Fashion Week
Wie die fünf Minuten mit Justin Timberlake waren
Justin Timberlake ist zur Fashion Week nach Berlin gekommen, um die Mode seines Labels "William Rast" vorzustellen. Doch bei der Präsentation wirkte der US-Star lustlos und abgespannt. Lächeln tut er nur beim Thema Tempelhof.
Die fünf so heiß begehrten Minuten mit Justin Timberlake – eigentlich sind es fast genau 145. So lange lässt der US-Star auf sich warten. Das ist jedoch nicht der Grund, weshalb die im Fünf-Sterne-Hotel anwesenden Reporter immer unruhiger werden (und damit sind auch nicht die weiblichen Vertreter gemeint, die sich immer wieder die Lippen nachziehen).
Es sind die "Gerüchte", die in der Wartezeit nach außen dringen. Schlecht gelaunt soll der Sänger sein. Ein Beweis dafür ist vielleicht das weitgehende Film- und Fotoverbot, das ein paar Teams kopfschüttelnd wieder abziehen lässt. "Bloß nicht nach Michael Jackson fragen", heißt es dann immer wieder. Darauf würde er gar nicht gut reagieren. Ausschließlich um die Mode dürfe es gehen. Justin Timberlake ist nämlich nach Berlin gekommen, um auf der Messe Bread&Butter sein Label "William Rast" vorzustellen.
Irgendwann geht es vom Foyer immerhin in den ersten Stock und dort in einen auf amerikanische Verhältnisse runtergekühlten Konferenzraum. Jeans liegen da ausgebreitet, und zwei Kleiderpuppen – ein Mann, eine Frau – stehen hinter zwei Sesseln. Vor einem wartet ein Plastikbecher von Starbucks mit Tee (Zen-Tea, wie das Management zu berichten weiß) drin. Von Justin. Der Strohhalm wäre bestimmt was für Ebay… Dann kommt er, endlich, nach einer "5-Minuten-Pause". Er wirkt weniger schlecht gelaunt als abgespannt, ein bisschen blass auch. Naja, mürrisch halt, aber höflich ist er immerhin. Sein Jugendfreund und Geschäftspartner Trace Ayala ebenfalls.
Also zur Marke, die man in Berlin zum Beispiel im KaDeWe bekommt. "Unsere Marke ist sehr amerikanisch, allerdings nehmen wir klassische Einflüsse auf und interpretieren sie dann neu", spult Timberlake routiniert ab. Vor drei Jahren haben die beiden Männer, deren Mütter ebenfalls gute Freundinnen sind, mit der Mode angefangen. Jeans, Lederjacken, Shirts mit Totenkopfprint. Alles schlicht, cool, funktional – passt gut zur Bread&Butter. "Wir haben keinen bestimmten Typ Mann oder Frau vor Augen", sagt Timberlake. Es gehe mehr um die Einstellung, selbstbewusst, so könne man die Träger charakterisieren. Hat die eigene Popularität geholfen? "Ich denke, das war eher so etwas wie ein Handicap, denn wir wollten, dass William Rast für sich allein steht." Der Markenname setzt sich aus denen der beiden Großväter zusammen. "Wir lieben sie sehr, und die beiden sind auch sehr stolz auf uns."
Timberlake und Ayala beschäftigen ein Designteam, mit dem sie sich "alle zwei oder drei Monate" treffen, um gemeinsam Ideen, eine Story zur Kollektion zu entwerfen. "Am liebsten hätte ich die Sachen dann immer sofort, aber leider muss man ja geduldig warten", sagt Timberlake, der, wie Trace Ayala auch, komplett in William Rast eingekleidet ist. "Wenn wir auf der Straße jemanden sehen, der unsere Sachen trägt, dann freut uns das natürlich", meinen beide. "Wunderschön", sagt Timberlake auf Deutsch. Irgendwie gequält, mit geneigtem Kopf und Blick nach unten, so als meine er, deutsche Journalisten würden solche Zugeständnisse erwarten. Irgendwann einmal sagt er etwas und streut ein langgezogenes "Ooooh" ein – der einzige Moment, an dem man an seine Musik erinnert wird.
Ein Lächeln blitzt bei Timberlake dann immerhin auf, als die Rede auf die Geschichte des Flughafens Tempelhof kommt. "Es ist toll, dass die Stadt diesen historischen Ort auf diese Weise nutzt." Zum Abschied dann ein deutsches "Tschüß". Ein Lächeln wäre netter gewesen.
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