit zu tun.
Von Polyacryl zu Baumwolle
Ein „Öko-Hardliner“ war Schaffrin allerdings nicht immer. Zwar sei schon ihre Kindheit in Konstanz von öko- und friedensbewegten Eltern geprägt gewesen, allerdings hätte das eher zu diversen „Revoluzzerphasen mit viel Polyacryl“ geführt. Schaffrin muss selbst lachen, als sie sich an ein silberfarbenes Synthetikkleid mit psychedelischem schwarzen Muster erinnert. „Ich war alles: Hippie, Punk, Heavy-Metal-Anhänger und Techno-Jünger.“
„Die Arbeit als Designerin macht zwar Spass, doch die Erfüllung fehlt.“ „Die Arbeit als Designerin machte zwar Spaß, doch die Erfüllung fehlte.“ Das hat sich mit der Selbständigkeit geändert. Heute arbeitet die Wahl-Neuköllnerin nur mit natürlichen Materialien. Ausnahmen werden nur bei recycleten Stoffen gemacht. Viskose ist tabu, weil bei der Herstellung zu viel Chemikalien benutzt und Energie verschwendet wird. Und bei Färbungen schaut sie auf ein ganz bestimmtes Gütesiegel. „Das Siegel ,Oekotex 100’ wird zwar EU-weit anerkannt, allerdings sagt es lediglich aus, dass die Stoffe nicht schädlich für die Gesundheit sind.“ Das sei ihr persönlich zu wenig. „Greenwashing“ nennt sie allgemein das Vorgehen von Firmen, die sich als grün vermarkten, es aber nicht sind.
Und so kauft Magdalena Schaffrin ihre Stoffe in Deutschland, weil ihr die Betriebe als besonders vertrauenswürdig erscheinen, in Spremberg zum Beispiel bei den „Lebensstoffen“. Auch wenn die Materialkosten damit geschätzt dreimal höher sind als normal, und man für den Preis schon fast Couture-Stoffe in der Schweiz erstehen könnte. „Aber ich liebe die Stoffe nun mal so sehr“, sagt Schaffrin, greift nach einem Leinenjersey und befühlt ihn beinahe zärtlich. Fertigen lässt sie ebenfalls in Deutschland. Und begründet damit auch ihre „teuren Teile“, die man zum Beispiel bei „Berliner Klamotten“ kaufen kann. Wobei sie mit 380 Euro für ein Kleid oder 180 Euro für eine Bluse wahrscheinlich keinen Designfan erschreckt. „Man muss allerdings bedenken, dass man bei mir wirklich nicht für den Namen mitbezahlt, sondern nur für die Qualität.“ Sie könne auch ganz anders kalkulieren, aber so weit reiche das Bewusstsein bei den Kunden noch nicht. „Egal ob Einkäufer oder Endverbraucher – sie kaufen in erster Linie, weil sie die Kollektion schön finden. Und die ist dann eben auch noch öko.“
Von dem Sommer-Winter-Kollektionsrhythmus, der das Leben von Designern bestimmt, hat sie sich verabschiedet. „Die Menschen sollen meine Mode lange tragen, sie ist zeitlos. Außerdem müssen wir international denken“, sagt Schaffrin, die ihre Kollektion ständig erweitert und stattdessen von einer „Global Season“ spricht. Der „GREENshowroom“ soll deswegen auch nur einmal im Jahr in Berlin seine Türen öffnen. Parallel dazu hat sich die Messe „thekey.to“ aufgestellt, deren Macher nur ein Stockwerk über ihrem Atelier sitzen. Stattfinden wird diese Fachveranstaltung im Kaiserlichen Postamt Neukölln. Ursprünglich hatte man sich zusammentun wollen, wegen der unterschiedlichen Ausrichtung – „thekey.to“ stellt auch Streetwear aus, während sich der GREENshowroom auf High-End konzentriert – agiere man jedoch getrennt. Was die beiden Konzepte eint, ist abgesehen vom regen Austausch, auch der „Public Day“ am 4. Juli, zu dem alle Interessierten eingeladen sind. Zum Schauen, aber auch zum Kaufen.
Bewusster konsumieren
„Ich glaube, dass die Menschen im Zuge der Krise anfangen werden, bewusster zu konsumieren. Einfach mal shoppen gehen, weil man gerade Zeit hat, wird es weniger geben.“ Obwohl Deutschland ursprünglich einmal Vorreiter der Öko-Bewegung gewesen sei, sei „Green Fashion“ nun vor allem in Großbritannien ein Thema. Für die Fashion Week hofft Magdalena Schaffrin auf viele Einkäufer und interessierte Presse – doch die Erfahrung lehrt: geordert wird meist woanders. „Paris ist in unserem High-End-Segment nach wie vor der wichtigste Ort, und deshalb öffnet unser Showroom’ dort auch im Oktober.“ Ein Wunsch wäre es, diesen in Zukunft auf Reisen gehen zu lassen. Mobiliät passe auch wunderbar in eine Zeit, in der man immer internationaler und die Reisebudgets gerade schmaler würden. Die 30-Jährige fürchtet die Krise nicht. „Ich nutze die Zeit, um eine Struktur aufzubauen, und wenn es dann wieder besser wird, lege ich richtig los.“ Zufrieden wirkt sie. Allerdings könnte sich eines gern noch ändern: ein Nachbar in den verwaisten Räumen wäre nicht schlecht. Eventuell ziehen die grünen Mitstreiter von „thekey.to“ mit einem neuen Projekt noch zu ihr. Wäre irgendwie auch nachhaltiger.














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