Berliner Modewoche
Fashion Week zwischen Cowgirl und coolem Chic
Strenesse Blue, Sisi Wasabi, Lala Berlin und am Abend Boss Orange - die großen Namen präsentierten auf der Fashion Week ihre Kollektionen. Stars wie Sienna Miller und Adrien Brody ließen sich das nicht entgehen. Aber gerade auch die Newcomer begeistern auf der Berliner Modewoche sowohl Fashion Victims als auch die Fachwelt.
Von Alexandra Maschewski und Cordula Schmitz
Die bisher größte Show der Fashion Week begann Donnerstagabend in den Rathenauhallen in Treptow erst, als auch der letzte Hollywood-Stargast, nämlich Sienna Miller, eingetroffen war. Kurz nach zehn Uhr fingen laute Bässe an zu wummern und am Ende des extrem langen Catwalks startete eine riesige Turbine.
Das junge Label Boss Orange zeigte gewohnt sportliche und tragbare Mode, Streifenjeans und Streifenblazer à la 80er-Jahre für die Damen genauso wie kurze Shorts oder auch bodenlange Walleröcke. Bei den Herren stehen auch im nächsten Sommer die Karohemden hoch im Kurs. Das dürfte auch Hollywood-Star Adrien Brody gefallen haben, der ganz entspannt in Jeans und Stohhut erschien.
Jeans waren natürlich auch ein großes Thema: Nicht nur die so angesagten Fetzenhosen, sondern auch als Jacke oder Kurzmantel. Den vielen Gästen gefiel es – und Katja Riemann zeigte sogar ein begeistertes Pfeifkonzert, als das letzte Model vom Laufsteg verschwand. "Wir wissen noch nicht, wann die Show startet. Es hat geregnet." Sagte die Assistentin von Zerlina von dem Bussche, die geschäftig mit einem Block in der Hand im Ballsaal des Hotel de Rome unterwegs war. Verwunderlich irgendwie, saßen die Gäste doch – getreu dem Motto "Dinner &n Show" – an drei langen Tafeln im Trockenen.
Auch Klaus Wowereit und Angelika Blechschmidt gehörten Donnerstagabend zu den Gästen des Labels Sisi Wasabi. Und warum das Wetter so entscheidend war, zeigte sich, als auf einer Riesenleinwand endlich Models zu sehen waren. Ein ungläubiger Blick nach oben und tatsächlich: Sie marschierten weit über den Köpfen auf einem Steg auf dem gläsernen Dach des Saals.
Kein Wunder, dass die Berliner Designerin im Vorfeld nicht verraten mochte, welche Überraschung sie für ihre 120 geladenen Gäste geplant hatte. Eine Überraschung auch die Looks, die sie zeigte. Mit den edlen Abend-Outfits der 29-Jährigen hatte diese Kollektion so gar nichts zu tun. Sehr cool und urban die Teile, Hingucker absolut die marmorierten, glänzenden Seidenstoffe in sattem Blau, Himbeer und leicht giftigem Gelb-Grün. Dazu Lederjacken im 80iger-Look und – witziges Detail – kurze Söckchen mit Strasssteinen am Saum.
Großstadt-Cowgirls
Gewartet hatte man vorher auf die Besucher der Show von Strenesse Blue, die aus dem Zelt am Bebelplatz herüberkamen. Das Label gehört zu denjenigen, die von Anfang an auf der Mercedes-Benz Fashion Week vertreten sind. Der Starauflauf bei Strenesse Blue war erwartungsgemäß groß. Mariella Ahrens, Eva Padberg und Axel Schulz saßen in der ersten Reihe. Suzy Menkes und Angelika Blechschmidt vervollständigten den Modeadel am Laufsteg.
Viktoria Strehle zeigte auf dem Laufsteg einen Cowgirl-Stil, gepaart mit hanseatischer Zurückhaltung. Fast alle Models trugen auf dem Kopf einen weißen Cowboyhut, und die Show startete mit Country-Musik. Die Großstadt-Cowgirls trugen neben Jeans leichte Nylonhosen in den Farben Orange, Weiß und Grau. Auch der Overall scheint es Strehle angetan zu haben. Blusen mit Sternenmuster vervollständigten den Look.
Am Nachmittag hatten bereits die Berliner Jungdesigner gezeigt, was sie können. Erst Riesenandrang und dann Applaus bei Lala Berlin. Designerin Leyla Piedayesh zeigte gewohnt lässige Mode, die weit über gestrickte Looks hinausgeht, für die sie ja bekannt ist. Viel Nude und Schwarz, gebrochen von leuchtendem Pink und immer wieder goldene Pailletten.
Nachwuchsdesignerin Frida Weyer hatte sich für eine Show im Chamäleon-Theater in Mitte entschieden. Eine ganz besondere Atmosphäre – inklusive Artist am Trapez. Die Hauptrolle spielten aber süße, kurze Kleider in Baiser-Farben: Rosé, Lachs und Türkis.
Das Label "Mongrels in common" hatte das erste Highlight des Tages gebracht. Die beiden Designerinnen setzten mit ihren rasiermesserscharfen Korsagen besonders die Brüste gekonnt in Szene, ohne billig zu wirken. Zum edlen Look trägt auch der Mix aus fließenden Stoffen und Lachsleder bei.
Das Berliner Designer-Duo Unrath & Strano hatte, die Muse Minu Barati war auch anwesend, im Ellington Hotel unweit des Kudamm Brautmode gezeigt. "Wir wollten Modelle schaffen, die jung und ausgefallen sind und sich von traditionellen Kreationen abheben", so die Designer. Haben sie geschafft – sehr sexy und auffällig.
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