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03.07.09

Mode

Was Vogue-Chefin Arp von der Fashion Week hält

Christiane Arp ist Chefredakteurin der deutschen Vogue. Sie wird an jedem Tag der Schauen der Fashion Week in Berlin präsent sein. Morgenpost Online sprach mit ihr über Professionaliät, Nachwuchsdesigner und die ganz besondere Wirkung Berlins.

© Krauthoefer
Mode
Christiane Arp ist Chefredakteurin der deutschen Vogue

Morgenpost Online: Frau Arp, allein Ihre Anwesenheit sehen die Besucher der Mercedes-Benz Fashion Week als positives Signal. Wie stehen Sie zu der Veranstaltung?

Christiane Arp: Wir begleiten die Fashion Week in Berlin seit der ersten Stunde. Ich bin sozusagen bekennend - einfach weil ich mir wünsche, dass die Veranstaltung auch international an Bedeutung gewinnt und ernst genommen wird. Was die Entwicklung seit dem Start vor zweieinhalb Jahren angeht, so bin ich da ganz realistisch. Der internationale Schauenkalender ist voll. Um die nötige Aufmerksamkeit zu bekommen, muss man eine Termin-Lücke finden, die nicht nur für uns, sondern auch international Sinn macht. Meiner Meinung nach hat das diesmal gut funktioniert: gerade waren die Herrenmodewochen, am Montag beginnen die Couture-Schauen in Paris. Mein Kalender ist dieser Tage sehr voll, so auch in Berlin. Gerade im Vergleich zum letzten Jahr hat sich hier viel getan.

Morgenpost Online: Kann Berlin inzwischen mit den internationalen Schauen wie Paris oder Mailand mithalten?

Christiane Arp: Es ist wichtig, dass hier Dinge gezeigt werden, die man woanders nicht sieht. Deshalb kann es auch nicht um die immer wieder aufgeworfene Frage nach Vergleichbarkeit mit anderen Schauen gehen. Jede Fashion Show muss anders und individuell sein. Das lässt sich nicht nur reduzieren auf den Laufsteg, sondern bezieht all das mit ein, was zu dieser Zeit in der Stadt passiert. Das fängt bereits bei der Location an. Wenn man in Mailand Mode nur auf dem Messegelände sieht, ist das nicht besonders inspirierend - wenn zwischendurch aber eine Schau in einem Palazzo stattfindet, ist das schon anders. So eine Veranstaltung ist als Komposition zu betrachten. Eine Stadt wie Berlin ist da genau richtig.

Morgenpost Online: Eine Stadt, die Sie sich auch privat schon umgesehen haben?

Christiane Arp: Ich kenne Berlin gut und habe eine sehr gute Freundin hier. Sie "füttert" mich mit Tipps, für Ausstellungen zum Beispiel. Darauf bin ich aus Zeitmangel oft angewiesen.

Morgenpost Online: Und die Nachwuchsdesigner, für die Berlin bekannt ist? Sind die interessant für Sie?

Christiane Arp: Es ist wichtig, dass ihnen hier eine Plattform geboten wird, das ist sozusagen der Nährboden, auf dem sie sich präsentieren und mutiger werden können. Zwischendurch sehe ich hier ganz tolle Dinge, gestern zum Beispiel im Showroom von Odeeh. Dabei kann es auch um Styling, Schuhe oder Make-up gehen. Das muss auch nicht immer eine ganze Schau sein. Mir geht es vor allem um Frauenbilder, die auch von den Nachwuchsdesignern hier vermittelt werden. Ich glaube, dass in Berlin Labels präsent sind, die auch nur hier sein können. Weil Berlin schon immer für Aufbruch stand. Der Ansatz ist radikaler, die Designer sind sehr selbstbewusst. Und Chaos ist ja manchmal der beste Nährboden für Großes und Kreatives. Gleichzeitig ist es wichtig, zu sehen, was bei den etablierteren Marken passiert, also etwa die Präsentation von Escada im Bode Museum anzuschauen. Ich gehe aber auch ins Kadewe, um mich dort umzusehen. All das ist sehr befruchtend.

Morgenpost Online: Ist die Mercedes-Benz Fashion Week in Berlin Ihrer Ansicht nach professionell genug?

Christiane Arp: Auf jeden Fall, vor allem auch dank des Zeltes am Bebelplatz, das einen guten Rahmen bietet. Eine Bereicherung sind auch die Messen und Showrooms drumherum. Manchmal entdeckt man auch etwas Besonderes, wenn man nur zehn Teile in einem kleinen Showroom vor sich hat. Für uns ist es sehr wichtig, hier diesen Meltin Pot vorzufinden, denn wir haben nicht die Zeit, ständig durch ganz Deutschland zu reisen. Oft entdeckt man bei solchen Gelegenheiten etwas Neues per Zufall. Und Vogue ist ein internationales Sprachrohr. Wenn ich einen neuen Designer im Heft vorstelle, nehmen das die Kollegen in aller Welt wahr.

Morgenpost Online: Bei so einer Veranstaltung steht ja auch immer im Fokus, was Sie tragen. Beeinflussen Sie die Modestile, die sie auf den Schauen sehen auch in der eigenen Kleiderwahl?

Christiane Arp: Bei mir könnte es heißen: You know what you get. Ich war in meinem persönlichen Stil immer schon sehr konsequent. Bis auf ein Jahr beim Stern habe ich immer für Frauenmagazine gearbeitet. Im Grunde könnte man mich als Fachidiot bezeichnen. Das íst meine Leidenschaft. Mich interessiert zu sehen, was Mode mit einem macht und auch, wie man sie einsetzen kann, damit sie einem hilft sich gut zu fühlen. Zum Beispiel, wenn man einmal unsicher ist.

Morgenpost Online: Das kennen Sie auch?

Christiane Arp: Ja, durchaus, ich sehe das aber nicht als Schwäche, wenn man weiß, mit Mode umzugehen. Unsere Aufgabe bei Vogue ist es nicht, Frauen zu erziehen, sondern sie informieren und zu animieren, auch einmal mutig zu sein. Weil Mode Spaß macht.

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