Fashion Week
Berlin begrüßt die Sommermode
Die Düsseldorfer Designerin Dorothee Schumacher hat den Modereigen in der Hauptstadt eröffnet. Dabei ließen die Models tief blicken. Doch der Höhepunkt des ersten Tages der Fashion Week war sicherlich der Escada-Empfang im Bodemuseum. Bei der "Pink Party" inszenierte die Marke einen großartigen modischen Rückblick.
Was für ein Höhepunkt an diesem ersten Tag der Berliner Modewoche: Escada zeigte am Abend eine Retrospektive der schönsten Kollektionsmodelle der Jahre 1978 bis 2009. Nein, die Marke inszenierte vielmehr den modischen Rückblick im Bode-Museum. Ein Anblick, der vielen Besuchern den Atem raubte. Eine pinkfarbene Robe, der Saum ausgebreitet wie das Rad eines Pfaus. Schlicht schwarz glänzende Schaufensterpuppen in edlen, meist bunten Kreationen, die im Saal und auf der Freitreppe drapiert waren. Viele weibliche Gäste befolgten das Motto des Abends – "Pink Party" – und kamen in leuchtenden Kleidern, Schuhen oder Strümpfen.
Die Mercedes-Benz Fashion Week war schon am Morgen furios losgegangen: Als Designerin Dorothee Schumacher um 10 Uhr die Reigen der Shows am Bebelplatz eröffnete, waren alle Plätze am Laufsteg gefüllt. Das lag sicher nicht nur daran, dass diesmal am Vorabend nicht die Party des Labels Boss stattgefunden hatte – viele waren ja auf dem Mando-Diao-Konzert der Bread&Butter gewesen – sondern auch daran, dass das Label Schumacher gestern in Berlin seinen 20. Geburtstag feierte.
Erst kam jedoch die Show mit gewohnt verspielter Mode, die die Liebe zum Detail pflegt. Puder- und Carameltöne, Lagenlook, fließende Seidenstoffe und immer mal wieder ein Schleifchen hier und Pailletten dort – so kennt man die Entwürfe von Dorothee Schumacher. Diesmal war ihre Kollektion nicht ganz so süß und rosa, wie man es kennt. Immer wieder tauchten Cargo-Taschen auf, sogar auf Abendkleidern. Manche Teile waren gar schwarz.
Rosa und süß wurde es dann jedoch, als nach einem Seifenblasenregen über dem Catwalk junge Mädchen mit Luftballons in der Hand den Gästen den Weg zum Ballsaal des Hotel de Rome wiesen. Dort stand eine meterhohe "Torte" aus Hutschachteln und Accessoires. Der Sekt war genauso rosé wie die Süßigkeiten, die angeboten wurden. "Ich fühle mich hier in Berlin super aufgehoben", sagte Dorothee Schumacher, deren Firma in Mannheim sitzt. "Die Veranstaltung ist sehr professionell und bietet alles, was man für eine große Show braucht." Auf die Frage, ob sie im kommenden Frühjahr wieder in Berlin dabei sei, antwortetet sie: "Ich bin überzeugt davon."
Als nächstes stand die Show von Designer Marcel Ostertag auf dem Plan. Danach ging es für viele mit dem Shuttle-Service – ganze Busse standen bereit – weiter zum Hotel Ellington in der Nähe des Kudamms. Diesen Ort hatte sich das Berliner Label Lac et Mel für seine Show ausgesucht. Designer Gregor Clemens orientierte sich bei seiner Kollektion an dem Pariser Chic der sechziger Jahre. Feminin und mit gedeckten Farben kleidet er die Frauen in der Sommersaison ein. Weite Hosen und Abendkleider aus glänzendem Seidenstoff runden das Bild ab. Die verwendeten Stoffe stammen alle aus Frankreich und Italien. Der Designer, der vor einiger Zeit von Leipzig aus an die Spree gezogen ist, zeigte außerdem seine erste eigene Schmuckkollektion, entworfen für die Schmuckfirma Xen. Für Clemens liefen gleich zwei Models aus der Casting-Show von Heidi Klum mit: Lena Gehrke und Sara Nuru. Letztere sah wirklich umwerfend aus.
Rockabilly-Mode aus Österreich
Die Show der österreichischen Designerin Lena Hoschek am Nachmittag begann eher verhalten, entwickelte sich dann zu einem echten Knaller. Die ersten beiden Models trugen Beige. Danach wurde der Auftritt immer bunter. Hoschek zeigte edle Rockabilly-Mode mit Trachtenanleihen. Hört sich ungewöhnlich an, funktioniert aber. Und der berühmten Mode-Kolumnistin Suzy Menkes von der International Herald Tribune gefiel es auch.
Am Nachmittag dann die Show, die von der Mercedes-Benz Fashion Week unterstützt wurde: das südafrikanische Label Black Coffee und Pablo Ramírez aus Argentinien. Die Entwürfe von Ramírez bestechen alle durch eine gehörige Portion Grandezza, obwohl sie hochgeschlossen und meist schwarz sind. Selbst die Braut trug bei ihm ein elegantes, fast furioses Schwarz.
Am Abend warteten dann noch ein paar Highlights auf diejenigen, die trotz des vollen Terminplans – insgesamt sind es 33 Shows, auf denen die neuesten Entwürfe für die Saison Frühling/Sommer 2010 präsentiert werden – noch Durchhaltevermögen bewiesen. Designerin Susanne Wiebe lud ihre Gäste am Abend in den China Club im Hotel Adlon ein. Das Label Gant brachte Stimmung auf die Fashion Week. Als der gut gebaute Mann in der engen Glitzerjeans und mit freiem Oberkörper den Laufsteg betrat, gab es spontanen Applaus und Gejohle. Die Marke feierte vorher im Hotel de Rome ihr sechzigjähriges Bestehen. Zu diesem Anlass wurde auch eine neue Linie gezeigt: sportlich, aber mit deutlich mehr Eleganz. Weite Kleider fü die Damen, enge Sakkos für die Herren.
Den Abschluss des Auftakttages bildete die Show der Universität der Künste am Bebelplatz.
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