Modewoche
Für Viktoria Strehle ist die Fashion Week ein Muss
Die Leiterin des Kreativteams für die Linie Strenesse Blue ist für die Fashion Week nach Berlin gekommen. Das Label gehört zu den Ausstellern der ersten Stunde, ungeachtet der vielen kritischen Stimmen. Mit Morgenpost Online spricht Viktoria Strehle darüber, warum sich ein Auftritt hier lohnt.
Von Franziska v. Mutius
Acht Uhr früh, Club Lounge im Interconti: Viktoria Strehle ist auf die Minute pünktlich zum Interview. Es ist der einzige Termin, den sie noch frei hat - zwei Tage vor Beginn der Show ihres Labels "Strenesse Blue" auf der Fashion Week. Das Geschäft ist hart, der Wettbewerb auch, die Modewoche keine Partymeile - zumindest nicht für die Aussteller und Einkäufer. "Cappuccino, Espresso, Café Crème?" Weil ein Servicemitarbeiter gerade nicht in Sicht ist, stellt sich die Tochter von Modeunternehmer Gerd Strehle ("Strenesse") selbst an den Kaffeeautomaten und erfüllt die Getränke-Wünsche ihrer Gäste.
"Wir haben von Anfang an an die Fashion Week geglaubt", sagt Viktoria Strehle, "wir wollten Berlin als deutsche Modemarke unbedingt unterstützen." In der Tat gehört Strenesse zu den Ausstellern der ersten Stunde, ungeachtet der vielen kritischen Stimmen. Und das Nördlinger Unternehmen hat der Fashion Week ungebrochen die Treue gehalten - ohne zu wissen, wie erfolgreich die Veranstaltung werden würde. "Es hat sich enorm entwickelt. Es kommen deutlich mehr internationale Einkäufer und das Interesse der Medien ist gewachsen. Besonders gefreut hat es mich, zu sehen, wie viele gute internationale Models hier zum Casting erscheinen."
Viktoria Strehle ist Leiterin des Kreativteams für die Linie Strenesse Blue, die in diesem Jahr noch "jünger, verspielter und leidenschaftlicher" sei. "Unsere Mode ist für Frauen, die Jeans und hohe Schuhe kombinieren. Wir hatten beim Entwerfen einen Steve McQueen vor Augen, der Kate Winslet in Berlin trifft, lässig und gut gelaunt Zeit mit ihr verbringt." Strehle lebt in München, aber sie liebt Berlin. "Ich bin regelmäßig hier, auch in unseren beiden Shops. Berlin ist unangestrengt, aber nicht nachlässig. Entspannt, locker. Mit einer guten Prise Understatement-Sexappeal." Sie hat es gern, durch die Straßen zu bummeln und zu beobachten, was die Leute hier tragen, was sie kombinieren, wie sie so drauf sind. Sie habe ihrem Vater offenbart, dass sie ihren Job gut von hier aus machen könnte. "Da hat er nur gelacht. Der logistische Aufwand wäre einfach zu groß."
Das Unternehmen Strenesse hat seinen Sitz in Nördlingen, gefertigt wird vornehmlich in Osteuropa. Viktorias Stiefmutter Gabriele Strehle ist der Design-Kopf aller Linien der Firma, die seit 1949 im Familienbesitz ist und bundesweit eigene Läden in München, Hamburg, Berlin, Düsseldorf, Köln und Dortmund betreibt. Mit 400 Mitarbeitern und einem Vertrieb in weltweit 30 Ländern setzte Strenesse 2007/8 etwa 73 Millionen Euro (ohne Lizenzen) um. Zu den prominentesten Kunden von Strenesse gehören Jogi Löw ("den liebe ich, der weiß genau, was er will") und die Fußball-Nationalmannschaft, die Schauspieler Hannah Herzsprung, Christiane Paul und Jan Josef Liefers oder auch Jazztrompeter Till Brönner .
Die Teilnahme an der Fashion Week ist für die Aussteller nicht nur imagefördernd. Die Tage auf der Messe spülen im Nachhinein bares Geld rein. "Wir haben dadurch deutlich mehr Kunden gewonnen. Gerade Strenesse Blue wird seither stärker wahrgenommen. Das, was wir auf der Messe zeigen, verkauft sich in den Shops besser als vorher", sagt Strehle. Immer wieder stellt sie sich selbst in ihre Läden. "Da kommen die Menschen mit Zeitungsartikeln, zeigen Bilder von den Laufstegen und sagen: Das Teil will ich." Warum die Unternehmerin sich selbst in die Läden stellt? Viktoria Strehle weiß, dass dies ungewöhnlich ist, aber genau daraus zieht sie einen Vorteil. "Für mich ist das selbstverständlich. Ich bekomme ja auch ein direktes, ungefiltertes Feedback von den Kunden. Die wissen oft gar nicht, wer ich bin. Die loben oder beschweren sich dann ganz ehrlich. Außerdem verkaufe ich so gern." Da ist es wieder, ihr fröhliches, ansteckendes Lachen.
Da wäre noch... die Wirtschaftskrise? "Früher wurden wir gelegentlich als typisch deutsch belächelt, weil Gabriele so sehr auf Qualität achtet. Heute sehen wir das als großen Vorteil und große Chance. Und mein Vater ist ein Mutmacher. Er geht als Visionär und positiver Denker voraus."
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